Spielleute Gottes erzählen über Luther

Von: ust
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Verbindet bekannte Choräle und klassische Melodien: Das Ensemble Windwood & Co mit dem charmanten Erzähler Andreas Schuss, der launige Geschichten zu Martin Luther beisteuerte. Foto: Ute Steinbusch

Alsdorf. Sie bezeichnen sich selbst gerne als die Spielleute Gottes. In mittelalterlicher Gewandung und mit einem Dutzend Instrumenten im Gepäck präsentierte sich das Ensemble Windwood&Co im Energeticon, um seinem Publikum das Leben der Familie Luther zu erzählen. “Erzählkonzert” nennen die drei Musiker ihre eigenwillige Mischung aus freier Rede und virtuoser Musik.

Auf Einladung der evangelischen Gemeinden im Nordkreis kamen Vanessa Feilen, Jörn Pfeiffer und Andreas Schuss nach Alsdorf und präsentierten Luthers Biografie mit Verweisen auf aktuelle Geschehnisse.

Akustisch und „groovy“

So verband das Trio bekannte Choräle und beliebte klassische Melodien mit Elementen aus der Folkmusik – komplett akustisch, in angenehmer Lautstärke und trotzdem unerhört „groovy”. Zum Einsatz kamen Panflöte, Querflöte, Saxophon, Klarinette, Harmonika, Harfe, Kontrabass, Bouzuki, akustische Gitarre, Piano und Cajon.

In seiner freien Rede erntete Andreas Schuss so manchen Lacher, als er etwa Luthers Abhandlung über die Ehe beschrieb, über die der große Reformator befand, sie sei gottgewollt und mache Spaß. „Das bewirkte quasi einen Hormonschub bei den jungen Nonnen“, schilderte er die Gruppe um Katharina von Bora, der Luther selbst mithilfe eines Pferdefuhrwerks in Heringsfässern aus einem Kloster entkommen hilft.

Charmant

Für die nach Fisch stinkenden Ex-Nonnen sammelt Luther in einer Kollekte, so dass sie sich frisch ankleiden können. Schuss beschrieb Katharina von Bora als „keine Kandidatin fürs Topmodel“, aber als charmante Gesellschafterin. Katharina sorgt dafür, dass der Smalltalk im Hause der angesehenen Wittenberger Bürgerfamilie, die sie nach ihrer Flucht aus dem Kloster beherbergt, nie aufhört. Dann der Kulturschock für die junge Adlige, als sie nach ihrer Hochzeit mit Luther bemerkt, dass dieser ungefähr einmal im Jahr das Bettzeug zu wechseln pflegt. Wochenlang vertreibt sie das Ungeziefer und beginnt dann begeistert, das zu tun, was Frauen in die Wiege gelegt ist: zu dekorieren.

Mit seinem rollendem „r“ kultivierte Schuss diese weibliche Gepflogenheit und zwinkerte dabei schelmisch ins Publikum. Aber er zog auch den Hut vor der Frau Luthers: Katharina bringt dessen Haushalt in allen Facetten auf Vordermann, etabliert eine Brauerei, ein Backhaus, ein Studentenwohnheim und ein Hospital. Doch sie muss erleben, dass ihr Mann, den Fachleute aus heutiger Sicht für manisch depressiv halten, auf diplomatischer Mission sein Leben aushaucht.

Schwere Zeiten

Nach der Beerdigung brechen für sie schwere Zeiten an. Denn Luther setzt sie gegen alle gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit zur Alleinerbin und zum Vormund seiner nicht volljährigen Kinder ein. Es war ein kurzweiliger und ungemein die Sinne anregender Abend, lehrreich und humorvoll zugleich. Schade, dass recht wenige Zuhörer den Weg in die alte Industriehalle gefunden hatten. Es hätte wenige Orte gegeben, die mehr die Stimmung hätten beflügeln können als das Energeticon. Die Künstler boten ihr ganzes Können und hätten den kräftigeren Applaus aus einem Vielfachen an Händen mehr als verdient gehabt.

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