Stilvoll und authentisch mit stolzen 20 km/h

Von: Yannick Longerich
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Treibstoff im Blut: Die IG Freunde alter Landmaschinen Herzogenrath sind gerne unterwegs – wie hier in Alsdorf . Foto: Toussaint

Herzogenrath. Bei dem Gedanken an eine auf der Landstraße langsam dahin tuckernden Traktorkolonne treibt es dem deutschen Autofahrer vermutlich die Schweißperlen aufs Gesicht. Wer jedoch im Sommer sonntags auf René Toussaint und seine Kollegen von der Interessengemeinschaft (IG) Freunde alter Landmaschinen trifft, für den gibt es ordentlich was zu schauen.

„Natürlich sind unsere Traktoren mit 20 km/h Spitze nicht die schnellsten. Aber es geht bei unseren Ausfahrten auch um das Erlebnis, die Aussicht und vor allem die Magie, die von unseren Schätzchen ausgeht“, sagt der IG-Gründer.

Ein Porsche zum Verlieben

Auf Vermeidung von Verkehrsbehinderungen im Stile von Rübentransportern geben die Traktorliebhaber besonders acht. Toussaint erläutert: „Wir fahren mit einem sehr großzügigen Abstand zum jeweiligen Vordermann, so dass wir problemlos überholt werden können. Die meisten wollen das aber gar nicht und schauen uns lieber eine Weile fasziniert zu. Beschwerden haben wir bis auf eine einzige Ausnahme noch nie erlebt.“

Sein feuerroter Porsche Diesel 208, Baujahr 1958, ist Toussaints ganzer Stolz. Der Mechanikermeister hat wie viele seiner Kollegen seine Maschine im Zuge der notwendigen Restaurierung komplett zerlegt und wieder zusammengebaut.

Ausnahmslos alle Fahrzeuge sind normal über das schwarze Kennzeichen versichert und Zugelassen, der TÜV wartet alle zwei Jahre. Pannen, wie eine defekte Dieselleitung, werden von den fachkundigen Liebhabern schnell und unkompliziert vor Ort repariert. Im Zweifel dürfte sogar der ADAC in Anspruch genommen werden.

Sechs Stunden auf dem Bock

Regelmäßig veranstaltet der Club sein beliebtes Sommerlager. Zum Jubiläum – in diesem Jahr feiert die IG ihr 20-jähriges Bestehen – werden sich Toussaint und seine Kollegen Ende Mai nach Sonsbeck am Niederrhein aufmachen. Mit angekoppeltem Wohnwagen wird die Strecke ins Sommerlager von ungefähr 100 Kilometern in sechs Stunden absolviert – eine Herausforderung für die Gesäßmuskulatur auf dem harten Sitz.

Stolz sind die Liebhaber auf ihren Neuerwerb aus dem Jahr 2013: eine holzbefeuerte Feldküche der NVA mit kompletter Ausstattung und in Originallackierung. Toussaint hatte das Stück von einem Schützenverein erworben. „Natürlich ist das Ding der Renner. Im Sommerlager ist die Küche in ständiger Nutzung. Zwei unserer Jungs streiten ständig darüber, wer denn nun kochen darf“, schmunzelt Toussaint.

Speziell bei den Ausfahrten legt die Interessengemeinschaft enormen Wert auf die familiäre Einbindung. „Wir sind zwar mit Blick auf die Mitgliederliste ein reiner Männerverband, aber speziell bei unseren Unternehmungen kommen unsere Frauen, Bekannte und Kinder immer gerne mit“, erzählt Toussaint.

Während natürlich im Sommer die Dieselmotoren nur so knattern und brummen, werden zur Winterzeit die Schätzchen aus Witterungsgründen vermehrt geschont. Dann stehen im Gegenzug gemeinsames Frühstücken, Frühschoppen oder Mittagessen hoch im Kurs.

Das Internet hat der Interessengemeinschaft seit ihrer Gründung im Jahre 1996 einen großen Schub gegeben. Allem voran ist das Beschaffen von Ersatzteilen erheblich einfacher geworden. „Früher musste man monatelang herumtelefonieren, Flohmärkte durchforsten, auf Treffen Kontakte knüpfen und noch dazu immer eine große Portion Glück haben. Ebay und andere Seiten sind zwar kein Garant für die Verfügbarkeit eines bestimmten Stücks, aber es ergeben sich dadurch sehr viel mehr Möglichkeiten“, meint Toussaint.

Des Weiteren werden auch seit geraumer Zeit die Liebhabertreffen mit anderen Vereinen fast nur noch über das Netz verabredet. Toussaint sagt: „So etwas war früher unvorstellbar. Wir müssen leider schon Anfragen für Verabredungen ablehnen, weil es zeitlich einfach nicht mehr rein passt. Noch vor einigen Jahren waren wir froh, wenn wir pro Jahr ein bis zwei Treffen verabreden konnten.“

Seit der Gründung vor 20 Jahren ist die Mitgliederzahl kontinuierlich gestiegen trotz Austritten und altersbedingten Sterbefällen. Der jüngste unter den mittlerweile 29 Aktiven ist gerade einmal sieben Jahre alt – ein Enkelsohn eines langjährigen Mitglieds, der schon früh seine Liebe zu Traktoren entdeckt hat.

Die nächste Generation der Landmaschinenfreunde wächst also bereits heran. Mit einer gehörigen Portion Diesel im Blut wird der Verein sowohl seinen Fans auf der Straße, als auch seinen Aktiven selbst noch lange Zeit viel Freude bereiten.

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