Spielplatz-Dampflok Anna 9 droht die Verschrottung

Von: Verena Müller
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Das Ende ist absehbar: Wird für die alte Lok auf dem Gelände des Tierparks Alsdorfer Weiher kein Käufer gefunden, wird sie verschrottet. Sie ist nicht mehr sicher. Bislang haben die immensen Transportkosten Interessenten abgeschreckt. Foto: Verena Müller
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Eine Aufnahme kurz nach der Aufstellung. Foto: Hans Hilger

Alsdorf/Dortmund. Alle Zeichen stehen auf Verschrottung: Bisherige Bemühungen, für die alte Lok im Alsdorfer Tierpark eine neue Heimat zu finden, sind gescheitert. Zuletzt ist das Westfälische Landesmuseum für Industriekultur mit Sitz in Dortmund abgesprungen. „Wir hätten sie liebend gerne genommen und erhalten, aber – so leid es uns tut – Bergung und Transport sind so aufwendig und teuer, dass wir davon Abstand nehmen müssen“, sagt Norbert Tempel, zuständig für Technik und Restaurierung am Industriemuseum.

Die Lok ist so etwas wie das Wahrzeichen des Tierparks, schon zwei Generationen haben sie erklommen und in ihrem Führerhaus davon geträumt, einmal Lokführer zu werden. Aber inzwischen muss man sagen: Der Zustand der Dampflok Anna 9 ist nicht der beste, sie ist rostig und vor allem voller Gefahrenstellen, wie der TÜV befunden hat. Deshalb ist sie von einem Bauzaun umgeben. „So etwas gehört heutzutage eigentlich nicht mehr auf einen Spielplatz“, sagt auch Bürgermeister Alfred Sonders, der sich, wie er sagt, noch recht gut daran erinnern kann, wie er als Realschüler selbst ins Führerhaus geklettert ist.

Ansonsten hat die Nostalgie in Alsdorf so ihre Grenzen, schließlich stehen zwei weitere Dampfloks im Energeticon. Die dritte, die sich nach ihrem Einsatz auf Grube Anna seit 1973 am Alsdorfer Weiher befindet, ist also entbehrlich.

Die Pläne der Stadt respektive der Alsdorfer Freizeitobjekte GmbH (Foga), eine Tochtergesellschaft der Stadt und für den Tierpark zuständig, sehen deshalb so aus: Die Lok soll – im Sinne einer Spende an den Tierpark – für 2500 Euro verkauft werden, den Abbau und Transport soll der Käufer selbst organisieren und tragen. Auf der Fläche soll ein neues Spielgerät errichtet werden, die Förderzusage der Städteregion liegt laut Sonders bereits vor.

„Wir versuchen den Umzug der Lok ohne zusätzliche Kosten für uns hinzubekommen“, so Sonders. „Es ist aber noch gar nichts mit potenziellen Käufern festgelegt.“ Wo die Stadt voraussichtlich nicht drum herumkommen wird, ist die Finanzierung des Unterbaus für das neue Spielgerät: „Einfassung, Fallschutz und so weiter, das wird sicherlich an die 5000 bis 6000 Euro kosten“, kalkuliert der Bürgermeister.

Mehrere Museen waren laut Stadt interessiert und – wie unsere Zeitung erfahren hat – auch ein Einkaufszentrum aus Bochum. Das kam so: Die Fachzeitschrift des Verbands der Museums- und Touristikbahnen (VDMT) hatte publik gemacht, dass die Dampflok verschrottet werden soll, sollte sich kein Käufer finden.

Das las auch Volker Dau, Betreiber eines in Auflösung befindlichen Modellbahnversandhandels und ehemaliger Herausgeber einer Eisenbahnzeitung, kurz: ein Eisenbahn-Fan. „Weil es sich bei der Lok um den Typ Hannibal handelt, dachte ich sofort: Das sei doch etwas für das Einkaufszentrum Hannibal hier um die Ecke.“

Zum Hintergrund für Nicht-Kenner des Fachs: Die Reihe wurde von der Firma Krupp gebaut, die zugleich seit Ende des 19. Jahrhunderts Betreiber der Steinkohle-Zechen „Hannibal“ und „Hannover“ in Bochum war. Damals war es nicht unüblich, das Modell nach seinem ersten Einsatzort zu benennen, deshalb also „Hannibal“. Auf dem ehemaligen Zechengelände mit diesem Namen befindet sich heute ein Einkaufszentrum.

Laut Dau war der Geschäftsführer sofort begeistert. Aber: Die Transportkosten seien enorm gewesen. Zu diesem Ergebnis kam auch das Industriemuseum, das die Lok gerne für seinen Bochumer Standort erworben hätte. „Das Bergungsunternehmen und der Spezialtransport zusammen hätten rund 50.000 Euro gekostet“, sagt Norbert Tempel.

Das hätte das Budget des Museums gesprengt. „Wir hatten dann überlegt, die Lok in größere Einzelteile zu zerlegen: Fahrgestell, Wasserkessel, Führerhaus – aber dafür wäre auch Spezialtechnik nötig und die Einzelteile sind zu schwer. Ein Zylinder alleine wiegt schon mehrere hundert Kilo“, rechnet der Experte vor.

Seit September habe man hin und her überlegt, hätte sich ein Bild vor Ort gemacht und sei vor kurzem zu dem Ergebnis gekommen: „Die Lok wurde in eine auswegslose Situation hineinmanövriert.“

Wie kam es dazu? Bei ihrer Aufstellung war die räumlichen Gegebenheiten noch andere: Die Wege waren noch nicht angelegt, der Eingangsbereich noch nicht mit dem prägnanten Dreieck gestaltet. Da konnte man also nicht viel zerstören. Heute müsste man mit einem Kran arbeiten.

Ein hoher Aufwand und hohe Kosten für eine Lok, die zusätzlich Restaurierungskosten verursachen würde. „Die Farbe zu entfernen wäre noch das Leichteste“, sagt Tempel. Die Fortgeschrittene Korrosion sei deutlich schlimmer.

Und wenn man keinen Käufer findet? „Für den Metallschrott bekämen wir sicherlich den einen oder anderen Euro“, so Sonders. So traurig es für manch einen sein mag.

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