Sportplatz: Gericht gibt Stadt Alsdorf recht

Von: Verena Müller
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Schulterschluss: Karl-Heinz Dahmen (SV Hoengen, l.) unterstützt Willi Drehsen (SV Hertha Mariadorf) im Kampf um den Erhalt des Blumenrather Sportplatzes. Das Verwaltungsgericht Aachen hat aber in einem Eilverfahren der Stadt Alsdorf recht gegeben, dass Hertha die Nutzung entzogen werden darf. Foto: Verena Müller
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Die Pannenbaustelle an der Kreuzung Luisenstraße/Kurt-Koblitz-Ring: Erst verzögerte sich der Baubeginn, dann zogen sich die Bauarbeiten deutlich länger hin als angekündigt – sehr zum Ärger von Autofahrern und Anwohnern sowie zum Leidwesen des Einzelhandels – dann werden bei der Abnahme mehrere Mängel festgestellt. Und kaum war die Kreuzung fertig, wurden die nächste Umleitung an der Luisenstraße eingerichtet. Foto: Verena Müller

Alsdorf. SV Hertha Mariadorf hat den Prozess gegen die Stadt Alsdorf verloren, aber bereits signalisiert, weiter für den Erhalt des eigenen Sportplatzes an der Blumenrather Straße kämpfen zu wollen. Das Verwaltungsgericht Aachen hatte in einem 25-seitigen Beschluss vom 9. Mai im Eilverfahren befunden, dass eine ganze Reihe von Gründen dafür spricht, dem Sportverein die Platznutzung zu entziehen.

Die Stadt Alsdorf habe „rechtsfehlerfrei“ gehandelt und auch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt. Bürgermeister Alfred Sonders dazu: „Wir sehen uns in jeder Hinsicht vom Verwaltungsgericht in unserer Auffassung bestätigt. Persönlich bin ich sehr enttäuscht, dass der Verein uns jegliches Gespräch verweigert hat.“ Mehrere Versuche habe er unternommen, mit dem Vorsitzenden in Kontakt zu treten – vergebens. Auch, dass die Stadt dem Verein in finanzieller Hinsicht und in der Duldung der Nutzung des alten Sportplatzes sehr entgegengekommen ist, sei nicht honoriert worden.

Der Vorsitzende von Hertha reagierte auf die Bitte um eine Stellungnahme zum Gerichtsbeschluss durch unsere Zeitung widersprüchlich und ausweichend. Er sei da nicht so im Bilde, da er eine Zeit lang krank gewesen sei, so Willi Drehsen. Er habe aber bereits Rechtsmittel eingelegt. Eine Nachfrage beim Gericht ergab, dass dies bislang nicht erfolgt sei, aber die Zwei-Wochen-Frist sei auch noch nicht verstrichen. Zugegangen war das Schreiben dem Verein am 12. Mai.

Der Vorsitzende des SV Hoengen, Karl-Heinz Dahmen, kündigte auf Nachfrage bereits an, sich im großen Stil an die Medien wenden zu wollen. Dass sich die zur Verfügung gestellten Sportplätze in einem „Top-Zustand“ befänden, wie er die Stadt Alsdorf zitiert, könne man so nicht im Raum stehenlassen. Und einem Verein „beim 85-jährigen Bestehen die Sportplatznutzung zu entziehen, so dass der nicht einmal mehr die Stadtmeisterschaft auf der eigenen Anlage austragen“ dürfe, sei schlichtweg ein Unding.

Hintergrund der Vorgänge ist der Sportstättenentwicklungsplan, auf dessen Basis bis 2020 fünf Sportanlagen mit sechs Sportplätzen und fünf Vereinsheimen aufgegeben werden sollen. Davon sind auch der SV Hertha Mariadorf und der SV Hoengen betroffen, die eine Spielgemeinschaft bilden.

Der Sportstättenentwicklungsplan 2015-2020 war am 15. Dezember 2015 einstimmig vom Rat beschlossen worden. Schlecht ausgelastete Plätze sollen aufgegeben, Vereine mit geringen Mitgliederzahlen zusammengeschlossen werden. Damit will die Stadt Alsdorf Geld sparen. In Anbetracht der angespannten Haushaltslage auch aus Sicht des Gerichts ein vernünftiges Ansinnen und auch eine ureigene Aufgabe der Kommunen: zu entscheiden, welche öffentliche Einrichtungen sie halten will und welche nicht.

Seit dem 1. Juli des vergangenen Jahres ist Hertha Mariadorf in dem Zusammenhang die Sportanlage in der Broicher Siedlung an der Osterfeldstraße zugewiesen worden, die auch vom SV Grün Weiß Broicher Siedlung genutzt wird.

Vor dem Ratsbeschluss hatte es ausführliche Gespräche mit den Vereinen gegeben, von allen Seiten war Einverständnis signalisiert worden, auch wenn es sich für viele Vereinsmitglieder um einen schweren Schritt handelte. Zunächst wenigstens. Für den Bürgermeister kam der juristische Schritt gegen die Stadt jedenfalls überraschend, wie er gegenüber unserer Zeitung im vergangenen Jahr gesagt hatte.

Hertha Mariadorf begründete die Klage damit, dass die Ausweichplätze in einem schlechten Zustand seien, sowohl in der Broicher Siedlung als auch an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule – als Spielgemeinschaft treffen Hoengen und Mariadorf hier, Am Klött, auf ihre Gegner. Außerdem monierte Hertha ein fehlendes Vereinsheim in der Broicher Siedlung. Deshalb hatte die Stadt die Weiternutzung des alten Platzes „willentlich geduldet“, wie das Gericht schreibt, und 60.000 Euro in die Hand genommen, um entsprechenden Raum zu schaffen.

Nun ist das Vereinsheim seit Ostern fertig. „Wir haben alle Voraussetzungen geschaffen“, so der Bürgermeister. Zuletzt hatte die Stadt Alsdorf deshalb ein Zwangsgeld – 250 Euro – angedroht, sollte Hertha nicht an die Osterfeldstraße wechseln. Ohne Erfolg.

Dem nun noch verbleibenden Argument von Hertha kann das Gericht auch nicht folgen: „Der Einwand des Antragstellers, die Sportplatzanlage an der Osterfeldstraße sei für seinen Trainings- und Spielbetrieb nicht geeignet beziehungsweise nutzbar, ist nicht nachvollziehbar, da diese Anlage seit Jahren von dem Verein SV Grün Weiß Broicher Siedlung genutzt wird. Wenn dieser Verein mit sechs Mannschaften mit der auf der Anlage vorhandenen Infrastruktur (...) seit Jahren zu seinem Recht kommt, ist nicht ersichtlich, weshalb dies dem Antragsteller (mit aktuell einer Mannschaft) nicht auch möglich sein sollte.“

Oder, wie es Alfred Sonders formulieren würde: „Was für die Broicher gut und richtig ist, kann für Hertha nicht falsch sein.“

Ab dem 1. Juli 2016 habe die Stadt Alsdorf „ohne zeitliche Unterbrechung eine neue Sportplatzanlage (an der Osterfeldstraße) zur Nutzung zugewiesen“, so das Gericht außerdem. „Dadurch ist dem grundlegenden Bestandsinteresse des Antragstellers nicht nur entsprochen, sondern auch die nahtlose Fortsetzung seines Trainings- und Spielbetriebs sichergestellt worden. Inwieweit unter diesen Umständen eine vom Antragsteller geltend gemachte Existenzgefährdung und Obdachlosigkeit eintreten soll, ist nicht ersichtlich.“ Und es sei dahingestellt, ob der Verein überhaupt einen Anspruch auf ein eigenes Vereinsheim habe.

Als weiteres Argument führte das Gericht an, dass Hertha „seine Verbindlichkeiten gegenüber den Strom- und Gasanbietern nicht begleichen könne“, weshalb eine weitere Nutzung der Blumenrather Anlage nicht ratsam sei.

Trotzdem will Hertha mit Hoengen im Rücken weiterprozessieren, vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster. „Wenn man nicht mit uns reden will, dann gehen wir den Gerichtsweg. Bis zum Schluss“, kündigte Sonders an.

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