Spiritaner: Sie sind da, wo man sie braucht

Von: ath
Letzte Aktualisierung:
Treff im Garten hinter dem Mis
Treff im Garten hinter dem Missionshaus. Die Gemeinschaft der Spiritaner, die aktuell in Broich lebt: (v.l., sitzend) Johannes Henschel, Konrad Breidenbach, Winfried Urbanek, Fritz Siegers und Barnabas Nyakundi Mangéra, (stehend) Chidi Emezi, Michael Wegner, Franz-Josef Pfeifer und Emeka Akabueze. Foto: A. Thomas

Würselen. Für die meisten Menschen im Umkreis seien sie einfach „die Pater von Broich”, dass sie Spiritaner seien, wüssten die Wenigsten, erzählt Pater Fritz Siegers. Einige brächten sie noch mit dem benachbarten Heilig-Geist-Gymnasium in Verbindung, das sei es dann aber auch schon.

Was vielleicht auch daran liegt, dass die Spiritaner zurückhaltend und bescheiden auftreten. Sie sind eine missionarische Ordensgemeinschaft, mit aktiv-caritativer Ausrichtung, leben nicht in einem Kloster sondern in einem Missionshaus und tragen keine Tracht.

Gegründet hat die Gemeinschaft der Spiritaner (der Name leitet sich aus dem lateinischen Wort „spiritus” für Geist ab) Claude-François Poullart des Places. Er rief in Paris ein Seminar ins Leben, das jungen Männern aus armen Verhältnissen das Theologiestudium ermöglichte, aus dem 1703 die Gemeinschaft der Spiritaner entstand.

Sie gingen als Seelsorger dahin, wo sie gebraucht wurden: in die französischen Kolonien Afrikas. 1841 Jahre gründete Franz Maria Paul Libermann, ein zum katholischen Glauben konvertierter Jude, ebenfalls ein Missionswerk mit dem Ziel, freigelassenen Sklaven in Afrika zu helfen.

1848 wurden beide Werke zusammengelegt. 1863 entstand das erste Missionshaus in Deutschland, 1903 erwarben die Spiritaner die ehemalige Pfarrkirche mit Pfarrhaus in Broich und begannen mit dem Bau einer Missionsschule. 1967 entstand das Heilig-Geist-Gymnasium.

Dem ist die Ordensgemeinschaft immer noch verbunden, auch, wenn auch die Schulleitung inzwischen in weltlichen Händen liegt. Die Spiritaner kümmern sich um die Schulseelsorge. Auch der Geist der Ordensgemeinschaft ist immer noch präsent. Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung sind wichtige Elemente der Schulphilosophie, praktische Projekte wie der Eine-Welt-Laden und die Senegal-Partnerschaft unterstreichen dies.

„Wir haben einen unkomplizierten Kontakt miteinander. Drei der Lehrer sind Laienspiritaner, und die meisten Lehrer legen auch Wert darauf, dass nebenan weiterhin eine Kommunität ist”, erklärt Pater Konrad Breidenbach.

Diese besteht zurzeit aus zehn Patres, sieben deutschen - überwiegend „70 plus und im seelsorgerischen Unruhestand”, wie Pater Siegers scherzt, der der Hausgemeinschaft vorsteht - und drei afrikanischen Patres.

Pater Chidi Emezi kommt aus Nigeria. Er ist vor fünf Jahren nach Broich gekommen, zur Unterstützung des damaligen Schulseelsorgers Pater Peter. Zuvor war er vier Jahre in der Missionsarbeit in Papua-Neuguinea. Inzwischen ist er Regionaloberer der Spiritaner in Deutschland und betreut als Seelsorger die englischsprachige afrikanische Gemeinde, die in Broich ihre Gottesdienste feiert.

Pater Barnabas Nyakundi Mangéra aus Kenia ist vor viereinhalb Jahren nach Deutschland gekommen. Er ist als Priester im Pastoralteam von St. Sebastian tätig. „Das bietet viele Möglichkeiten, bei den Menschen zu sein. Ich lerne viel über die Kultur und die Mentalität”, erzählt er. Und, umgekehrt, die Würselener mögen ihn und freuen sich, wenn er am Ende des Gottesdienstes seine Trommel auspackt.

Pater Emeka Akabueze kommt aus Nigeria und lebt erst seit drei Monaten im Missionshaus Broich. Derzeit lernt er Deutsch, unterstützt von seinen Mitbrüdern, wie er dankend feststellt.

Die waren alle, bis auf Pater Breidenbach, der lange Provinzsekretär der deutschen Spiritaner war und am Hauptsitz der Kommunität in Knechtsteden Theologiestudenten ausgebildet hat, aktiv im Missionsdienst. Der gebürtige Mariadorfer Pater Fritz Siegers war 38 Jahre in Brasilien, wo er sich im Amazonasgebiet um die Gummizapfer und ihre Familien gekümmert hat.

Um das Elend vor allem der Jüngsten zu lindern, hat er in der Stadt Cruzeiro do Sul Kindertagesstätten gegründet, für deren Unterhalt er bis heute sorgt. „Es war eine harte, aber auch sehr schöne Zeit”, sagt er, was vor allem an den Menschen dort gelegen habe.

Sein Mitbruder Pater Michael Wegner war eine Zeit lang als Kaplan bei ihm tätig, bevor er Provinzsekretär und Schulseelsorger in Knechtsteden wurde. Er ist er seit einem halben Jahr in Würselen und wird zum neuen Schuljahr, die Seelsorge am HGG übernehmen.

Auch Pater Winfried Urbanek und Pater Franz-Josef Pfeifer waren lange in Brasilien, Pater Urbanek 26 und Pater Pfeifer 33 Jahre. Pater Johannes Henschel war als Missionar in Tansania, nach der Wende als Seelsorger in Rostock und zehn Jahre lang Chefredakteur der Zeitschrift „Kontinente”.

Daran knüpft er derzeit wieder an. Nach längerer Pause wird es in der inzwischen von „Missio” herausgegebenen Zeitschrift wieder Seiten der Spiritaner geben. „Weil ich noch die Kontakte habe, hat man mich gefragt, ob ich das noch mal mache”, erzählt er.

Auch die anderen sind, obwohl längst im Pensionsalter, weiterhin aktiv in der Seelsorge in der Region. So ist beispielsweise Pater Urbanek zuständig für die portugiesischsprachigen Gemeinden im Bistum Aachen, mit denen er Gottesdienste in ihrer Heimatsprache feiert.

So verwundert es nicht, dass sich die kleine Gemeinschaft oft nur bei den gemeinsamen Gebeten am Morgen und Abend sowie der Messe sieht. Bei den Mahlzeiten seien sie selten komplett, da fast immer mindestens einer unterwegs sei.

Ausnahme ist der Mittwoch, da gehört der Abend der Gemeinschaft. Die wird seit 2010 von den afrikanischen Mitbrüdern bereichert, die während ihrer Sprachausbildung oder wie Pater Chidi und Pater Barnabas längerfristig in Broich leben.

„So hat sich das gewandelt, jetzt kommen die Mitbrüder aus Afrika zu uns, weil es hier an Nachwuchs mangelt”, beschreibt Pater Siegers, das Missionsarbeit nun andersherum verläuft. Ganz im Sinne ihrer Gründer: dahin gehen, wo man sie braucht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert