St. Gertrud diskutiert über das Gotteslob

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
6977795.jpg
Es soll ja eingeführt werden in den drei Kirchen der Pfarrei St. Gertrud: Am Sonntag haben sich die Gläubigen zunächst mit dem Für und Wider auseinander gesetzt. Foto: Collage Horst Thomas, Markus Bienwald (3), Holger Bubel (1)

Herzogenrath. Eines nahm Pastor Dr. Guido Rodheudt gleich vorweg: Dies sei keine Vollversammlung zur Abstimmung über die Anschaffung. „Es ist klar, dass das neue Gotteslob in unserer Gemeinde einen Platz finden wird.“ Vielmehr solle man die Gelegenheit nutzen, um sich ein Urteil zu bilden über das Für und Wider des neuen Gebet- und Gesangbuchs.

Etwa 60 Gemeindemitglieder und einige Interessierte aus anderen Bezirken hatten sich am Sonntag nach der Messe zu der Pfarrversammlung im Pfarrsaal St. Marien eingefunden um genau das zu tun: das Für und Wider zu diskutieren, Standpunkte auszutauschen, sich eine Meinung zu bilden.

Ein Vertreter seitens des Bistums Aachen war nicht vor Ort. „Ich habe beim bischöflichen Generalvikariat angefragt, aber es hat sich niemand bereit erklärt oder keine Zeit gefunden, heute hier zu sein“, sagte Rodheudt und erklärte, man habe sich deswegen entschieden, einen Auszug aus der offiziellen Pressekonferenz zu zeigen, bei der Bischof Dr. Friedhelm Hofmann als Leiter der zuständigen Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz, das neue Gotteslob der Öffentlichkeit vorstellte.

Unter anderem geht dieser darin auf 20 Zeichnungen ein, die verteilt im Gotteslob „gezielt“ den Inhalt unterbrechen und zu einer anderen Auseinandersetzung mit dem Text führen sollen. Gelächter geht da durch den Pfarrsaal, denn, so zeigte sich in der späteren Diskussion, stellen genau diese Zeichnungen viele vor Interpretationsschwierigkeiten und vor allem vor die Frage: „Warum hat man anstelle dessen nicht weitere Lieder abgedruckt?“

Akzeptanzerhebung

37 Diözesen haben an dem neuen Gotteslob mitgearbeitet. Außerdem gab es eine Akzeptanzerhebung mit etwa 2000 Teilnehmern, darunter der Kirchenmusiker Kantor Herbert Nell, der bereits seit 1990 Kirchenmusiker von St. Gertrud ist. „Das alte Gotteslob hatte sicher einige Defizite“, sagte er und zeigte zur Verdeutlichung das Ergebnis der Erhebung, wonach 52 Prozent der Befragten angaben, im alten Gotteslob zu wenige Lieder zur österlichen Bußzeit, zur Dreifaltigkeit (48 Prozent) und zu Heiligen (56 Prozent) vorzufinden. Allerdings: „Es ist merkwürdig, wenn man eine Erhebung macht, wo festgestellt wird, dass genau die Lieder gut sind und mehr gewünscht werden und dann fliegen die raus“, sagte Herbert Nell, und nannte als Beispiel das im neuen Gotteslob nicht mehr vorhandene Lied für den Heiligen Josef und das St. Michaelslied.

„Wir haben eine sehr aktive Gemeinde, die sehr, sehr gut singt“, fand Chorleiterin Andrea Nell lobende Worte für die Gemeinde und die Chöre und stimmte mit den Anwesenden vier ausgewählte Lieder aus dem neuen Gotteslob an. Nicht alle fanden Zustimmung, wobei Andrea Nell auch zu bedenken gab, dass man sich an die unbekannten Lieder erst gewöhnen müsse. Dennoch sei das neue Gotteslob für sie „das definitiv schlechtere Buch“. Etwa 150 neue Elemente fänden sich darin für die Gemeinde, wovon „bereits 50 in den Chorgruppen gesungen werden“.

Im Aachener Anhang gebe es eine große Anzahl an Liedern, „die ich eher dem Kinder- und Jugendchor zuschreiben würde“. So blieben etwa 50 Lieder in unterschiedlicher Qualität übrig. „Wirklich singen würden wir also 25.“ Und im Gegenzug seien über 80 Stücke, die in der Gemeinde schon lange gesungen werden, nicht mehr im neuen Gebet- und Gesangsbuch. „Herr, Gott im Himmel, Dir sei Ehre“ etwa und „Laßt uns erheben Herz und Stimm“. Ein Raunen geht durch den Saal. Hinzu kämen Rechtschreib-, Noten-, Pausen- und Unterstreichungsfehler in dem neuen Buch zählt Herbert Nell auf.

„Erhebliche Kosten“

„Die Art und Weise, wie man mit uns umgeht“, ärgert Walter Strüder am meisten. „„Wir werden nicht mit einbezogen. Das Problem ist, dass wir uns dem nicht verweigern können.“ Die „erheblichen Kosten“ stören Monika Hank. „Ich spende gern, aber für die Pfarre ist das doch ein erheblicher Betrag.“ Die Idee, ein zusätzliches Liedheft für die Gemeinde zu drucken, das ergänzend zur Neuanschaffung genutzt wird, um liebgewonnenes Liedgut für die Gemeinde zu erhalten, kommt auf. Doch dies benötige eine Approbation seitens des bischöflichen Generalvikariats und der päpstlichen Liturgiekommission erläuterte Rodheudt.

„Alle Art der Kritik ist richtig“, sagte Bernd Franke, doch man sei Teil der gesamten Kirche und da wolle man auch bleiben. Ihm beipflichtend, betonte eine andere Anwesende: „Ein 40 Jahre altes Buch darf abgelöst werden. Natürlich ist es ein Konsens-Werk. Die Schwierigkeiten haben wir aufgezeigt. Die Frage ist, ob wir darüber pragmatisch hinweggehen.“ Die Diskussion über manche ausgewählte Gebete und Aphorismen konnte eine andere junge Gläubige nicht nachvollziehen: „Es ist nicht sinnvoll, über einzelne Gebete zu sprechen, weil man nicht weiß, was es in einem anderen auslöst.“

Gut, dass die Meinungen ausgetauscht werden konnten, war der Tenor im Anschluss. Argumente aus einer anderen Sicht zu betrachten helfe, die Standpunkte anderer nachzuvollziehen. Und vielleicht ist es so, wie Herbert Nell sagte: „Das Produkt reift beim Kunden.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert