Alsdorf - Starkomiker Jürgen von der Lippe mit „Wie soll ich sagen?“ in Alsdorf

Starkomiker Jürgen von der Lippe mit „Wie soll ich sagen?“ in Alsdorf

Von: Elisa Zander
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Allround-Talent: Jürgen von der Lippe greift auch zu Gitarre und Saxophon, um sich und seine Weisheiten auszudrücken. Foto: Elisa Zander

Alsdorf. Er kann es einfach. Wenn der Mann, der Hawaiihemden fernsehtauglich gemacht hat, zur Gruppentherapie bittet, dann lässt sich keiner lange bitten. Grund für die Sitzung: Verfall der deutschen Sprache. Zielgruppe: Zuschauer in der Alsdorfer Stadthalle. Methodik: Veranschaulichung anhand von Beispielen. Etwa Heidi Klum. „Die ist interessant weil sie so schön spricht.“ Das findet Jürgen von der Lippe.

Und lacht, während er die Model-Mama nachahmt. Ironie pur. „Jetzt fragen Sie sich, warum bewegt den alten, dicken Mann das?“ Nicht, dass er darauf eine schlichte Antwort parat hätte, so einfach macht der ehemalige Deutschlehrer es dem geneigten Zuschauer nicht. Im Stil von „Die Leiden des jungen Werther“ spielt er ein Lied „mit kontraintuitivem Verlauf“ („Schreiben Sie sich das ruhig auf, es kommen noch mehr solcher Wörter“).

Er lässt zwischen den Zeilen lesen und spitzt es während seines zweieinhalbstündigen Programms auf die eine Einsicht zu: Es bewegt ihn aus seiner Liebe zur Sprache heraus. Das ist die Essenz der Gruppentherapie. Doch bis es soweit ist, beschäftigt er sich mit automatischen Urinalen, nervenden Vielrednern und tiefenpsychologischen Diätvorschlägen. „Ich bin ja ein sehr vorausschauender Mensch. Ich mache mir morgens schon Gedanken, was ich abends essen könnte.“

Oldies erraten

Der zweifache Grimme-Preisträger gastierte an gleich zwei Abenden mit seinem Programm „Wie soll ich sagen?“ in der Stadthalle, machte dabei keine große Show, sondern ließ einfach Worte sprechen. Er weiß eben, was er sagen will – und wie. Dass die Zuschauer dabei eine entscheidende Rolle im wahrsten Sinne des Wortes spielen, lassen zwei Flipcharts und davor drapierte Sitzmöbel erahnen. In bewährter Geld-oder-Liebe-Spiel-Manier „bittet“ er Zuschauer auf die Bühne mit dem Versprechen: „Sie werden sich nicht blamieren. Und Sie bereuen es, wenn Sie nicht mitmachen.“

Und dann sitzen Rolf und Ottilie gegenüber Simone und Michael und versuchen Oldies zu erraten, die von der Lippe auf dem Saxophon anspielt. Es geht in die Richtung „Rote Lippen soll man küssen“ und „An der Nordseeküste“. Dann kommt es zum kreativen Teil, in der die Kandidaten mittels Kolben- und Nasenflöte dem Spielpartner Lieder präsentieren sollen. Herrlich komisch! Natürlich kommt nicht viel dabei herum, aber der Unterhaltungsfaktor ist enorm.

Doch zurück zu der Sache mit der Sprache. Jürgen von der Lippe doziert über Männer und Frauen, kokettiert mit seinem Alter, präsentiert selbst niedrigste Flachwitze würdevoll und anmutend und erzählt Geschichten über sich und seine Liebste. „Meine Frau hat eine neue Creme. Sie sagte: ‚Wenn man sich damit die Oberschenkel einreibt, werden die dünner.‘ Da hätte ich noch gehen können. Aber ich sagte: Werden dann nicht auch die Finger dünner?“

Kummerkasten-Kalle

Er agiert ohne Hektik („Älterwerden ist schön, man hat dann viel mehr Zeit“), spricht langsam, gewählt, abgeklärt. Während er auf der Bühne hin- und herläuft, greift er immer wieder in die Saiten, mal als Udo-Lindenberg- und Herbert-Grönemeyer-Verschnitt, mal als Kummerkasten-Kalle. Dabei präsentiert er abwechselnd weise Worte („unsere Sprache verrottet, der Brief darf nicht sterben“ – und schreibt einen Brief an das Essen: „Ich vermisse dich“) und schlüpfrige Halbwahrheiten: „Wenn man sich in der Bikinizone rasiert und eine Woche wartet, hat man Wolfgang Thierse im Schlüpper.“ Urkomisch.

Von Sprachkrise ist da nichts zu merken, das Publikum ist dankbar dafür und erfreut sich wie Jürgen von der Lippe an Wortspielen, die er beim Googeln im Bereich Friseur („Kopfgeldjäger“ etwa und „Verdammt lang Hair“) und Restaurant (Gasthaus „Mastdarm“ oder „Kartoffelpuff“) gefunden hat.

Die Zuschauer lässt er singen und aufstehen („Jetzt kann ich sagen: auch in Alsdorf schon nach fünf Minuten Standing ovations“). Es ist eben eine Gruppentherapie zum mitmachen.

Und am Ende sind alle kuriert. Würde man die Frage nach Geld oder Liebe stellen, entschieden sich wohl alle für Letzteres: aus Liebe zu Jürgen und aus (seiner) Liebe zur Sprache.

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