Start in ein fast normales Leben

Von: ak
Letzte Aktualisierung:
halibullah3sp
Visite im Krankenhaus: Habibullah kann schon wieder lachen. Professor Dr. Thomas Vögeli, Chefarzt der Urologie und Kinderurologie am MZ, ist mit dem Heilungsverlauf nach der OP zufrieden. Foto: ak

Bardenberg. Habibullah kann bereits wieder lachen. Wenige Tage nach der schweren Operation geht es dem Achtjährigen blendend. Von den Strapazen ist ihm nichts mehr anzusehen.

Stattdessen sitzt er gemütlich auf seinem Bett, neben sich den großen, grauen Plüschesel platziert, und kaut genüsslich einen Keks nach dem anderen.

„Nachher ist ihm wieder schlecht”, sagt Professor Dr. Thomas Vögeli, Chefarzt der Urologie und Kinderurologie am Medizinischen Zentrum des Kreises Aachen (MZ), und lacht. Vögeli hat die schwierige Operation an Habibullah vorgenommen, die dem Jungen aus Afghanistan ein nahezu beschwerdefreies, normales Leben ermöglicht.

Der Achtjährige war in dem vom Krieg zerrütteten Land mit einer Blasenextrophie geboren worden. „In Deutschland wird eine solche Missbildung normalerweise sofort operiert”, erklärt Vögeli. Doch ist der medizinische Standard in Afghanistan gänzlich anders.

So musste Habibullah die ersten acht Jahre damit zurechtkommen, dass seine Blase nicht angelegt war, sondern nur als Platte im vorderen Bauch lag. Darüber verlor der Junge konstant den Urin. „In den ersten Lebensjahren fällt das vielleicht gar nicht so auf, da Kleinkinder ja Windeln tragen. Aber danach wird der austretende Urin mit Lappen aufgefangen”, sagt Vögeli.

Zu dieser schweren Anomalie gehören auch eine Missbildung des Penis mit offener Harnröhre und die Verlagerung beider Hoden in den Bauchraum. Da das Becken nicht geschlossen ist, stehen die Beckenknochen weit auseinander.

Zurück ins Friedensdorf

In einer mehrstündigen, komplizierten Operation hat das Team um Professor Vögeli Habibullahs Leiden lindern können: Im Bereich des Enddarms wurde ein Reservoir angelegt, welches ihm nun als Blase dient. Der Junge entleert den Urin sozusagen mit dem Stuhlgang und ist damit nicht auf eine so genannte „nasse Beutelversorgung” angewiesen, sondern ist kontinent. Der Penis wurde rekonstruiert, die beiden Hoden in den Hodensack verlagert und zusätzlich linksseitig noch ein Leistenbruch verschlossen.

Wie die vor nicht allzu langer Zeit in Bardenberg operierten Niazmina und Umurzoq kommt auch Habibullah aus dem Friedensdorf in Oberhausen und ist am MZ kostenlos operiert worden. Vor sechs Monaten kam der Achtjährige nach Deutschland und spricht mittlerweile schon recht gut Deutsch.

In den nächsten Tagen wird er Bardenberg verlassen und ins Friedensdorf zurückkehren. Wenn er gesund ist und bleibt - und davon gehen alle aus -, kann er auch bald wieder zurück zu seiner Familie nach Afghanistan.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert