Herzogenrath - Stadt sieht aber keine andere Chance als Fällung

Stadt sieht aber keine andere Chance als Fällung

Von: Beatrix Oprée
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Aufbäumen für die Bäume

Herzogenrath. „Es kommt der Tag, da will die Säge sägen“ – Katlinski, gefrusteter Protagonist aus Adolf Winkelmanns „Jede Menge Kohle“, Teil 2 der Ruhrpott-Filmtrilogie um drei Arbeitslose aus den 80ern, beginnt mit diesem radikal-befreienden Lebensmotto bekanntlich einen neuen Daseins-Abschnitt.

 Für Anlieger und Anwohner der Dahlemer Straße steht die Säge derzeit aber unter anderem Vorzeichen: dem Verlust von Naturnähe mitten im Wohngebiet, der radikalen Trennung von liebgewonnenen Gesellen des heimatlichem Umfelds, Wohnstatt selten gewordener Vögel und jeder Menge anderer Lebewesen, Abschied von einer grünen Lunge, die mit dem ersten Blütensegen im Frühling aufwartete, Nahrung für Bienen und Schmetterlinge.

„Die Bäume sind nicht abgängig, im Gegenteil, sie könnten noch rund 40 Jahre leben“, verdeutlicht Naturschützer Günther Kalinka, mit wie viel Emotionen für ihn das Thema „Hangsicherung an der Dahlemer Straße“ behaftet ist. Publikumswirksam um jeden Baum „fünf Minuten zu weinen“, regt er zur Versinnbildlichung an. Und Linda Hennemann zeigt Fotos vom Blick aus ihrem Fenster rund: „Wie sieht es aus, wenn dieses Grün erst verschwunden ist?“

Zum „Aufbäumen“ laden die Akteure zum Protest gegen die zwecks Hangsicherung avisierten Fällungen der rund 100 Jahre alten Berg- und Spitzahorne an der Dahlemer Straße ein. Am Dienstag, 8. Januar, 20 Uhr, formiert sich ein Runder Tisch im Soziokulturellen Zen-trum Klösterchen, Dahlemer Straße 28, um Widerstand zu organisieren – gegen die Fällung der Bäume und nicht gegen das Wohngebiet, wird betont. Wilfried Hammers vom Klösterchen ist wie seine Mitstreiter überzeugt: „Es gibt andere Möglichkeiten, den Hang zu sichern und die Bäume zu retten.“ Für Architekten müsse es doch eine Herausforderung sein, um Bäume herum zu bauen: „Aber wieder einmal müssen wir in Roda viel Energie dazu aufwenden.“

Dass – im Gegenteil – „Herumbauen“ in Herzogenrath nichts Neues sei, führt hingegen der Technische Dezernent Rüdiger Staron ins Feld: Die riesige Kastanie vor Mc Donalds an der Roermonder Straße ist vor Jahren aufwändig umbaut worden – und steht bis heute.

Doch eben jener Retter der Kastanie sei es jetzt, der den Ahornbäumen an der Dahlemer Straße mit Ausnahme des ganz außen stehen Exemplars keine Chance mehr gibt, nämlich der renommierte Baumsachverständige Dr. Hans-Joachim Schulz. Das eigens erstellte Bodengutachten des Aachener Diplom-Geologen Michael Eckardt spreche eine zu klare Sprache, verweist Staron auf die Verkehrssicherungspflicht der Stadt Herzogenrath für das ehemalige Vetrotex-Grundstück nach der offiziellen Übergabe: Eine „fachtechnisch korrekte“ Anschüttung an eine Böschung verlange gemäß Richtlinien den Abtrag des vorhandenen Oberbodens vor der Aufschüttung (geschredderter Bauschutt), eine stufenförmige Ausbildung und eine ordnungsgemäße Verdichtung „bis Oberkante vorhandene Böschung“, bilanziert der Bodenmechaniker. Was die Wurzeln laut Baumgutachter unweigerlich absterben ließe.

Selbst wenn man die Bäume also stehen lasse, so erläutert Staron, könnten tote Stämme plötzlich auf die Fahrbahn kippen. Und eine weniger gründliche Verdichtung bei Regenstürmen zu Unterspülungen führen, von abrutschenden Straßenteilen ganz abgesehen. „Ich möchte nicht wissen, was im Falle eines Unfalls auf uns zukäme.“ Für Staron ist klar: „Ich könnte aus Sicherheitsgründen sofort fällen lassen, dazu brauche ich keinen Stadtrat.“ Noch aber sei die Verkehrsbelastung der Fahrbahn nicht so groß, als dass Gefahr unmittelbar im Verzug sei.

Jeder, der sich die Böschungssituation von der Grundstücksseite aus ansehe, könne sofort nachvollziehen, wie gefährlich die Lage sei, das habe auch die Kleine Kommission des Fachausschusses erkannt. Grünen-Ratsverordneter Dr. Bernd Fasel sieht diese Zwickmühle denn auch: „Wir kämpfen für jeden Baum. Aber Sicherheit ist oberstes Gebot.“ Für den Fall der Fällung sind daher im Fachausschuss auf seine Anregung hin umfangreiche Ersatzpflanzungen verfügt worden. Und Rüdiger Staron fragt aufmüpfig: „Warum sollten wir als Stadt die Bürger ärgern und diese Bäume fällen? Wegen dreier Baugrundstücke?“

Diesem Argument könne alleine die jüngste großzügige Baulandausweisung in Kämpchen den Wind aus den Segeln nehmen...

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