Sportler gegen Rechts: Vereine schließen Pakt mit Bürgermeister

Von: Karl Stüber
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Selbstverpflichtungserklärung
Selbstverpflichtungserklärung für Toleranz und Offenheit abgegeben: Vertreter der teilnehmenden Vereine bilden mit Bürgermeister Christoph von den Driesch (vorne 3.v.l.) eine geschlossene Front gegen Extremismus, Rassismus, antidemokratische Inhalte und Aktivitäten. Foto: Wolfgang Sevenich

Herzogenrath. Ein Streifenwagen der Polizei steht vor dem Eingang zur Aula des Gymnasiums Herzogenrath - vorsorglich. Man kann ja nie wissen. Licht zieht Motten an - und andere seltsame, ja gefährliche Gestalten. Bei der Veranstaltung drinnen, zu der der Stadtsportverband (SSV) Herzogenrath eingeladen hat, geht es um das Thema „Kein Platz für Rassismus und Gewalt - Sportler gegen Rechts”.

Rund 120 Interessierte sind der Einladung des Stadtsportverbands Herzogenrath gefolgt. Rechtsextreme nicht. Provokationen bleiben aus. Die demokratischen Kräfte sind unter sich. Und es wird kritisch, ja selbstkritisch zugehen.

SSV-Vorsitzender Dieter Kreuz, der sich sichtlich über die sehr gute Beteiligung freut, spricht von einer „trockenen Veranstaltung, es wird nur geredet”, aber macht auch deutlich, dass das Thema heiß ist, auch in Herzogenrath.

Schirmherr Bürgermeister Christoph von den Driesch macht klar: „Nicht nur sportlich, sondern auch ethisch arbeiten wir gemeinsam an einer toleranten und friedlichen Gesellschaft in unserem Herzogenrath, in dem kein Platz für rechte Gesinnungen und Intoleranz ist. In Herzogenrath hat Rechts keine Chance - zeigen wir gemeinsam Flagge gegen Rechts!”

Diesem Aufruf folgen an dem Abend 34 von 52 Vereinen, die dem Stadtsportverband angehören. Vereinsvertreter holen sich feierlich beim Bürgermeister Urkunden ab, die als Selbstverpflichtungserklärungen das Eintreten der Initiativen für Toleranz und Offenheit gegenüber allen Menschen zusichern. Aber auch - sollten alle Bekehrungsversuche nicht fruchten - das Versprechen beinhalten: „Der Verein duldet keine Mitglieder, die diese Ziele nicht mittragen.” Entsprechende Schilder für die Vereinsheime werden ausgehändigt.

Von den Driesch dankt den Vereinen: „Sie haben heute Mut bewiesen, sich diesem Problem zu stellen. Wir, die Stadt Herzogenrath, stehen Ihnen mit unserer Fachkompetenz zur Seite, wenn es zu Problemen kommt.”

Aber wie erkennen der Funktionär, der Trainer, der Jugendleiter und Angehörige, dass der Nachwuchs, das Vereinsmitglied drauf und dran ist, in die rechte Szene abzudriften, ja ihr bereits angehört? Der Journalist Michael Klarmann, Mitarbeiter unserer Zeitung, der seit Jahren die Szene beobachtet, macht in einem eindrucksvollen Beitrag nebst Bebilderung klar, dass Rechtsextreme nicht einfach nur an Glatzen und einschlägigen Tätowierungen zu erkennen sind. Dunkle Klamotten, weit geschnitten, Kapuzenpullis, ja durchaus. Das ermöglicht Radikalen schnell und unerkannt zuzuschlagen, sagt er. Aber es gibt auch die durchgestylten Rechten, die bisweilen einschlägig bekannte, jedoch nicht so klar zuzuordnende Marken-Klamotten tragen, aber auch wie Punks oder Hip-Hopper gekleidete sind.

Der Alt-Kreis Aachen ist nach Dortmund und Umgebung die zweitauffälligste Region, sagt er und warnt vor der NPD, die es gezielt auf die Rekrutierung von jungen Leuten abgesehen hat. Klarmann spricht von der KAL (Kameradschaft Aachener Land) mit einem harten Kern von 25 bis 30 Mitglieder und rund 60 Mitläufern in der Region. Da wirkt es nicht beruhigend, dass die Gruppe „Nationaler Widerstand Herzogenrath” (NWH) nicht mehr aktiv sei. Klarmann sagt aber auch kritisch: „Sie wollen Aufklärung. Ich nenne Dinge vor Ort. Das ist meine Aufgabe.”

Er will den Sportverein Kohlscheider BC (KBC) nicht negativ darstellen, aber muss sagen, dass er diesen beizeiten darauf hingewiesen habe, dass er rechtsextreme Mitglieder habe. Klarmann geht auf ein Fußballspiel gegen einen türkischen Verein ein, bei dem auf Seiten des KBC einschlägig ausgerichtete Spieler teilnahmen. Der Kick führte zu einer Rauferei, provoziert durch rechtsextreme Provokanten am Rande des Spielfelds. Klarmann hebt hervor, dass der Verein sich seinerzeit klar davon distanziert hat. „Damals war der Verein damit aber allein gelassen worden.”

Die Zahl der teilnehmenden Vereine ist schon beeindruckend groß. Die Übersicht hat der Stadtsportverband zusammengetragen.

Badminton Sport Club Eurode Herzogenrath 1975, Billardfreunde Merkstein 1964, Bogenschützen Schütz-von-Rode Herzogenrath 1977, DJK Elmar Kohlscheid, DJK Jung Siegfried Herzogenrath 1911, FC Emir Sultan Sport 1996, FC Accordia Niederbardenberg 1919/59, Herzogenrather Schwimmverein 1923, Herzogenrather Tennisclub 1952 Rot-Gold, Herzogenrather Turnverein 1880, Judoclub Merkstein, Kampfkunst Ilyo Herzogenrath, Kohlscheider Sportverein 1927, Kohlscheider Ballspielclub 1913, Kohlscheider Schwimmclub 1973, Merksteiner TC Blau-Gold 1964, Motor Sport Club Scuderia Roda Herzogenrath im ADAC, PBC Schwarz-Weiss Kohlscheid 1977, Radfahrclub Herzogenrath-Noppenberg 1909, Schachgesellschaft Kohlscheid 1926, Schachverein 1949 Herzogenrath, Sportschützen Merkstein 1960, Sportvereinigung 1928 Straß, St.-Martins-Schützenbruderschaft 1879 Kohlberg, St.-Sebastianus-Schützengesellschaft des ehemaligen Ländchens zur Heyden von vor 1288, SuS 1919 Herzogenrath, SV Concordia Merkstein 1927, SV Union 1911 Ritzerfeld, SVS 1919 Merkstein, Takemusu Aiki Dojo Kohlscheid, Tennis-Club Kohlscheid, TTF Schmetz Herzogenrath, Versehrtensportgemeinschaft Kohlscheid 1961 und VSP Grenzwacht Pannesheide.

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