Spedition Robertz: Alleine 10 000 Sandsäcke liegen bereit

Von: Beatrix Oprée
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Mal eben eine Ladung Sandsäcke rückwärts mit dem Gabelstapler zwischen Fahrzeug und Regal aus der Garage herauskutschieren? Kein Problem: Bernd-Leo Kaever ist nicht nur Chef, sondern packt auch überall tatkräftig mit an, wo er gebraucht wird. Foto: Beatrix Oprée
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Landesinnenminister Ralf Jäger überreicht die Ehrenurkunde an Bernd-Leo und Torsten Kaever. Foto: MIK/Jochen Tack

Herzogenrath. Sucht man auf dem Firmengelände an der Industriestraße 19 nach dem Chef, so wäre der auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen: Im gleichen grünen Arbeitsanzug wie seine Mitarbeiter ist Bernd-Leo Kaever auf dem Gabelstapler genauso anzutreffen wie in der hauseigenen Schreinerei oder einer der Lagerhallen.

Ausschließlich in Anzug und Schlips am Schreibtisch zu residieren, ist ganz offenbar nicht sein Ding. Und wenn er in seinem Chefbüro im ersten Stock des Verwaltungstrakts zu tun hat, sind seine Blicke dennoch überall: „Oben auf der Kiste, die da gleich rausgeht, liegt noch ein Hammer!“, ruft er warnend über den Hof, wo gerade eine mächtig schwere Holzkonstruktion auf einen Lkw-Hänger gehievt wird. Oben drauf und eben nur von oben zu erkennen: das vergessene Werkzeug.

Industriemaschinen stattlichen Ausmaßes und Gewichts werden bei der Spedition Robertz in Kohlscheid versandfertig gemacht, will heißen in ebenso stattliche, eigens gefertigte Holzkisten verpackt und per Lkw zu Flug- und Seehäfen transportiert, von wo aus sie ihre Reise in alle Welt antreten.

Anpacken ist die Devise

Mit dem Betrieb, den Kaevers Großvater Leo Robertz als Fuhrmann für Stückgut im Jahr 1920 begründete, hat das heutige Unternehmen lange nichts mehr zu tun. Flexibilität und Spezialisierung sind über die Jahrzehnte hinweg angesagt gewesen. So auch der Umzug von der Stammadresse an der Südstraße ins Gewerbegebiet Industriestraße vor rund 15 Jahren. Zuletzt ist an Dornkaul ein Neubau samt Lagerhalle dazugekommen.

Nicht lange reden, sondern anpacken ist Bernd-Leo Kaevers Devise aber nicht nur im Geschäftsleben. So engagiert er sich bereits seit 38 Jahren in Kohlscheids freiwilliger Feuerwehr, um möglichst immer zur Stelle zu sein, wenn er gebraucht wird.

Keine Frage, dass er deswegen auch zu jenen, immer seltener werdenden Arbeitgebern gehört, die andere freiwillige Wehrleute ohne Wenn und Aber freistellen, wenn tagsüber Alarm geschlagen wird. „Denn das ist heutzutage zum Problem geworden“, sagt Kaever. „Es wird immer schwieriger, das erste Fahrzeug, das zum Einsatzort ausrückt, schnell genug zu besetzen.“

Von der Firma Robertz rücken bei Bedarf meist gleich vier Leute aus. Zwei der 23 Mitarbeiter sind freiwillige Wehrleute. Und Sohn Torsten (22), der die Firmengeschichte fortschreiben soll, ist schon seit Jugendfeuerwehrtagen aktiv.

Doch Bernd-Leo Kaevers Kooperation mit Hilfskräften geht noch weiter: Seit langem schon stellt er Fahrzeuge und Gerätschaften der Spedition und der Betriebsfeuerwehr auch für Hilfs- und Katastrophenschutzeinsätze zur Verfügung – und zwar der Stadt Herzogenrath genauso wie der Städteregion Aachen und der Kölner Bezirksregierung.

Überseecontainer umfunktioniert

So war er mit drei Kollegen sofort zur Stelle, als Kreisbrandmeister Bernd Hollands ihn im Jahr 2013 um Unterstützung bat. Alle Feuerwehren der Republik waren damals gefordert, um der Hochwasserlage in Mitteldeutschland Herr zu werden. Mit Lkws der Spedition wurden Sandsäcke bei den Wehren ringsum eingesammelt und nach Magdeburg gebracht.

Eigentlich sollten sie dort nur abgeladen werden, doch wurde aus dem Transportauftrag schließlich ein einwöchiger Hilfseinsatz. In Kooperation mit der Feuerwehr Hannover. „Und die hatten einen teuer erworbenen Sandsackfüllcontainer dabei“, erzählt Kaever. So etwas könne man doch leicht nachbauen, habe er sich damals gedacht und machte sich nach der Heimkehr ans Werk.

Jetzt steht, jederzeit einsatzbereit, ein fachgerecht umgebauter Überseecontainer in der Lagerhalle, gleich hinter dem knallroten Betriebsfeuerwehrwagen. Samt Radlader, Fülltrichter, Gitterboxen und Paletten. 1000 Säcke pro Stunde kann das Konstrukt füllen. Rund 10.000 fertig abgefüllte Säcke liegen schon bereit.

Die örtliche Feuerwehr lagert in der Halle zudem Ölbindemittel, Fässer, eine Pumpe und ähnliche Einsatzgerätschaften. So ist die Spedition Robertz Bestandteil des städteregionalen Einsatzkonzepts, wie Kaever darlegt. In Würdigung dieser Unterstützungsbereitschaft hatte die Stadt Herzogenrath ihn und seinen Betrieb denn auch für die Auszeichnung „Ehrenamt in Feuerwehr und Katastrophenschutz“ vorgeschlagen, die Landesinnenminister Ralf Jäger jetzt vornahm.

Bei einer Feierstunde in der Staatskanzlei, an der auch Bürgermeister Christoph von den Driesch teilnahm, worüber sich Kaever besonders freute. Und der Innenminister sparte nicht mit Lob: Der Einsatz von Arbeitgebern wie Bernd-Leo Kaever sei von „unschätzbarem Wert für unsere Gesellschaft“, betonte er.

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