Herzogenrath - SSV legt mit Akteuren zusammen Daten auf den Tisch

SSV legt mit Akteuren zusammen Daten auf den Tisch

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Haben Rodas Sportstättenentwicklungsplanung nicht nur im Blick, sondern wollen auch mitreden: Gerd Schwartz (l.) und Manfred Borgs.

Herzogenrath. Über Inhalte der vorliegenden Bestandsaufnahme und Erwartungen äußern sich SSV-Vorsitzender Gerd Schwartz und Geschäftsführer Manfred Borgs im Gespräch mit Beatrix Oprée.

Herr Schwartz, Herr Borgs: Sie stehen der Bestandsaufnahme durch ikps durchaus kritisch gegenüber.

Schwartz: Richtig. Die Datenerhebung von ikps bezieht sich auf die Mitgliederbestände der Vereine. Die Bevölkerungsentwicklung wird aber nur pauschal erwähnt. Das ist die erste Schwachstelle.

Und die zweite?

Schwartz: Die Gründe für die Veränderung der Mitgliederbestände werden nicht hinterfragt. Es heißt einfach: generell zehn Prozent weniger Mitglieder in den Vereinen. Nirgendwo aber findet sich eine qualitative Aussage zu den veränderten Daten, zur Bevölkerungsentwicklung oder der besonderen Situation der Stadt.

Letztere besteht worin?

Schwartz: Wir haben zum einen die Grenzlage zu Kerkrade und Heerlen mit ihren Großvereinen und Sportangeboten, die auch viele Herzogenrather nutzen. Dann das Oberzentrum Aachen mit sehr großen Vereinen, etwa im Wassersport und in der Leichtathletik. Und natürlich den Mehrspartenverein Alemannia. Dazu kommt die geostrategische Lage der drei Herzogenrather Stadtteile mit völlig unterschiedlicher Bevölkerungsstruktur. Die ist nirgendwo berücksichtigt.

Wie sieht die denn aus?

Schwartz: Die Konzentration „armer“ Kinder etwa ist in Merkstein besonders hoch, in Mitte und vor allem in Kohlscheid hingegen weniger ausgeprägt.

Woran liegt das?

Schwartz: Das ist historisch bedingt. In Merkstein leben unter anderem noch viele frühere Bedienstete des Bergbaus, Kohlscheid hingegen ist Pendlerstadtteil für Aachen geworden.

Jetzt hat der Stadtsportverband die Initiative ergriffen.

Schwartz: Wir nehmen die vorliegende Studie zunächst zum Anlass, bei den Vereinen stadtteilbezogen Daten zu erheben. Natürlich immer unter der Prämisse, der Stadt bei der Sportstättenentwicklungsplanung behilflich zu sein. Denn wir sind sehr daran interessiert, dass eine positive Entwicklung der Stadt auch im Sportstättenangebot ihren Niederschlag findet. Borgs: Wobei die demografische Entwicklung besondere Bedeutung hat. Und die findet in der Studie überhaupt keinen Niederschlag. Aber es muss auch abzulesen sein, was etwa ältere Menschen für Bedarfe haben.

Also hat der SSV ein besonderes Augenmerk auf Kinder in prekären Lebenslagen und ältere Menschen?

Schwartz: Und auf die Belange von Flüchtlingen natürlich, im Sinne der Integration. Diese Gruppen müssen auch ausreichend berücksichtigt werden. Die bereits stattgefundene Erhebung in Merkstein hat bestätigt: Der Anteil älterer Vereinsmitglieder nimmt zu. Das sind entweder Mitglieder, die im Vereinssport weitermachen, oder Menschen, die sich entscheiden, etwas für ihre Gesundheit tun zu wollen. Borgs: Das hat zur Folge: Der Bedarf an Sportstättenarten wandelt sich. Zugespitzt gesagt: Wer älter ist, turnt nicht mehr auf dem Hochreck oder kickt auf einem Fußballplatz herum. Schwartz: Viele haben noch nicht begriffen, dass durch den SEP viele öffentliche Gebäude betroffen sind. Es geht eben nicht nur um Fußballplätze.

Das heißt: Mit den zurzeit laufenden Workshops möchte der SSV agieren statt irgendwann nur noch reagieren zu können?

Borgs: Wir wollen mit den Vereinen zusammen Daten auf den Tisch legen können. ikps muss sich dann in der nächsten Stufe der Sportstättenentwicklungsplanung zwangsläufig damit beschäftigen. Wir wollen mitgestalten und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Schwartz: Das ist ja auch organisatorisch so besser zu handhaben.

Aber es zeichnet sich jetzt schon ab, welche Sportplätze es in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird?

Schwartz: Es sind zwei. Langenberg ist mit Blick auf die Planung der Osttangente in Kohlscheid ja nur noch befristet da.

Und soll aber ersetzt werden, wie es bislang hieß?

Schwartz: Das soll eben der SEP erbringen.

Wer trainiert hier?

Schwartz: Der KBC und die DJK Elmar.

Und welches ist der zweite Platz?

Schwartz: Niederbardenberg ist faktisch weg, das wird bereits offen gehandelt. Accordia hat nur noch eine Mannschaft. Borgs: In diesem Kontext möchte ich auch nochmals an die Situation in Mitte erinnern: Der Tennenplatz Ruifer Straße ist ja seinerzeit weggefallen, die Fläche wurde für Wohnbebauung vermarktet. Die damals zugesagte Refinanzierung für eine andere Sportstätte hat bislang aber nicht stattgefunden.

Und wie stellt sich die Hallensituation dar? Unverändert?

Borgs: Richtig: In der Halle an der Waidmühl sind zurzeit noch 60 Flüchtlinge untergebracht. Und die Halle am SVS-Stadion wird als Stand-by-Unterkunft vorgehalten, auch um bei Krankheiten in der Waidmühl eine Quarantäne-Möglichkeit zu haben. Allerdings haben wir eine Anfrage an den Bürgermeister und den Ersten Beigeordneten gerichtet, ob nicht eine der beiden Hallen wieder nutzbar gemacht werden kann. Darüber wird zurzeit noch beraten.

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