Würselen - Starken Schlusspunkt gesetzt

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Starken Schlusspunkt gesetzt

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Wusste beim Abschluss der „Tage der Poesie” im Würselener Kulturzentrum Altes Rathaus zu überzeugen: Der Autor Norbert Scheuer stellte seinen neuen Roman „Uberm Rauschen” vor.

Würselen. Nein, ein Eifeler Autor ist Norbert Scheuer gewiss nicht. Alles Folkloristische, heimisch Anheimelnde ist den Büchern des 58-jährigen Schriftstellers aus Kall-Keldenich fremd.

Aber in ihrer Stille, Verlassenheit und Skurrilität sind seine literarischen Panoramen und genau fokussierten Momentaufnahmen eindeutig Zeugen ihres geistigen Terroirs - genau so, wie ein Riesling von der Mosel das Schiefergestein seines Bodens in sich aufgesogen hat und von daher seiner Herkunft ebenso wenig verleugnet wie es Scheuer und seine Erzähltexte tun.

Kostproben dieser kargen und dennoch sinnlich fassbaren Welt waren den Freunden der „Tage der Poesie” im Kulturzentrum Altes Rathaus in Würselen vergönnt. Mit Scheuers Lesung aus seinem aktuellen Roman „Überm Rauschen” klang der diesjährige Veranstaltungszyklus aus - nicht zum ersten Mal: Bereits 2001 hatte Scheuer den Abschluss gestaltet.

Scheuer, im Brotberuf als Systemprogrammierer bei der Telekom tätig und von seinem Auftreten her alles andere als ein auf den Effekt und die Inszenierung seiner Person hin zielender Showman, ließ die wesentliche Elemente seiner Welt im letzten von ihm gelesenen Kapitel deutlich werden.

Zwei Brüder gehen nachts angeln - und einer von ihnen kracht durchs Eis. Nicht nur von daher strahlt Scheuers „Überm Rauschen” etwas vom Erfrorenen, Verlassenen und Bedrohten der Welt von Schuberts Liederzyklus „Winterreise” nach den Gedichten von Wilhelm Müller aus.

Der Dichter (denn ein solcher ist Scheuer, der sich in der Aussprache nach der Lesung ausdrücklich zum Verdichten und Verfremden von in der Eifel vorgefundenen Natur-Bildern bekannte) lässt in diesen Szenen seine Sprache sich entfalte: karg wie die Landschaft und knapp wie der Umgangston ihrer Menschen, fast schon ökonomisch und doch voller Bilder von nachgerade unheimlicher Schönheit, die nicht zuletzt dann entstehen, wenn Scheuer den durchs Eis gebrochenen Protagonist unter der gefrorenen Oberfläche im Wasser dahin treiben lässt.

Mit dieser Lesung und der lebendigen Diskussion bekamen die „Tage der Poesie” dank der subtilen Natur von Scheuers Erzählgeflechten ein Finale nach Maß - gerade weil das von dem Würselener Autoren-Kollegen Christoph Leisten koordinierte Festival kein Trendbarometer ist und gerade einer eigensinnigen Lyrik-Raum schafft.

Norbert Scheuer mag da als untypischer Schriftsteller gelten: In diesem Jahr stand sein Name immerhin ziemlich weit oben auf der Liste der aussichtsreichsten Kandidaten für den Deutschen Buchpreis.
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