Stadtbüchereien: Wer leiht heutzutage was?

Von: nad
Letzte Aktualisierung:
14634554.jpg
Heike Krämer, Leiterin der Stadtbücherei Alsdorf: Während in Würselen und Herzogenrath die Ausleihzahlen zurückgehen, nehmen sie in Alsdorf derzeit zu. Foto: nad

Alsdorf. Während das Angebot der Medien in den Büchereien des Nordkreises immer vielfältiger wird, gehen die Ausleihzahlen zurück. Mit diesem Trend haben die Stadtbüchereien in Würselen und Herzogenrath zu kämpfen, Alsdorf dagegen bildet die Ausnahme.

„Diese Entwicklung ist schleichend vorangegangen“, sagt Monika Silberer, Leiterin der Stadtbücherei Würselen. Vor dem Umzug der Stadtbücherei Würselen von der Klosterstraße an die Kaiserstraße im Jahr 1989 seien jährlich etwa 120.000 Medien entliehen wurden. Diese Zahl sei – bis heute – auf rund 75.000 zurückgegangen. Der wachsende Anteil der audiovisuellen Medien (DVDs, CDs, DVD-ROMs und CD-ROMs) habe das nicht aufhalten können.

Anders sieht es in der Stadtbücherei Alsdorf aus: Hier steigen die Ausleihzahlen kontinuierlich. 2010 wurden etwa 142.000 Medien entliehen, 2016 rund 156.000. Heike Krämer, Leiterin der Stadtbücherei Alsdorf, beobachtet eine Verschiebung dessen, was gelesen und ausgeliehen wird: Früher seien Sachbücher sehr beliebt gewesen, heute werden sie immer seltener nachgefragt. Stattdessen kämen heutzutage vor allem Kinder- und Jugendliteratur sowie die Belletristik sehr gut an.

„Im Vergleich zum Vorjahr ist die Ausleihe von Sachbüchern in der Stadtbücherei Herzogenrath um ganze 36 Prozent zurückgegangen“, sagt auch Sigrid Hamann, Leiterin der Stadtbücherei Herzogenrath. Sie sieht die Ursache hierfür in der Nutzung des Internets, da viele Informationen, wie zum Beispiel im Bereich „Recht“, dort aktueller zu finden seien.

Heike Krämer warnt allerdings davor, alle Informationen aus dem Netz zu beziehen, da diese nicht immer auf ihre Richtigkeit hin geprüft sind. „Manches recherchiert man besser in Büchern“, betont sie.

Auf das veränderte Nutzerverhalten reagieren die Büchereien, indem sie bestimmte Sachgebiete aus den Regalen entfernen und andere stärken. Das ist in Herzogenrath und Alsdorf vor allem bei Reiseführern und medizinischen Ratgebern der Fall. Heike Krämer merkt an: „Natürlich soll aus jedem Bereich ein Grundbestand in der Bücherei vorhanden sein, aber man muss sich an den Wünschen der Nutzer orientieren.“

Da immer mehr Besucher der Bücherei das Internet nutzen, wird es auch von den Stadtbibliotheken mehr mit einbezogen. Insgesamt beteiligen sich 14 Kommunen an dem Projekt „Onleihe“. Hierüber können digitale Medien (eBooks, ePaper, eAudios und eVideos) heruntergeladen und somit entliehen werden. Das Angebot der Onleihe wird von den Nutzern der Stadtbücherei Alsdorf im Vergleich zu anderen Büchereien weniger genutzt. Diese bevorzugen nach wie vor das Medium Buch.

Um Besucher anzulocken und die Hauptzielgruppe – Kinder und Jugendliche – zu erreichen, treffen Büchereien verschiedene Maßnahmen. Obgleich in der Stadtbücherei Würselen im Vergleich zum Vorjahr insgesamt etwa 1000 Medien weniger entliehen wurden, konnte bei der Kinder- und Jugendliteratur ein Plus von circa 2000 ausgeliehenen Büchern festgestellt werden. Die Ausleihe in dieser Sparte ist auch in der Stadtbücherei Herzogenrath um elf Prozent gestiegen. „Unsere Leseförderung trägt Früchte“, stellt Monika Silberer dar. Der Förderverein sei dabei eine große Unterstützung.

