Stadtentwicklungsgesellschaft: Wichtiges Instrument zur Ausgestaltung der Kommune

Von: Karl Stüber
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Nur ein Beispiel erfolgreicher Stadtentwicklung in Würselen: Das Neubaugebiet Kapellenfeldchen neben dem Medizinischen Zentrum Standort Marienhöhe ist laut SEG bereits komplett. vermarktet. Foto: Manfred Kistermann
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Stets zu neuen Plänen augelegt: Der Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen, Bürgermeister Arno Nelles (l.), und Geschäftsführer Manfred Zitzen. Foto: Karl Stüber

Würselen. 20 Jahre können verflixt schnell vergehen. Vor allem, wenn dauernd was Neues zu erledigen ist. Manfred Zitzen kann davon ein Lied singen – mit etlichen Strophen. Die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen GmbH & Co. KG – kurz SEW– besteht nun 20 Jahre, beurkundet am 29. August 1995. Zitzen ist Geschäftsführer.

Eigentlich ist schnell erklärt, was die Gesellschaft so treibt: Die SEW berät Bürger, Unternehmen und die Stadtverwaltung bei der örtlichen und überörtlichen Planung, betreibt und verwaltet städtische Gebäude und Grundstücke und vermarktet relevante Flächen im Stadtgebiet. Die Gesellschaft ist Ansprechpartner für den Ankauf und die Veräußerung von Ackerland-, Gewerbeland- und Wohnbaulandflächen im Stadtgebiet Würselen. So steht es im Internetauftritt der SEW.

Das allein wäre aber unangemessen knapp, denn die SEW ist zu einem wichtigen Instrument der Stadtentwicklung von Würselen geworden. Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Arno Nelles weiß das: „Die Gründung der SEW war eine sinnvolle Entscheidung. Das hat sich bewährt.“ Wohl wahr, angesichts all‘ der Projekte, die die SEW mit den Jahren gestemmt hat und noch stemmt, indem sie Kredite aufnimmt und ablöst, die sonst den städtischen Haushalt belasten würden.

Zitzen nennt als Hauptgrund für die Gründung vor 20 Jahren die hohe Flexibilität der Gesellschaft SEW, etwa beim Kauf von Land. Die Stadt müsste hierfür kompliziert und zeitraubend einen Nachtragshaushalt aufstellen. Die SEW „geht“ zur Bank. So wundert es nicht, dass die Stadt ihre Grundstücke in der Regel an die SEW verkauft. Das spült(e) Geld in den städtischen Etat. Und die Kommune sprich Verwaltung hat(te) nichts mehr die Vermarktung am Hut. Die daraus resultierenden Bauanträge werden allerdings im Rathaus bearbeitet – und die damit verbundene Leistung dem Bauherrn in Rechnung gestellt.

Anfangs noch im Rathaus untergebracht, betreibt die SEW mittlerweile von der Klosterstraße 33 aus ihre Geschäfte im Auftrag der Kommune Würselen. Unter den neun Mitarbeitern finden sich drei Beamte, die von der Stadt in die Gesellschaft SEW gewechselt sind.

Die Anfänge verliefen aus organisatorischen Gründen noch etwas holprig, erinnert sich Zitzen. Es dauerte rund zwei Jahre, bis die SEW im Mai 1997 so richtig loslegen konnte.

Gewerbegebiet Aachener Kreuz

Zu einer echten Erfolgsgeschichte ist das Gewerbeflächenmanagement und die damit verbundene Wirtschaftsförderung im Gewerbegebiet Aachener Kreuz geworden, das heute über eine Gesamtfläche von rund 169 Hektar verfügt. Auch die finanziellen Möglichkeiten der SEW wuchsen mit den Jahren. Anfangs lag das Stammkapital bei 100.000 Mark, heute hat man sechs Millionen Euro in der Rücklage, wie Zitzen berichtet. Mag sein, dass in dem Gewerbegebiet Aachener Kreuz immer noch einige recht große Lücken zu finden sind. Aber der Eindruck täuscht. Zumeist handelt es sich um Reserveflächen für Firmen, die expandieren wollen – sind also längst verkauft. Frei verfügbar sind insgesamt noch rund 60.000 Quadratmeter. Das klingt viel, ist aber relativ wenig, wenn ein „größerer Interessent“ ein zusammenhängendes Areal braucht, wie Aufsichtsratsvorsitzender Nelles sagt.

Deshalb werden weitere Gewerbeflächen vorbereitet – entlang der Autobahn Richtung Merzbrück. Dies ist Aufgabe der Aachener-Kreuz Merzbrück GmbH & Co. KG, an der die SEG beteiligt ist und für die SEG seit 1. April per Geschäftsbesorgungsvertrag tätig ist. Ende 2014 waren die entsprechenden Grundstücke am Flugplatz erworben worden, mit drei privaten Grundstückseignern werde noch verhandelt. Übrigens ist die SEW auch an der Betreibergesellschaft des Flugplatzes Merzbrück beteiligt. „Wir haben in all‘ den Jahren schon viele Wohnbaugebiete erfolgreich angepackt“, weist Zitzen auf ein weiteres für die Stadt Würselen wichtiges Betätigungsfeld der SEG und ihrer Partner hin. Nur ein Beispiel: das 85.000 Quadratmeter große Neubaugebiet Kapellenfeldchen. Innerhalb von zweieinhalb Jahren waren die Parzellen vermarktet, nur noch wenige Bauherren haben ihre Häuser noch nicht errichtet. Natürlich haben SEG und Stadt Würselen weitere Flächen für die Entwicklung neuer Baugebieten im Visier. Da will man aber nicht vor der Zeit das Fell des Bären verteilen, der noch nicht erlegt ist – und Spekulationen und entsprechendem Preisauftrieb Vorschub leisten.

Denkmalschutz betreiben

Neben dem Entwickeln von Baugebieten verfügt die SEW auch noch über einen eigenen Immobilienbestand, hat von der Stadt mit den Jahren einige Gebäude angekauft, sie hergerichtet und einer weiteren Nutzung zugeführt.

„Die SEW ist ein wichtiges Instrument, um den Denkmalschutz zu gewährleisten“, sagt Bürgermeister Nelles. So wurde zum Beispiel beim Bau eines Wohngebäudes am LIndenplatz die Baureste der dort 1875 errichteten und bis 1925 genutzten Synagoge in den neuen Baukörper integriert.

Wäre das Projekt Gesamtschule nicht auch etwas für die SEW? Am 29. September will der Stadtrat endlich über Neubau an der Krottstraße oder Ertüchtigung der Realschule an der Tittelsstraße entscheiden. Schon länger gibt es laut Zitzen Pläne, Flächen, die vom VfR Würselen und der Rhenania genutzt werden, zu entwickeln, allerdings zu einem Sportzentrum. Aber eine Gesamtschule? Wohl eine Nummer zu groß. Nicht ohne Grund reicht das Aufgabengebiet der SEW von heute „von der Stadtentwicklung bis zur Kultur“. Das beliebte Kulturprogramm der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein wurde im Jahre 2003 Aufgabe der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen.

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