„Sportminister“ Hubert Sieprath verlässt das Schwimmbad

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In seinem (noch) Arbeitsumfeld: Sportamtsleiter Hubert Sieprath geht zum Ende des Monats in den Ruhestand. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Wenn Hubert Sieprath seinen begehbaren Aktenschrank öffnet, strömt ihm warme, nach Kräutern riechende Saunaluft entgegen. Ein bisschen kurios ist das schon. Das Büro des Sportamtsleiters befindet sich nämlich nicht im Rathaus, sondern in einem Nebentrakt des Schwimmbads. Allein schon daran kann man erkennen, dass er innerhalb der Stadtverwaltung Alsdorf eine besondere Stellung innehat.

Am 30. Juni wird er das letzte Mal an seinem Schreibtisch sitzen, hinter sich an der Wand Aufnahmen der ersten Schwimmbadbesatzung. Dann geht er in den Ruhestand.

Die große Hallenbadsanierung, Sportstättenentwicklungspläne, der Neubau der Turnhalle Begau, die Sanierung des Kunstrasens der Gesamtschule, der Neubau des Kunstrasenplatzes in Warden – all das trägt seine Handschrift. „Nicht nur, was die Erfahrung und das Wissen betrifft, bedeutet die Verabschiedung von Hubert Sieprath einen schweren Verlust für die Verwaltung“, sagt Bürgermeister Alfred Sonders.

Er sei ein wichtiger, hilfsbereiter Ansprechpartner für die Vereine gewesen. Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussah, darüber Verena Müller mit Sieprath:

 

Herr Sieprath, ich kenne keinen Sportamtsleiter, der sein Büro im Schwimmbad hat. Warum sitzen Sie nicht 300 Meter weiter im Rathaus?

Sieprath: Das ist eher die Ausnahme, das stimmt. Das hat damit zu tun, dass ich nicht nur Sportamtsleiter, sondern auch Betriebsleiter des Hallenbads bin. Um für das Personal und die Gäste ansprechbar zu sein und einen besseren Überblick über den Badebereich zu haben.

Das war aber nicht immer so.

Sieprath: Nein, erst seit der Modernisierung und Attraktivierung des Schwimmbads.

Das war eines Ihrer größten Projekte.

Sieprath: Ja, mit dem Schwimmbad hatten wir damals Riesenprobleme: Lange Kunststoffpanelen waren von der Decke runtergekommen, das ganze Dach und die gesamte Technik und die Heizungsanlage mussten nach mehr als 35 Jahren erneuert werden. Schon nach 15 Jahren gilt die Technik von Schwimmbädern ja im Grunde schon als veraltet. Und als sich ein Fördertopf auftat, haben wir nicht nur kernsaniert, sondern auch vergrößert und das Schwimmbad insgesamt attraktiver gemacht. An der Fensterfront waren beispielsweise früher Heizkörper, dort befinden sich heute Wärmebänke. Zwischen 1996 und 1998 war das, 4,6 Millionen Mark wurden damals investiert.

Letztens, bei Ihrer Verabschiedung im Sportausschuss, wurden Sie der „Sportminister“ Alsdorfs genannt. Wer hat Ihnen denn den Titel verliehen?

Sieprath: (lacht) Ach, wenn man so lange dabei ist ...

Erzählen Sie kurz Ihren Werdegang – stammen Sie aus Alsdorf?

Sieprath: Nein, aus Übach-Palenberg, aber meine Familie ist dann nach Mariadorf gezogen. Ich habe 1968 bei der damaligen Gemeindeverwaltung Hoengen angefangen und bin mit der kommunalen Neugliederung 1972 nach Alsdorf gekommen. 1978 habe ich meine Ausbildung zum gehobenen Dienst abgeschlossen, war zunächst in der Bauverwaltung und bin im Dezember 1981 zum Sport gekommen.

35 Jahre... Und Sie hatten nie das Bedürfnis, noch mal den Bereich zu wechseln?

Sieprath: Nein, ich habe das immer gerne gemacht. Es hat sich auch nie ergeben. Ich bin nicht traurig drum.

Wie hat sich die Nutzung des Schwimmbads im Laufe der Jahre verändert?

Sieprath: Wenn man den Badebetrieb über Jahre beobachtet hat, fielen Schwachstellen auf, die es zu beseitigen galt. Seit sieben, acht Jahren haben wir ein Riesenkursprogramm. Begonnen haben wir beispielsweise mit drei Kursen Anfängerschwimmen, jetzt sind es acht. Daneben haben wir natürlich das Schul- und Vereinsschwimmen. Montags ist das Becken für diese beiden Gruppen reserviert.

