Sport hilft Flüchtlingen, Fuß zu fassen

Von: Beatrix Oprée
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„Die Würde des Menschen ist unantastbar“: Für die Akteure des Stadtsportverbands ist dies das oberste Gebot. Manfred Borgs stößt mit dem Sportangebot auf großes Interesse.
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Den Lieferwagen der Herzogenrather Tafel hat Vorsitzender Dieter Lecher hat jetzt mit Artikel 1 des Grundgesetzes bedruckt. Foto: Oprée
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Bestens verstehen sich auch schon Azal Al-Badri, Dr. Luise Rütters und Dolmetscher Ali Mukhlef (v.l.). Foto: Oprée

Herzogenrath. „Fußball!“ Diese Antwort kommt spontan aus dem Mund des schlanken 15-Jährigen an diesem Abend im Flüchtlingsheim. „Er ist gut!“, klopft ihm seine Mutter bestätigend auf die Schulter. „Zuhause hat er viel gespielt!“ Bis der Krieg kam. Auf sich selbst gestellt hat die junge Frau mit ihren fünf Kindern die Flucht aus Syrien antreten müssen. In Herzogenrath haben sie eine Bleibe gefunden.

Wie sie stammen viele Bewohner des Hauses aus Krisengebieten dieser Welt. Jeder könnte von verstörenden Erlebnissen berichten. Doch sie wollen Fuß fassen im neuen Land, um wieder ein würdiges Leben führen zu können.

Die Aktion des Stadtsportverbands (SSV) Herzogenrath in Kooperation mit den Sportvereinen kommt da genau richtig. „Sport hilft ... nicht nur Dir!“ heißt der Sozialfonds, den der SSV schon 2013 aufgelegt hatte, um irgendwann ein soziales Projekt in der Stadt zu fördern. Mit Blick auf die Flüchtlingssituation haben die Verantwortlichen jetzt beschlossen, „der Aktion ein Gesicht zu geben“, will heißen, entwurzelten Menschen zu helfen. Ein Geldinstitut, so berichtet SSV-Geschäftsführer Manfred Borgs, habe sofort erklärt, auch in den Fonds einzahlen zu wollen. Unterstützung habe auch ein Alsdorfer Sportgeschäft zugesagt. Bürgermeister Christoph von den Driesch hat die Schirmherrschaft übernommen.

Eine ganze Reihe an Vereinen hat sich angeschlossen und zum Teil schon durch besondere Aktionen Geld eingespielt. So gingen bei Veranstaltungen Spendenbüchsen rund oder wurden „Würstchensteuern“ erhoben. „Dem Ideenreichtum für unser Projekt sind keine Grenzen gesetzt“, wirbt Borgs. „Gewollt ist, dass die Aktion nie endet.“ Damit immer Geld im Topf ist, „um heute Flüchtlingen und morgen einem Sportler in Not zu helfen“.

Da man Menschen da abholen muss, wo sie stehen, haben Manfred Borgs, SSV-Vorsitzender Ralf Rudisch und Dr. Luise Rütters, Vorsitzende der VSG Kohlscheid, Verein für Reha-Sport, ganz unbürokratisch in den Flüchtlings-Unterkünften angefragt. Unterstützt durch Ali Mukhlef, HNO-Arzt, der mit seiner Familie aus Bagdad flüchten musste und sich nun als Dolmetscher einbringt.

Sie wurden mit offenen Armen empfangen. Said aus Syrien lädt in sein Zimmer ein, öffnet eine Packung Kuchen, legt Gabeln zurecht, stellt eine Schüssel Obst auf den Tisch und kocht Tee für alle. Er zeigt spontan Gastfreundschaft, wie sie ihm auch die Vertreter des Sports entgegenbringen wollen.

„Sie alle haben schlimme Zeiten erlebt“, erklärt Ralf Rudisch den interessierten Hausbewohnern. „Nun soll es Ihnen besser gehen. Sport kann dabei helfen, denn Sport macht die Gedanken frei.“

Neue Kontakte knüpfen

Und genau darum geht es: Über Sport im Verein Kontakte zu den Menschen im neuen Land zu bekommen. Teure Anschaffungskosten für Sportbekleidung sollen dabei ebenso wenig ein Hindernis sein, wie Mitgliedsbeiträge oder Versicherungsfragen. Der Stadtsportverband möchte Menschen, die allen Besitz verloren haben, Wege ebnen. Und stößt damit nicht nur bei fußballbegeisterten jungen Männern auf Interesse. Auch die Frauen sind Feuer und Flamme. Mutter-Kind-Turnen wünscht sich eine junge Inderin. Gymnastik würde die syrische Mutter gerne betreiben. Ebenso wie Azal Al-Badri aus dem Irak. Die gelernte Finanzbuchhalterin ist krebsoperiert und braucht auch noch dringend ärztliche Nachsorge. Dr. Rütters von der VSG kann ihr in Sachen Sport sofort ein Angebot unterbreiten, „eine Gruppe nur für Frauen. Im Anschluss gibt es immer Kaffee und Tee und wir plauschen!“ Dabei werden sich bestimmt noch viele weitere Probleme lösen lassen.

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