Stadtteilgespräch: Hier und Jetzt ist den Bürgern wichtig

Von: Holger Bubel
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Großer Andrang: Bei der dritten Auflage der Stadtteilgespräche in Blumenrath/Mariadorf musste sich Bürgermeister Alfred Sonders (l.) auch unangenehmen Fragen und Anmerkungen stellen. Zumeist persönliche Anliegen wurden vorgetragen. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. In der Mittagspause war Bürgermeister Alfred Sonders noch schnell im Fitnessstudio: zur Muskelstählung. Am Abend „stellte“ er sich in der Mensa der Europa-Hauptschule Pestalozzi beim dritten Stadtteilgespräch in Blumenrath/Mariadorf rund 300 Bürgern. Seine Erkenntnis im Anschluss: Der Rücken- und Schultermuskulatur sowie dem Brustbereich sollte er in zukünftigen Sporteinheiten noch größere Aufmerksamkeit schenken.

Denn: Starke Schultern und einen kräftigen Rücken braucht der Verwaltungschef, um das zu tragen, was man ihm von Bürgerseite aufbürdet. Und: Eine breite Brust braucht Sonders, stellt er sich damit doch schützend vor seine Verwaltungsmitarbeiter, die nicht immer gut wegkommen bei den Blumenrathern und Mariadorfern. Zumindest wenn man den Worten Glauben schenken darf, die Sonders zu hören bekam.

Klamme Kassen und Demografie

Sein Ziel, die Bürger über die Situation ihrer Stadt aufzuklären – über klamme Kassen, den demografischen Wandel hin zur überalterten Einwohnerstruktur, aber auch aufzurufen zur gemeinsamen Zukunftsgestaltung –, musste an diesem Abend weitgehend hinten anstehen, auch wenn Sonders vor Beginn der rund dreistündigen Veranstaltung bat: „Wenn irgendwo der Gulli voll ist oder anderswo der Schuh drückt, hinterlegt eure Adresse, ich kümmere mich darum. Heute möchte ich mit euch über die Zukunft von Blumenrath und Mariadorf diskutieren und gemeinsame Wege finden.“ Vergebens, was der erste Bürger mit fortschreitendem Abend mit immer säuerlicherer Miene zur Kenntnis nehmen musste.

Das Thema Hauptschulzusammenlegung holte Alfred Sonders nach Protesten aus Ost auch 2013 – diesmal mit Kritik aus Blumenrath – wieder ein. „Sie sind vor dieser Zusammenlegung nicht auf uns Anwohner zugegangen. Jetzt haben wir die Probleme mit einer fast doppelt so großen Schüler- und Lehrerzahl: Verschmutzung, zugeparkte Einfahrten, kaputtgefahrene Bürgersteige und ein allgemein erhöhtes Verkehrsaufkommen. Da muss was getan werden“, forderte Karl-Heinz Dreßen, Vorsitzender der Siedlungsgemeinschaft Blumenrath.

Nicht wenige Stimmen erhoben sich gegen den Zustand des Mariadorfer Friedhofs, auf dem es nach starkem Regenfall unmöglich sei, manche Gräber zu erreichen. Den Lösungsvorschlag eines Bretterstegs über das Wasserloch musste Sonders mit Blick auf die Kosten ausschlagen: „Für dieses Problem gibt es keine kleine Lösung. Das Grundwasser steht zu hoch. Diesen Missstand zu beheben, geht nur über höhere Friedhofsgebühren.“

Weitere Klagen: „Neue Straßenbeleuchtung ist zu schwach“, überschwemmte Straßen, „Spielplätze sind in schlechtem Zustand“, Lärmbelästigung an der Euregiobahn-Trasse durch Züge, nicht hinreichende Entsorgung von Laub durch Bauhof, fehlende Musikvereine und -schulen, keine Angebote für Kinder und Jugendliche...

In den meisten Fällen konnte Bürgermeister Sonders für Aufklärung und Verständnis sorgen. Etwa: Einsparung von über 100.000 Euro und von Kohlendioxid durch LED-Straßenbeleuchtung, Spielplatzkommission im Einsatz, die alle Spielplätze auf den Prüfstand stellt, existierende Musikschulen und städtischer Singchor – ein kostenloses Angebot.

Nicht selten zeigten sich die anwesenden Bürger allerdings auch einfach nur schlecht informiert. Vielen schien die schlechte finanzielle Situation, in denen sich die Stadt Alsdorf befindet, nicht richtig klar zu sein. Ein Umstand, der Bürgermeister Sonders kaum anzukreiden sein dürfte. Informationen, etwa durch den Besuch öffentlicher Ausschuss- oder Ratssitzungen, hätte so manche Frage oder Anmerkung aus der Bürgerschaft erübrigt. Vielleicht schafft da der geplante Lifestream aus dem Ratssaal bald Abhilfe.

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