Stets aktuelles Geschehen zwischen Gefühlen und Geld

Von: ath
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Kopfkino für das Publikum: Schauspielerin Anna Barbara Hagin (l.) und Musikerin Irmgard Himstedt erwecken die Geschichte von Agnes und Eugen kongenial zum Leben. Foto: Andrea Thomas

Herzogenrath. Es gibt Abende, an denen es sich bezahlt macht, das gemütliche Zuhause noch einmal zu verlassen. Auch an diesem Abend im Eurode-Bahnhof ist dies bei einer Veranstaltung anlässlich des Internationalen Frauentags der Fall.

Da trifft das Fräulein Agnes Pollinger, Schneiderin, zurzeit ohne Stellung, vor dem Arbeitsamt auf Eugen Reithofer, von Beruf Kellner, auch ohne Arbeit. Im München des Jahres 1928 nichts Ungewöhnliches. Es sind harte Zeiten. Doch die kümmern die beiden von einem Moment auf den anderen nicht mehr - sie haben sich verliebt!

Doch was mit einem gemeinsamen Abend unter einer Ulme und ersten Zärtlichkeiten beginnt, soll keine Zukunft haben in diesen Zeiten. Agnes, gerade einmal 19 Jahre alt und den Männern allgemein nicht abgeneigt, träumt von etwas Großem und versetzt Eugen für Harry und seinen Sportwagen. Eine Fahrt zum Starnberger See, ein Schnitzel mit Gurkensalat, mit dem Harry sich ein Liebesabenteuer mit Agnes erkauft, später ist sie ernüchtert. Ebenso Eugen, der gehofft hatte, sie sei anders. Dennoch, als er von einer Stellung für sie hört, macht er sich auf zu ihrem Haus. Wenigstens dieses Stückchen Glück kann er ihr bieten.

Lieben, lachen, leiden

Die Geschichte von Agnes und Eugen hat Anna Barbara Hagin vom ersten Lesen an fasziniert. „Ich habe mich in die Sprache verliebt, in die Geschichte verknallt und wusste, das würde ich gerne auf die Bühne bringen”, erklärt die Schauspielerin. Die Geschichte sei so aktuell: „Trau ich meinen Gefühlen oder dem Geld?”.

Träume contra Pragmatismus. Unterstützung bei der Umsetzung fand sie in der Musikerin Irmgard Himstedt und der Regisseurin Heike Beutel. Gemeinsam haben sie aus dem Prosatext „Sechsunddreißig Stunden: Die Geschichte vom Fräulein Pollinger” von Ödön von Horváth eine szenische Lesung mit Musik gemacht. Wobei Lesung es nicht annähernd trifft, was die beiden Künstlerinnen an diesem Abend in die Räume des Frauenkommunikationszentrums mitgebracht haben. Vom ersten Wort, vom ersten Ton an nehmen sie die Zuschauer mit, tauchen mit ihnen ein in eine andere Zeit, lassen sie lieben, lachen und leiden mit Agnes und Eugen. Anna Barbara Hagin liest und spielt, lässt aus Buchstaben höchst lebendige Menschen entstehen.

Traum von einer besseren Zukunft

Sie schwärmt, träumt von einer besseren Zukunft, verliebt sich, zweifelt, ist zornig, traurig und manchmal ganz nüchtern und sachlich. Ihre Bühnenpartnerin Irmgard Himstedt unterstreicht dies perfekt mit Musik (Chopin, Schubert und dem „Second Waltz” von Dmitri Schostakowitsch) mal mit der Querflöte, mal mit dem Akkordeon. Sie tanzt, begleitet das Vorgetragene assoziativ mit Bewegung. „Ich wollte, die Atmosphäre plastisch darstellen, den Subtext des Textes”, beschreibt sie ihren Part. Gesucht und gefunden, denn die Eine wäre nichts, ohne die Andere. Erst im Zusammenspiel beider Frauen, wird die Geschichte des Fräulein Pollinger zum Kopfkino für ihr Publikum.

Das geizt am Ende auch nicht mit dem verdienten Applaus für diesen besonderen Abend, den die Gleichstellungsstelle und das Kulturamt Herzogenrath gemeinsam mit Peperoni e.V., dem Frauenbündnis und dem Frauenkomm veranstaltet haben. Kaum einer, der Agnes und Eugen nicht noch ein wenig mitnimmt in den eigenen Alltag.
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