Herzogenrath - Steigende Strompreise verhageln Saint-Gobain die Bilanz

Steigende Strompreise verhageln Saint-Gobain die Bilanz

Von: Berthold Strauch
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Kurzer Stopp beim Schnelldurchgang: (v.l.) Dr. Stephan Kranz, Norbert Teschner, Christoph von den Driesch, Garrelt Duin, Paul Neeteson, Michael F. Bayer, Bert Wirtz und Daniela Jansen. Foto: Berthold Strauch

Herzogenrath. Das Herzogenrather Traditionsunternehmen Saint-Gobain Sekurit Deutschland ist an der Glasstraße zu Hause – ein klarer Hinweis auf das Endprodukt, das das 20 Hektar große Werksgelände im Herzen der Rodastadt verlässt. Bereits seit 1873 wird dieser Standort genutzt. Die unmittelbare Nähe zu den Nivelsteiner Sandwerken, die den Qualitätsrohstoff für die Glasfertigung liefern, sei ein entscheidender Standortvorteil, informierten die Verantwortlichen des Konzern am Freitag einen besonderen Gast: Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD).

Doch der Düsseldorfer Ressortchef, seit knapp einem Jahr im Amt, nahm nicht die Floatanlage des Konzerns und damit die Sparte Saint Gobain Glass in Augenschein, die das transparente, zerbrechliche Produkt in riesigen Dimensionen herstellt, sondern vielmehr das jenseits der Wurm unmittelbar benachbarte Schwesterwerk.

Duin wurde damit stellvertretend ein florierendes Beispiel für die insgesamt 74.000 Betriebe im Bezirk der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK) präsentiert. Denn der Minister absolviert derzeit sozusagen eine „Antrittstour“ kreuz und quer durch NRW. Die Aachener Region war bereits seine dritte Station von insgesamt 16 IHKs im Lande – und, wie Duin ergänzte, auch die sieben nordrhein-westfälischen Handwerkskammern stehen gleichfalls noch auf seiner Besuchsliste, die er „abarbeiten“ möchte.

Kurz vor seiner Herzogenrather Visite hatte Duin bereits das Laserbearbeitungs- und Beratungszen-trum NRW in Geilenkirchen besichtigt, als Beispiel für eines der vielen klein- und mittelständischen Unternehmen „mit hohem Innovationspotenzial“, wie IHK-Präsident Bert Wirtz herausstellte.

Bei Saint-Gobain Sekurit sind rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, erfuhr der hochgewachsene Minister schnellen Schrittes bei seinem Werksrundgang. Dabei wurde Duin auch von Herzogenraths Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) begleitet, ebenso der Aachener SPD-Landtagsabgeordneten Daniela Jansen. Von Seiten der IHK nahmen der neue Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer und Geschäftsführer Fritz Rötting an dem Besuch teil. Die Feinheiten der industriellen Produktion brachte den Gästen Geschäftsführer Norbert Teschner und der Industrielle Direktor Dr. Stephan Kranz nahe.

Außerdem stand Paul Neeteson, Generaldelegierter der Compagnie de Saint-Gobain für Deutschland und Mitteleuropa in der Pariser Zentrale, für Informationen bereit. Und der exzellent Deutsch sprechende gebürtige Niederländer lobte zunächst die „kompetenten Mitarbeiter“ des Herzogenrather Werks, dazu die Nähe zur RWTH und der Fachhochschule Aachen. Dies mache es dem Unternehmen leicht, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. In Herzogenrath herrsche „ein Klima der Erneuerung“, unterstrich Neeteson.

Doch bei allen positiven Wertungen verhehlte Neeteson nicht die Probleme, die Saint-Gobain aktuell umtreiben. Dabei verwies er auch auf den „internen Wettbewerb“ mit anderen Unternehmen aus dem Konzern, besonders aus Osteuropa. Mit Blick auf die Energiewende äußerte er die Sorge um eine größere Liefersicherheit für die Industrie.

Besonders hart für den Konzern sind die steigenden Strompreise. Trotz hohen Verbrauchs – Elektrizität wird zum Heizen der Biegeöfen für die Autoscheiben genutzt – sei Saint-Gobain nicht von der EEG-Umlage befreit (Erneuerbare-Energien-Gesetz), bedauerte Geschäftsführer Teschner. Binnen zehn Jahren hätten sich die Strompreise verdoppelt, während die Erlöse seines Unternehmens für die Produkte erheblich gefallen seien, zum Teil auf die Hälfte.

Rasche, wirksame Hilfe konnte der Minister seinen Gastgebern nicht in Aussicht stellen. Erst im kommenden Jahr rechnet Duin, wie er sagte, mit einem „neuen Strommarkt-Design, für das wir mit aller Energie eintreten“. Das war noch kein Entspannungssignal für Saint-Gobain . . .

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