Um Kinder schon früh ans Lesen heranzuführen, kooperieren viele Büchereien mit Schulen und Kindergärten. Gemeinsam werden Klassenführungen, Lesenächte, Vorlesewettbewerbe und Zusammenstellungen von Bücherkisten organisiert. Unabhängig davon werden regelmäßige Lesenachmittage angeboten. Die Stadtbücherei Herzogenrath beispielsweise verfügt dabei über ehrenamtliche Lesepaten, die nicht nur in der Bücherei selbst vorlesen, sondern ebenfalls regelmäßig Kindergärten besuchen.

Die Alsdorfer bietet außerdem verschiedene Aktionen wie das Bilderbuchkino, die „Ferienschmökerbande“ und das Projekt „Vorlesen und Malen“ an. Die Büchereiausweise für Kinder bis neun Jahren sind in den meisten Stadtbibliotheken kostenlos.

„Die kleinste Besuchergruppe machen die 20- bis 40-Jährigen aus“, sagt Monika Silberer. Diese seien eher in den Bibliotheken der Hochschulen zu finden oder hätten aufgrund ihres Berufs oder ihres Familienstandes schlichtweg keine Zeit für einen Besuch der Bücherei, sagt Monika Silberer. Ähnliche Probleme hat auch die Bücherei Herzogenrath. Um dem entgegenzuwirken, hat sie das Projekt „Lesezwerge“ ins Leben gerufen. Die Bücherei veranstaltet alle zwei Wochen einen Nachmittag, an dem Kinder zusammen mit ihren Eltern Bilderbücher lesen können. Dies soll unter anderem auch die Eltern erneut zum Lesen animieren, die dazu eventuell sonst keine Zeit finden würden.

„Neben der klassischen Ausleihtätigkeit werden Büchereien immer mehr Treffpunkt für die gesamte Bevölkerung. Sei es, weil sie Informationen suchen oder weil sie zum Beispiel bei uns die Zeitungen und Zeitschriften nutzen“, berichtet Monika Silberer. Dorthin kämen nicht nur Erwachsene, die regelmäßig die Tageszeitung lesen, sondern auch Jugendliche. Sie vermutet, dass dies an dem Mangel an öffentlichen Räumen für Treffen liegt. Viele Jugendliche würden auch gemeinsam Schulaufgaben erledigen und das vorhandene Material direkt vor Ort nutzen. Das ist laut Heike Krämer auch ausdrücklich gewünscht, solange alle Besucher Rücksicht aufeinander nehmen.

„Der Vorteil ist vielleicht, dass Kinder und Jugendliche sich in einem geschützten Raum relativ frei bewegen können. Wir leihen auch Brett- und Gesellschaftsspiele aus, die die Kinder hier in der Bücherei spielen können. Es ist einfach generell zu sehen, dass Büchereien sich immer mehr darum bemühen, die Aufenthaltsqualität in ihren Räumen zu erhöhen“, sagt Monika Silberer.

In diesem Zusammenhang erzählt sie, dass auch immer mehr Buchhandlungen Sitzinseln und Verpflegungsstationen einführen, welche vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen seien. „Früher kamen die Menschen von selbst zu uns, jetzt muss man ihnen schon etwas bieten“, weiß sie.

Nebenbei bemerkt können auch Besucher ohne Büchereiausweis Räume und Angebote nutzen, allerdings nur vor Ort. „Das Besondere an Büchereien ist meiner Meinung nach, dass sie einfach allen Menschen offen stehen – egal, ob sie einen Benutzerausweis haben oder nicht“, sagt Monika Silberer.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert