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Stadtsportverband: Vereine sind sauer auf die Stadt Würselen

Von: Karl Stüber
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Mit der Sperrung von Fußballplätzen wegen Unbespielbarkeit soll es ein Ende haben: Würselens Fußballvereine setzen auf Kunstrasenplätze – und auf ein tragfähiges Konzept der Stadt. Foto: stock/Elbner, Karl Stüber
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Vom Vorsitzenden des Stadtsportverbands Würselen, Günter Kuckelkorn (r.), zum Vortrag gebeten: Landtagsabgeordneter Axel Wirtz (l.).

Würselen. Dass „die Wahrheit auf’m Platz liegt“, gehört zu den Binsen- und Basisweisheiten des Fußballspiels. Oft sind Taktik und spielerische Disziplin vergessen, wenn der Ball rollt. So auch bei der Vorstandssitzung des Stadtsportverbands Würselen, zu der Vorsitzender Günter Kuckelkorn Axel Wirtz eingeladen hatte, auf dass der Vorsitzende der SG Stolberg über die Erfahrungen beim Schaffen zukunftsfähiger Spielstätten sowie bei Vereinskooperationen und -fusionen in der Kupferstadt berichten möge.

Nach Wirtz’ interessanten Erläuterungen geriet indes die Veranstaltung in Teilen zur Generalabrechnung mit der Stadt Würselen. Im Gesellschaftszimmer der Gaststätte „Zur Teut“ ließen Vertreter von Würselener Fußballvereine ihrem aufgestauten Frust freien Lauf. Es waren aber auch selbstkritische Töne zu hören (siehe Beitrag unten). Wäre die Auseinandersetzung auf dem grünen Fußballfeld zwischen Teams der Verwaltung und der Vereinsvorstände ausgetragen worden, hätten am Ende der Begegnung wahrscheinlich nicht mehr alle Akteure auf dem Platz gestanden. Zur „Blutgrätsche“ kam es am grünen Tisch jedoch nicht, da keine Vertreter der Verwaltung eingeladen waren und politisch Engagierte – so etwa Stadtverordneter Markus Carduck (FDP), zugleich Vorsitzender des VfR Würselen – nicht ihr Partei-Trikot übergestreift hatten.

Das Modell Stolberg machte Eindruck – und setzt(e) zugleich die Stadt Würselen unter Handlungszwang, ebenfalls mit einer eigenen offensiven Spielanlage aufzuwarten, statt sich hinten reinzustellen und gegenüber den mit eigenen Vorstößen anrennenden Fußballvereinen weiter zu mauern, war zu deutlich hören.

Wirtz, lange Jahre Schiedsrichter und froh, die interne Würselener Auseinandersetzung nicht pfeifen zu müssen, bringt reichlich Erfahrung mit. Der CDU-Landtagsabgeordnete ist Vorsitzender des Sportausschusses des Landtags, hat lange Sportpolitik im Stolberger Stadtrat betrieben und weiß als Vereinsvorsitzender um die Sensibilität von Vereinsvertretern im Umgang miteinander („besonders bei Ehrenvorsitzenden“) und gegenüber der Kommune.

Zum Stolberger Modell: Schon vor rund 15 Jahren, so Wirtz, habe man in Stolberg erkannt, auf die Probleme bei der Nachwuchsarbeit und die schwierige finanzielle Lage der Kommune reagieren zu müssen. „Wir Vereine müssen uns verändern“, sei allgemeine Erkenntnis gewesen. Weitere Erkenntnis: „Moderne Sportanlagen sind das, was die Leute wollen.“ Wesentliches Merkmal seien da Kunstrasenplätze mit ansprechender Infrastruktur. Wirtz: „Die Eltern achten ganz genau auf die Attraktivität und das, was die Vereine zu bieten haben, bevor sie ihre Kinder anmelden.“

Das habe in Stolberg zu einem intensiven und konstruktiven Austausch zwischen Stadt und Vereinen geführt. „Da gibt es in Würselen offenbar noch Luft nach oben“, konstatierte Wirtz bedauernd. „Wichtig ist, dass man dann im Rathaus zu einem Konzept kommt. Man darf die Vereine nicht zwingen. Meines Erachtens muss das in der Verwaltung Chefsache sein.“ Anreize schaffen statt Druck zu machen, sei die Devise.

Die Formel dazu: „Wenn Ihr Vereine zueinanderfindet – nicht unbedingt sofort als Fusion, wenngleich die besser wäre, sondern anfangs etwa durch Kooperation – dann gibt es Geld von der Stadt.“ Das sind pro Kooperation zweier Vereine in der Regel 250.000 Euro, um einen der beiden bislang genutzten Plätze zu einem Kunstrasenplatz umzubauen, der dann von den Vereinen gemeinschaftlich und fast ganzjährig genutzt wird. Mittlerweile hat Stolberg unterm Strich rund 2,5 Millionen ausgegeben.

Bezahlt wird dies jeweils durch die Vermarktung des anderen Platzes – zwischenfinanziert durch eine Kooperation der Stadt mit einem Geldinstitut. Das klappt aber nur, so Wirtz, wenn die Vereine ihrerseits durch Gönner und Sponsoren weiteres Geld aufbringen und Eigenleistung bei der Ausgestaltung der verbleibenden Spielstätte zeigen.

Die Vereine sind dabei Bauherrn, der jeweilige Vorstand zeichnet also verantwortlich. Wirtz mahnte: „Es ist besser, durch Veränderung Vereine zu erhalten, als in Tradition unterzugehen. Das ist ein Stück Arbeit, aber wir würden es in Stolberg wieder tun.“ Der Gast des Stadtsportverbandes Würselen berichtete, dass die Vereine prosperieren, die so zusammengefunden haben.

Wirtz meinte, Würselen würde als „hochattraktive Stadt“ wohl keine Probleme haben, die die Flächen nicht mehr benötigter Sportplätze als Bauland zu vermarkten, Er sprach von „großer Umsetzungskraft der großen Koalition“, was in dem Kreis der Fußballer als „Rat“ an SPD und CDU gewertet wurde, Dampf zu machen.

Wirtz fuhrt fort: „Jeder (Verein) muss selbst überlegen, ob das eine gute Idee ist. Und die Würselener Vereine sollten die Köpfe zusammenstecken und sagen, was sie wollen.“ Er sei selbst eher ein konservativer, das Bewährte erhaltende Mensch.

Allerdings: „Wenn ich erkenne, ich muss mich bewegen, dann muss ich das auch tun. Sonst machen es andere.“ Wirtz riet dazu, es bei den Kooperationen der Vereine erst einmal mit Spielgemeinschaften zu versuchen, um auszuprobieren, ob man zueinander passt. Durch Kooperationen würden teilweise die Wege zur verbleibenden Sportstätte länger, „aber welches Kind geht noch zu Fuß oder fährt mit dem Rad zum Sport. Die Kinder werden doch zumeist von Eltern und Großeltern gefahren. Da kommt es auf ein bis zwei Kilometer mehr nicht mehr an“, sagte der Vereinsmensch Wirtz.

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