St. Barbara: Gemeindemitglieder gestalten Familienevangeliar

Von: Andrea Thomas
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Handarbeit: Astrid Masur und Gerlinde Lohmann organisieren die Erstellung eines Familienevangiliars St. Barbara in Pannesheide. Foto: Andrea Thomas

Herzogenrath. Es war einmal ein König, der seine Gelehrten bat, für ihn die Geschichte der Menschheit aufzuschreiben. Sie schrieben 1000 Bücher - zu viele, um sie zu jemals lesen. Deshalb verlangte der König, dass die Schreiber sich auf das Wesentliche konzentrieren. Immer wieder, bis schließlich nur noch ein Satz übrig blieb: „Sie lebten, sie litten, sie starben und was zählt und überlebte, ist die Liebe!”

Das sei auch das Wesentliche in der Bibel, sagte jetzt Pfarrer Michael Datené, der ein ganz besonderes Projekt vorstellte.

Mit den Menschen in der Gemeinde St. Barbara in Pannesheide hatte er sich im Dezember 2006 aufgemacht, sich die Bibel auf eine ganz besondere Weise zu erarbeiten. Die Aufgabe, die sie sich vorgenommen hatten, war zwar nicht so monumental wie die der Gelehrten.

Doch auch sie erforderte viel Geduld. Woche um Woche schrieben Gemeindemitglieder den Text des jeweiligen Sonntagsevangeliars ab und schmückten die Seiten je nach Talent mit Zeichnungen oder kunstvollen Rahmen. Alle Seiten werden aufgeklebt und nach Abschluss des Kirchenjahres von Buchbinderin Thea Rongen stilvoll in Leder gebunden.

Beendet ist die Aufgabe noch nicht. Insgesamt sollen es drei Doppelbände werden, die dann alle Evangelien des Neuen Testaments beinhalten - aufgezeichnet von den Familien der Gemeinde. Die Lesejahre C (vom Advent 2006 bis zum Christkönigsfest 2007) und A (vom Advent 2007 bis zum Christkönigsfest 2008) sind abgeschlossen, die Arbeiten am aktuellen Lesejahr B (endet im Dezember) sind in vollem Gange.

„Das Schöne ist die Vielfalt. Die jüngsten Schreiber sind sieben, die ältesten um die 80 Jahre”, sagt Gerlinde Lohmann. Sie kümmert sich gemeinsam mit Astrid Masur um das Organisatorische. Die beiden teilen die Evangelienschreiber ein und versorgen sie mit Material vom Papier über die Tinte bis zu den Buntstiften. Die fertigen Seiten - für den zweiten Doppelband waren das 350 - und kleben sie auf.

Mittlerweile heißt es, gut 60 Mitschreibende zu koordinieren und zu betreuen. „Die Resonanz ist super, die Zahl derer, die sich beteiligen, ist stetig gewachsen”, freut sich Gerlinde Lohmann. Habe anfangs noch jeder mehrere Texte übernehmen können, so dürfe im aktuellen Lesejahr jeder nur einmal ran, damit auch alle drankommen.

„Gottes Wort an Menschenort”

Wer noch dabei sein wolle, solle sich daher schnell in eine der Listen eintragen, wirbt Pfarrer Datené. Für ihn ist das gelebte Gemeinde: „Jeder bringt sich ein, egal ob alt oder jung, ob mit einer wunderschönen oder eher hässlichen Schrift”. So entstehe ein wertvoller Schatz der Gemeinde. Der ist zum einen ganz materiell, denn das Familienevangeliar ist als handschriftliches Unikat ein Buch mit Wert, zum anderen ideell.

Die gesamte Gemeinde setze sich noch einmal ganz intensiv mit Gottes Wort und dem Neuen Testament auseinander. Die einen erarbeiteten es sich beim Schreiben, für die anderen werde es durch die individuell gestalteten Abschriften im Sonntagsgottesdienst noch einmal ganz präsent.

Mit ihrem Familienevangeliar wird die Gemeinde auch Teil der bistumsweiten Aktion „Gottes Wort am Menschenort” sein, die nach Ostern beginnt und bis zum Caritassonntag im September dauern wird. Dabei sind die Gläubigen aufgerufen, neu zu Hörenden für Gottes Wort, aber für die guten Worte der Menschen zu werden. Da passe das Evangeliar einfach gut hinein. „Obwohl wir bereits angefangen haben zu schreiben, als im Bistum noch niemand an die Aktion gedacht hat”, sagt Pfarrer Daten und schmunzelt.

Vielleicht findet das Pannesheider Projekt Nachahmer und hilft ein Stück Gemeindeidentität zu stiften, wo dies in den GdG und Großgemeinden just in dieser Zeit etwas verloren zu gehen droht.
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