Nordkreis - Stadtgespräch zum Thema „Energiewende vor Ort“

Stadtgespräch zum Thema „Energiewende vor Ort“

Von: Karl Stüber
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Wärme und elektrischen Strom aus Bergen von Biomasse (Bild) gewinnen: Landwirt und Spargelbauer Walter Lamberts betreibt bei Würselen-Birk eine entsprechende Anlage und erläutert am Mittwoch beim Alsdorfer Stadtgespräch seine Motivation. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Zwei Dinge fallen beim Hof von Walter Lamberts auf. Zum einen, dass der Landwirt jedes Jahr schon ab Mitte März frischen Spargel anbietet, und zum anderen, dass ein Stück neben dem von Lamberts bewirtschafteten Gut Paffenholz bei Würselen-Birk große Speicher aus der ansonsten recht ebenen Fläche herausragen.

Beides steht nicht nur räumlich in Verbindung, sondern hat auch ansonsten sehr viel miteinander zu tun. Denn Lamberts betreibt mit Partnern eine Biogasanlage, um Strom zu erzeugen – für den eigenen Gebrauch und zum Einspeisen ins Netz. Die dabei entstehende Abwärme setzt er unter anderem für das Heizen eines Weiß-Spargel-Feldes ein. „Das wirkt praktisch wie eine große Fußbodenheizung. Die Heizleitungen werden im Zuge des Anpflanzens gleich mit verlegt.“ Dieses Vorgehen hält den Boden im Winter frostfrei und ermöglicht dem Spargel, sich schneller und früher zu entwickeln und erntereif zu werden.

Ist das nicht pure Energieverschwendung? Und außerdem: Neben extra zum zur Umwandlung in Energie angebauten Mais werden auch schon mal Rüben, Getreide und derzeit auch Kartoffeln zerkleinert und in der Biogasanlage durch Bakterien „verarbeitet“. Darf man angesichts des Hungers auf der Welt Nahrungsmittel „verfeuern“? Passt dieses Geschäftsprinzip zum Thema Nachhaltigkeit ? Ist das ein sinnvoller Beitrag zur Energiewende? Walter Lamberts kennt diese Form von Kritik nur zu genau und „brennt“ darauf, hierzu mit plausiblen Argumenten Stellung zu beziehen – im 12. Alsdorfer Stadtgespräch zum Thema „Zündende Ideen – leuchtende Beispiele“, das am heutigen Mittwoch, 19.30 Uhr, im Energeticon beginnt, Eintritt frei.

Im Schnitt setzt Lamberts rund 30 Tonnen Biomasse pro Tag ein, um Gas bzw. Wärme und Strom zu erzeugen. Der Substratmix aus Biomasse, wozu auch Mist und Gras zählen, wird zunächst im Hauptfermenter durch eine Welle mit anmontierten Paddeln in Bewegung gesetzt, so dass feste Stoffe in Flüssigkeit umgewandelt werden. Von Anfang an sind die Bakterienstämme aktiv, die zum Entfalten der größten Effektivität eine möglichst konstante Temperatur benötigen: 43 Grad. Ein Drittel der gewonnen Wärme wird deshalb zum Betrieb der Biogasanlage eingesetzt.

Nach einiger Zeit wird der „Cocktail“ in den Nachgärer gepumpt. „Im Fermenter passiert im Prinzip dasselbe wie in den Kuhmägen“, beschreibt Lamberts das Prinzip. Während jedoch die Kühe ihre Gase mehr oder weniger geräuschlos in die Umwelt abgeben, wird das Gas aus dem Fermentierungsprozess der Biogasanlage eben zur Produktion von Wärme und Strom genutzt.

Bei Volllast können rund 400 Kubikmeter pro Stunde anfallen. In einem rund 3000 Kubikmeter großen Speicher wird Biogas zwischengelagert, um Schwankungen in Produktion und Bedarf auszugleichen. Rund 150 Tage lange toben sich in verschiedenen Phasen Bakterienkulturen an ihrem „Futter“ aus.

Die organischen Reste werden als Dünger eingesetzt. Die Leistungen beträgt rund 770 KW elek-trisch. Mit der produzierten Jahresmenge von etwa 4,5 Millionen KW können rund 1800 Haushalte mit Strom versorgt werden.

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