SSV-Geschäftsführer Borgs fordert „mehr Gespräche mit Vereinen"

Von: Beatrix Oprée
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„Aktiv gegen Rechts und für Toleranz“: Manfred Borgs. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Ein deutliches Zeichen „aller Demokratiekräfte“ möchte „Die Linke“ in Herzogenrath setzen: In der jüngsten Sitzung des „Bündnisses gegen Rechts“ habe der Geschäftsführer des Stadtsportverbands, Manfred Borgs, auf Anfrage unter anderem dargelegt, dass noch nicht alle Vereine der vom Verband im Jahr 2012 initiierten Aktion „Aktiv gegen Rechts und für Toleranz“ beigetreten seien.

Die Linke nimmt dies zum Anlass für einen Antrag an den Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur, die städtischen Zuschüsse für die betreffenden Vereine im Etat 2014 zu streichen. Erst wenn ein Beitritt zu dieser Aktion erfolgt sei und die entsprechenden Schilder mit dem Bekenntnis gegen Rechts an den Vereinsheimen angebracht seien, „kann man wieder über eine Förderung dieser Vereine befinden“, heißt es im Beschlussvorschlag der Linke weiter. Manfred Borgs äußert sich zu diesem Vorstoß im Interview:

Was halten Sie als Geschäftsführer des Stadtsportverbands, der die Aktion im Jahr 2012 mit initiiert hat, von diesem Antrag?

Borgs: Grundsätzlich finde ich es richtig und akzeptabel, die Vergabe von Steuergeldern – nichts anderes sind die besagten Zuschüsse ja – von einem eindeutigen Bekenntnis zu unseren freiheitlich-demokratischen Grundwerten, im konkreten Fall von der Unterstützung der Herzogenrather Aktion „Aktiv gegen Rechts und für Toleranz im Sportverein“, abhängig zu machen. Einen solchen Antrag, von dem ich erst im Vorfeld der Berichterstattung erfahren habe, hätte ich viel lieber einem Abstimmungsprozess zwischen der Politik und dem Stadtsportverband unterzogen gesehen. Denn er macht nur Sinn, wenn Vereine, die sich nicht der Aktion anschließen, etwas zu verlieren haben, sprich: auch merklich Zuschüsse verlieren, was aber bei den derzeit „aktionsfreien“ Vereinen aufgrund der geringen Zuschusshöhe nicht der Fall ist. Darüber hinaus würde ein solcher vorheriger Abstimmungsprozess eventuell auch die Gründe, warum Vereine sich nicht anschließen woll(t)en, aufdecken und politisch beseitigen lassen. Denn nicht jeder Verein, der sich nicht angeschlossen hat, ist automatisch als „rechtsdenkend“ anzusehen. Solange die Politik Veranstaltungen, Umzüge und Sportfeste von (Sport-)vereinen, die sich nicht öffentlich „gegen Rechts und für Toleranz“ aussprechen, besucht und diese Vereine in gleicher Art hofiert wie die Teilnehmer an der Aktion gegen Rechts, halte ich die Wegnahme von Zuschüssen zwar für richtig, aber inkonsequent.

Wie viele Vereine fehlen der Aktion denn noch?

Borgs: Von seinerzeit dem Stadtsportverband angeschlossenen 50 Vereinen haben sich 42 angeschlossen; demnach fehlen noch acht Vereine.

Was war seinerzeit der Auslöser für die Aktion „Aktiv gegen Rechts und für Toleranz“?

Borgs: Auslöser waren 2011 und 2012 Vorfälle einzelner Mitglieder in einem Herzogenrather Fußballverein. Zum einen wurde ein rechter Aufmarsch mit Gewaltausschreitung bei einem Jugendspiel dieses Vereins gegen eine in Aachen ansässige türkische Jugendmannschaft inszeniert und zum anderen wurde das Sportheim dieses Vereins arglos an einen Rechtsradikalen vermietet, der unter dem Deckmantel seiner Geburtstagsfeier dort eine rechte Informationsveranstaltung organisieren wollte.

Ist Ihres Wissens nach die Problematik rechtsextremistischer Tendenzen noch einmal in irgendeiner Form aufgekeimt in Vereinen, die dem Stadtsportverband angeschlossen sind?

Borgs: Mir ist nur ein Fall bekannt, der sich zur vergangenen Jahreswende in einem Herzogenrather Schützenverein zugetragen hatte, bei dem ein Vereinsmitglied eindeutig rechtslastige Eintragungen bei Facebook positiv bewertet hatte. Hier haben dann die „Herzogenrather Strukturen“ gegriffen, indem Stadtsportverband, Bündnis gegen Rechts sowie Integrationsrat und der Sportausschussvorsitzende mit den Betroffenen und der Vereinsführung den Fall nachhaltig klären konnten.

Plant der Stadtsportverband in nächster Zukunft nochmals Infoveranstaltungen zum Thema Rechtsextremismus in Vereinen?

Borgs: Im ersten Halbjahr 2015 steht eine weitere Infoveranstaltung an. Konkrete Planungen bestehen aber noch nicht.

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