Sprayen im Hellen und ganz legal

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Würselen (an-o/da) - Ihr Ruf ist wirklich nicht der beste, Sprayer arbeiten zumeist im Verborgenen, im Dunkeln, in der Illegalität. Ihre Graffiti sind natürlich auch nicht immer als wahre Kunstwerke anzusehen, als Ausdruck einer Lebensart gelten sie aber allemal.

Das Jugendamt der Stadt Würselen ist daher zusammen mit den Leuten vom Treffpunkt Bahnhof hingegangen, den jungen Sprayern Flächen ganz offiziell zur Verfügung zu stellen. Christoph Tiemann, Leiter des Jugendtreffs im ehemaligen Bundesbahngebäude: "Die Schallschutzwand zur K30 hin ist aus Platzgründen in Beton gearbeitet worden, das sieht natürlich auch nicht schön aus."

Weiß gestrichen

Also hat die Stadt mit ABM-Kräften die Wand erst mal weiß gestrichen (dann zieht sie später nicht mehr so viel Farbe), die Jugendeinrichtung spendierte Spraydosen und los ging es. "Wir haben diesen Tag als Start der GraffÕ-Action genommen. Aber auch später können junge Leute zu uns kommen und sich an der rund 150 Quadratmeter großen Wand versuchen", versichert Tiemann.
Trotz der eher herbstlichen Witterung nahm dieses Angebot eine stattliche Anzahl Jugendlicher an, am Abend gab es dann im Bahnhof noch eins oben drauf: Die Bands "Ready", "No Comply", "Reine Reime" und "DGT" heizten den Fans mit Punk und HipHop mächtig ein. Nicht nur an diesem ersten Tag wurden die jungen Leute von Streetworker José Herbella, selbst ein begnadeter Graffiti-Künstler, betreut und mit allerlei Ratschlägen versehen.

Aber der Student der FH verfolgt mit der Aktion noch andere Ziele. Herbella "Graffiti ist inzwischen zumindest der Teil einer Lebenskultur geworden. Wir wollen mit öffentlichen Flächen die Leute aus der Illegalität herausholen. Hier können sie ohne Furcht auch tagsüber ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Wir als Betreuer holen sie dadurch natürlich auch an unsere Einrichtungen heran, kommen mit ihnen ins Gespräch und finden Zugang zu ihnen."

Schiffe und Landschaften

Der FH-Student blickt noch weiter in die Zukunft: "Hier können die Sprayer ihre Technik verbessern, ihre Möglichkeiten ausloten. In Aachen haben schon einige Firmen ihre Fassaden von uns verschönern lassen. Dann arbeiten wir natürlich voll nach den Wünschen unserer Kunden, projizieren Schiffe, Landschaften oder auch historische Gebäude wie den Dom auf die Fassaden."

Und das ist eins der Ziele der jungen Leute: Bunte und kreativ gestaltete Gebäude hellen jedes Stadtbild auf. Und ein bisschen freundlicher könnte das Erscheinungsbild unserer Wohnwelten schon werden, findet José Herbella.

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