Stadtmarketing Herzogenrath plant eine „Virtuelle Mall“ und vieles mehr

Von: Beatrix Oprée
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Sieht Stadtmarketing als Partner der Gewerbevereine und Klammer der Stadtteile: Stadtmarketing-Vorsitzender Walter Breuer. Foto: Beatrix Oprée
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Auf Wunsch Vakanzen individuell analysieren: Gegen Leerstände – hier in Herzogenrath Mitte – soll noch konkreter vorgegangen werden, im Schulterschluss mit Politik und Verwaltung. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Die Möglichkeiten des Internet aktiv nutzen möchten die Akteure des Stadtmarketingvereins in Herzogenrath, um Handel und Gewerbe zu stärken. Erster Schritt ist der Aufbau einer „virtuellen Mall“, um die Vorzüge der Stadt – von den Freizeitressorts bis zu den Shoppingmöglichkeiten – vor Augen zu führen, wie jetzt bei der Jahreshauptversammlung im Eurode Business Center vorgestellt wurde.

Auf dieser noch zu entwickelnden, professionell gestalteten Online-Plattform sollen sich Einzelhändler mit ihrem Angebot vorstellen und auf ihre eigenen Homepages verlinken. Über dieses Forum erhoffen sich die Vorständler auch Synergieeffekte, etwa beim Angebot eines stadtweiten verkaufsoffenen Sonntags, wie er auch aus dem Auditorium wieder angeregt wurde. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich der Vorsitzende des Stadtmarketing-Vereins, Walter Breuer, auch zu den weiteren künftigen Strategien der engagierten Geschäftsleute.

Zunächst: Wie lange gibt es den Stadtmarketing-Prozess in Herzogenrath mittlerweile?

Breuer: Stadtmarketing wurde im Jahre 2000 unter dem Begriff City-Marketing in Herzogenrath gegründet. Noch in der Gründungsphase hat man sich aber auf den Begriff Stadtmarketing geeinigt.

Wie lange sind Sie Vorsitzender? Wie viele Mitglieder aus welchen Branchen sind dem Stadtmarketingverein angeschlossen?

Breuer: Ich bin ein Stadtmarketing-Mitglied der ersten Stunde und habe Ende 2012 nach langjähriger Vorstandsarbeit von den Mitgliedern den Auftrag erhalten, den Vorsitz des Vereins zu übernehmen. Wir zählen im Verein Stadtmarketing knapp 60 Mitglieder aus allen Bereichen. Darunter sind Vertreter des Handels, Freiberufler, Handwerker, Dienstleister, Gastronome, politische Vertreter, Immobilieneigentümer, Vereine und andere Organisationen.

Wo sind aus Ihrer Sicht die Hauptansatzpunkte für ein Stadtmarketing?

Breuer: Städte und Gemeinden befinden sich zunehmend im Wettbewerb um Gewerbe und Unternehmen und vor allem um Menschen. Familien wie Unternehmen gehen dorthin beziehungsweise bleiben dort, wo die Umgebungsbedingungen für sie passend sind. Ein gutes Stadtmarketing wirkt auf Einwohner wie auch auf Auswärtige. Es führt zu einem positiven Image, das dem kulturellen Leben ebenso weiterhilft wie dem Einzelhandel.

Kurzum: Stadtmarketing setzt dort an, wo es um den Ausbau der Lebensbedingungen oder besser gesagt der Lebensqualität geht. Dabei haben wir in Herzogenrath in vielen Bereichen sehr gute Bedingungen. Beispielsweise die fußläufig erreichbaren Naherholungsgebiete oder die sehr gute ÖPNV-Anbindung. Diese gilt es noch stärker herauszustellen.

Welche konkreten Initiativen hat Ihr Verein in jüngster Zeit ergriffen?

Breuer: Wir haben im zweiten Halbjahr 2013 das Kundenbindungsinstrument „Park Mark“ noch einmal stark beworben und arbeiten darüber hinaus an Maßnahmen zur Stärkung des stationären Einzelhandels. Mit der Unterstützung des Burgsommers, der Burgweihnacht und den Stadtfesten der Gewerbevereine locken wir vermehrt Auswärtige nach Herzogenrath. Die Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Kooperation mit Ihrer Tageszeitung hat uns darin bestärkt, zukünftig noch intensiver in die direkte Diskussion mit den Bürgerinnen und Bürgern einzusteigen. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung hat Professor Thomas Ritz von der FH Aachen eindrucksvoll über die Auswirkungen des Internethandels referiert.

Gibt es Erhebungen über die Einflüsse wachsender Online-Geschäfte auf den Handel in den Herzogenrather Stadtteilen? Welche Branchen sind hauptsächlich betroffen, welche gar nicht?

Breuer: Genau das wollen wir herausfinden, um gezielte Maßnahmen für den Standort Herzogenrath ergreifen zu können. Hier sehen wir uns als Partner der Gewerbevereine und als Klammer der drei Stadtteile. Die Ausführungen von Professor Ritz haben ja auch ausdrücklich auf die Chancen des stationären Handels durch das Medium Internet hingewiesen.

Auch Leerstände sind in den Zentren mittlerer und kleiner Städte ein wachsendes Problem. Wo in Herzogenrath äußert sich das am deutlichsten? Was sind Ihrer Auffassung nach die Ursachen dafür?

Breuer: Alle drei Stadtteile verzeichnen Leerstände. Die Gründe für einen Leerstand sind genau so vielfältig wie individuell. Das veränderte Einkaufsverhalten spielt natürlich eine Rolle, genauso wie die Beschaffenheit der Immobilie, die Lage, der Mietzins, der mangelnde barrierefreie Zugang, die Parkmöglichkeiten, et cetera.

Wie könnte man der Leerstandsentwicklung entgegenwirken? Inwieweit sehen Sie hier auch die Politik in Verantwortung?

Breuer: Wir haben Mitte 2013 die Eigentümer, Geschäftsinhaber und die Verwaltung zum Thema Leerstand an einen Tisch geholt. Hierauf wollen wir aufbauen und den einzelnen Leerstand analysieren, soweit dies vom Eigentümer gewünscht wird. Die Politik kann hier die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Für Herzogenrath wurde mit dem Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept in 2007 ein wichtiger Pflock eingeschlagen.

Das alleine reicht aber nicht. Zur Stärkung der Zentren müssen weitere Anstrengungen unternommen werden. Die Wohnraumverdichtungen durch die jüngsten Wohnungsbaumaßnahmen in Herzogenrath-Mitte und auch in Merkstein sind ein weiterer Baustein. Für Kohlscheid kann die geplante Markttangente zukunftsweisend sein. Generell sollte eine Verdichtung der Verkaufsflächen in die zentralen Ortslagen angestrebt werden, um die Kräfte zu bündeln und für kurze Wege zu sorgen. Dies lässt sich allerdings nicht kurzfristig sondern nur sukzessiv umsetzen.

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