Stimmung in der Notunterkunft Alt-Merkstein ist familiär

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
11288396.jpg
Stock- statt Feldbetten: Die Notunterkunft in Alt-Merkstein ist umgebaut worden. Foto: Beatrix Oprée
11287748.jpg
Rainer Schömer, dem Security-Objektleiter, ist ein gutes Verhältnis auch zu den Kindern wichtig. Foto: Beatrix Oprée
11288263.jpg
Ehrenamtler Brigitte Junggeburth und Helmut Schallnat zeigen die Geschenkkarten.

Herzogenrath. „Je suis Paris!“ Das weltweite Emblem im Gedenken an den Terror vom 13. November, das Peace-Zeichen mit dem Eiffelturm, hängt auch in der Büroecke im Eingangsbereich der Notunterkunft Alt-Merkstein. „Das muss so sein“, sagt Rainer Schömer, Objektleiter Security. Ruhe herrscht auf dem gesamten Gelände, die meisten Bewohner sind zur Registrierung nach Niederaußem gefahren worden.

Kräftig umgebaut wurde die Turnhalle derweil, die anfänglich aufgestellten Feldbetten sind Stockbetten gewichen, Trennwände wurden errichtet, Gänge führen nun zwischen Compartments hindurch. „Stockbetten sind bequemer“, erklärt Schömer. „Und besser abzuschirmen. Die Menschen brauchen ja auch Privatsphäre.“ Respekt – jeder vor jedem – gilt als oberstes Gebot in der Einrichtung. „Nur so kann es funktionieren“, sagt der 52-jährige Hauptfeldwebel a.D. und nach einer zweijährigen Ausbildung nun Fachkraft für Schutz- und Sicherheit. „Natürlich gibt es schon mal Reibereien unter den Bewohnern. Aber das ist doch normal in solch einer Lage. Was diese Menschen alles erlebt haben ... wer würde da keinen Lagerkoller bekommen?“

Zwei etwa dreijährige Mädchen lugen hinter einem Vorhang hervor, grinsen aufgeweckt und verstecken sich sofort wieder. Alle Kleinkinder der Welt lieben dieses Spielchen, auf das sich auch der Wachmann gutmütig einlässt. Ein guter Kontakt zu den Menschen ist ihm wichtig, sagt er und erzählt von tränenreichen Abschieden und Berichten der Abgereisten, am neuen Ort sei es bei weitem nicht so schön wie in Herzogenrath. Was Honar Omar Fatah, Mitarbeiter des DRK, dem Betreiber der Unterkunft, bestätigt: „Ein Ehepaar, das jetzt nach Trier gebracht wurde, ist total traurig, weil dort nur Anonymität herrscht.“ Der Fachbereichsleiter Flüchtlingshilfe des DRK, Naseem Jafri, erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung sogar vom Karnevalsauftakt, den „Ehemalige“ der Notunterkunft zusammen mit Mitarbeitern von DRK und Security in Köln gefeiert haben.

Zurzeit rund 600 zugewiesen

Froh über die gute Stimmung im Camp sind auch Politik und Stadtverwaltung in Herzogenrath. Der Ausschuss für Arbeit und Soziales hat jetzt zudem das „vorausschauende“ Handeln der Verwaltung gelobt, dezentral im gesamten Stadtgebiet Wohnungen für die zugewiesenen Flüchtlinge anzumieten.

Wie Bürgermeister Christoph von den Driesch unserer Zeitung darlegte, sei seitens des Landes geplant, die kleineren Notunterkünfte unter 500 Personen aufzulösen. Aufgrund des Betriebs zweier kleiner Unterkünfte in Herzogenrath waren die längerfristigen Zuweisungen in die Stadt zwar nicht ganz ausgesetzt, aber deutlich geringer gewesen. Setze die Bezirksregierung ihre Pläne um, sei in Folge mit schnelleren Zuweisungen zu rechnen. So könne es sein, dass sich die Flüchtlingszahlen bis Mitte 2016 verdoppeln.

Zurzeit betreue Herzogenrath 371 Flüchtlinge, unter Berücksichtigung der Menschen, die mittlerweile dem Jobcenter obliegen, seien es 591 – ohne die Hilfesuchenden in den Notunterkünften.

Eine zeitliche Dimension zur Auflösung dieser kleineren Notunterkünfte sei noch nicht absehbar, legt Dirk Schneemann, Sprecher der Bezirksregierung, auf Anfrage unserer Zeitung dar: Es sei von Anfang an Ziel gewesen, die kleinen im Rahmen der Amtshilfeersuchen eingerichteten Notunterkünfte in große zu überführen, was nun sukzessiv erfolge, sobald entsprechender Raum geschaffen sei.

Mit Blick auf die personelle Situation hat der Fachausschuss denn auch einmütig konstatiert, dass „professionelle Verstärkung notwendig ist durch eine zusätzliche qualifizierte Kraft für den Flüchtlingsbereich“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert