Baesweiler - Stadtverwaltung Baesweiler: Isa Derichs geht in den Ruhestand

Stadtverwaltung Baesweiler: Isa Derichs geht in den Ruhestand

Von: Margret Nußbaum
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An alter Wirkungsstätte: Isa Derichs, Vorzimmerdame im Baesweiler Rathaus, geht in Ruhestand. Foto: Margret Nußbaum

Baesweiler. Fast 43 Jahre angestellt bei der Stadtverwaltung Baesweiler, davon 32 als Sekretärin im Vorzimmer von Bürgermeister Dr. Willi Linkens: Isa Derichs, eine Institution im Rathaus, tritt ihren Ruhestand an. Vieles hat sich in Sachen Bürotechnik und -organisation im Laufe ihres 46-jährigen Berufslebens geändert.

Isa Derichs erzählt: „Nach dem Abschluss der Handelsschule arbeitete ich in Aachen bei Lindt & Sprüngli als Phonotypistin. Damals hatte ich schon eine elektrische Schreibmaschine. Als ich dann nach Baesweiler ins Settericher Rathaus wechselte, stand auf meinem Schreibtisch eine mechanische Triumph Adler. Auf einer solchen hatte meine Mutter bereits geschrieben. Was sich aber in den fast 44 Jahren bei der Stadtverwaltung Baesweiler in Sachen Bürotechnik getan hat, ist phänomenal.“

Die Arbeit habe ihr immer Spaß gemacht. Dazu hätten nicht zuletzt ihre Kollegen beigetragen. „Zum Zusammenhalt trugen auch die vielen Betriebsfeiern mit lustigen Auftritten bei, für die wir eifrig geprobt hatten“, sagt sie.

Wie viel Wertschätzung Isa Derichs entgegengebracht wird, zeigte sich nun noch einmal bei ihrer Verabschiedung im Kreis der Kollegen. Manche Geschichte kann sie erzählen, etwa vom Besuch des früheren Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes in Baesweiler. „Sein Ruf als Tee-Kenner eilte ihm voraus. Das hatte mir die Sekretärin des damaligen Oberkreisdirektors gesteckt. Sie erklärte mir auch, welche Teemischung Antwerpes bevorzugt und wie diese genau zubereitet werden muss. Natürlich war ich erleichtert, als Franz-Josef Antwerpes sich nach seinem Gespräch mit unserem Bürgermeister bei mir für den exzellenten Tee bedankte.“

Auch an den Besuch des damaligen Arbeitsministers Norbert Blüm erinnert sich Isa Derichs noch lebhaft: „Als ich ihm einen Kaffee servieren wollte, stand er auf und begrüßte mich mit den Worten ‚Guten Tag, mein Name ist Blüm.‘ Das hatte ich so noch nicht erlebt. Bisher waren immer alle Honoratioren sitzen geblieben. Ich antwortete daraufhin: ‚Guten Tag, mein Name ist Derichs. Darf ich Ihnen einen Kaffee einschenken?“

„Die Menschenkenntnis von Isa Derichs und ihre Gabe, Situationen richtig einzuschätzen, sind phänomenal“, lobt Dr. Willi Linkens seine langjährige Sekretärin. „Sie hat immer erkannt, was dringlich ist und was bis morgen Zeit hat.“ Dazu passt die folgende Begebenheit: „Der damalige Oberkreisdirektor Dr. Walter Fricke kam unangemeldet nach Baesweiler und fragte nach dem Bürgermeister. Doch der war nicht da“, erzählt Isa Derichs. „Der Oberkreisdirektor verriet mir, dass für Setterich eine Mülldeponie geplant sei. Woraufhin ich sofort zum Telefonhörer griff und meinen Chef anrief. Er kam natürlich sofort. In der Wartezeit musste ich Konversation betreiben und sagte prompt zum Oberkreisdirektor: ‚Das mit der Mülldeponie kann doch nicht Ihr Ernst sein! Ich geh da immer Joggen.‘ Zum Glück nahm er mir das nicht übel. Wir haben uns beide geschüttelt vor Lachen. Und ab dann verlangte er, wann auch immer er ins Rathaus kam, nach mir, um zu fragen, ob ich denn immer noch joggen würde. Das sind Anekdoten, die ich Zeit meines Lebens nicht vergessen werde.“

Isa Derichs nahm auch im Umgang mit ihrem Chef nie ein Blatt vor den Mund. Linkens erinnert sich: „Sie sagte mir mal, ich hätte die Eigenheiten meines Patenonkels. Das war der frühere Kämmerer Willi Jansen, für den Isa Derichs auch gearbeitet hatte.“ Ob er denn eine Eigenschaft verrate, die auf eine Verwandtschaft zwischen Jansen und Linkens schließen lässt? „Klar doch“, lacht Linkens. „Mein Onkel hat – wie ich – im Flur des Rathauses immer das Licht ausgeknipst, um Strom zu sparen.“

Linkens schätzte an seiner langjährigen Sekretärin stets ihre diplomatische Art, ihre Loyalität, ihre Verschwiegenheit – und: „die Fähigkeit, meine Schrift zu entziffern. Das war einfach grandios!“ Auch Isa Derichs findet Lobesworte für Linkens: „Er vertraute mir quasi blind. Ich machte Termine für ihn. Und wenn er dann fragte, ob das sein müsse, konterte ich: ‚Da müssen Sie jetzt durch!‘“

Natürlich hatte das Dasein im Vorzimmer des Bürgermeisters auch seine Schattenseiten. Etwa wenn aufgebrachte Bürger laut und unsachlich wurden. „Die am lautesten brüllten, hatten am wenigsten Recht“, hat Isa Derichs oft feststellen müssen. Einmal schrie ein offensichtlich angetrunkener Mann sie an: „Du kannst mich mal am Arsch lecken!“ Woraufhin Isa Derichs ruhig antwortete: „Es tut mir sehr Leid für Sie, aber das habe ich schon einer anderen Sau versprochen.“ Und der Pöbler? „Der machte sich eiligst aus dem Staub“, sagt Isa Derichs. Und lacht.

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