Früher hatten wir neben dem Schulschwimmen vormittags parallel normalen Badebetrieb für das Familienbad, was jedoch ständig zu Querelen zwischen den Nutzern führte, so dass wir das 1999 geändert haben und wir nunmehr das Schulschwimmen separat durchführen. Es ist aber bei den Nutzergruppen Schulen, Vereine und Öffentlichkeit nicht immer einfach, alle unter einen Hut zu bekommen.

Klingt so, als wenn Sie in erster Linie koordinierende Aufgaben gehabt hätten.

Sieprath: Ich habe mich immer als Vermittler gesehen. Zwischen Vereinen, die mit Anliegen an mich herangetreten sind, Verwaltung und Rat. Manchmal war die Nervosität auf Seiten der Vereinsmitglieder groß, wenn sie an die Verwaltung herangetreten sind. Aber da ich sie immer so behandelt habe, als wäre ich auch Sportler ...

... was Sie auch sind...

Sieprath: Ja, jedenfalls bin ich mit den Vereinen immer klargekommen. Und ich war immer froh, wenn ich gerade den kleinen Vereinen helfen konnte.

Was barg den größten Konfliktstoff?

Sieprath: Sagen wir es mal so: Das Hallenbad stand jedes Jahr auf dem Prüfstand: Können wir uns das noch leisten? Kann man noch irgendwo sparen? Wir haben Personal deutlich reduziert, „Aufgaben gebündelt“, wie man so schön sagt. Und: Ja, das Schwimmbad hat mir immer besonders am Herzen gelegen.

Sind Sie eigentlich selbst ein guter Schwimmer?

Sieprath: (überlegt) Ein sicherer Schwimmer, würde ich sagen. Ich habe das erst recht spät gelernt, mit 14. Und obwohl ich so nah dran bin, komme ich selten dazu.

Sie waren lange im Fußball aktiv, oder?

Sieprath: Ich habe füher selbst aktiv gespielt, war dann vorübergehend Jugendtrainer, Jugendleiter, Geschäftsführer und Vereinsvorsitzender, überwiegen bei Fortuna Beggendorf.

Heißt also, Sie konnten den Vereinen immer auf Augenhöhe begegnen.

Sieprath: Das auch, und vor allem konnte man mir nichts vormachen.

Der Sportstättenentwicklungsplan war Ihr „zweites Kind“, wenn man so will. Wie lange haben Sie daran gesessen?

Sieprath: Wenn ich jetzt drei Jahre sage, klingt das sehr lang. Aber dazu muss man wissen, dass ich nicht permanent Personal zur Verfügung hatte. Ich habe den Plan ja nicht ganz alleine erstellt, er lief nur unter meiner Federführung.

Kann sich aber sehen lassen. Allein der statistische Teil über Mitgliederzahlen, Bevölkerungsentwicklung und und und ... Andere Kommunen können sich daran ein Beispiel nehmen.

Sieprath: Danke. Es stimmt, die Datenmenge ist groß gewesen. Wir haben eine Bevölkerungsbefragung durchgeführt und schon eine vernünftige Basis geschaffen, auf der man die nächsten Jahre arbeiten kann. Er wurde einstimmig angenommen. Das muss man sich dann gewiss auch mal vor Augen führen.

Der Protest hielt sich aber auch deshalb in Grenzen, weil, überspitzt formuliert, keiner mehr da ist, der protestieren könnte. Die Vereine bluten aus.

Sieprath: Das stimmt, und man muss den wenigen Menschen, die sich um die Pflege der Anlagen kümmern, großen Respekt zollen. Aber mit den neuen Plätzen, die wir anlegen, und der Fusion einzelner Vereine sind wir gut aufgestellt.

Ihre Nachfolgerin kümmert sich zunächst aber nicht um die neuen Plätze, sondern hat als erste große Aufgabe Arbeiten am Schwimmbad zu betreuen.

Sieprath: Das stimmt. Die Fenster müssen erneuert werden, und wir stellen zur Aufbereitung des Wassers von Chlorgas auf Granulat um.

Und was steht bei Ihnen an? Ich schätze, der Sport wird Sie nicht loslassen.

Sieprath: Ich habe immer Sport gemacht und werde das auch weiter tun. Tennis zum Beispiel. Oder Radfahren und Wandern. Letztes Jahr musste ich zwar etwas kürzer treten, aber das werde ich bald wieder aufnehmen. Und mit meinen drei Enkelchen will ich mehr Zeit verbringen. Das kam zuletzt zu kurz.

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