„Spectrum“-Projekt möbelt alte Fahrräder für Afrika auf

Von: Stefan Schaum
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Finanzspritze: Martin Novak (2.v.l.), Vorstandsmitglied Caritas-Gemeinschaftsstifung, hat den Scheck an Clara Steinbusch, Leiterin des Spectrum-Standortes Baesweiler, Frank Brünker, Vorstand des Rheinischen Vereins für Katholische Arbeiterkolonien, und den Projektverantwortlichen Zaffer Sahan (v.l.) überreicht. Foto: S. Schaum

Baesweiler. Nach dem Arbeitstempo fragt hier niemand. Auch nicht nach Stückzahlen oder anderen Dingen, die in Betrieben gewöhnlich eine Rolle spielen. Wer morgens durch die Tür des Projekts „Spectrum“ am Arnold-Sommerfeld-Ring kommt, der darf sich gerne einer Arbeit widmen. Muss er aber nicht. Dass er überhaupt da ist, ist an sich schon ein Erfolg.

Seit gut zwei Jahren gibt es die Langzeitarbeitsloseninitiative auch in Baesweiler. Für festere Strukturen im Tagesablauf soll sie sorgen. Und bald auch für Fahrräder in Tansania.

Bis die aufgemöbelten Drahtesel in der Stadt Moshi am Fuße des Kilimandscharo ankommen, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Wohl gut ein Jahr. Derzeit läuft noch die Suche nach einem geeigneten Überseecontainer, in dem die Räder verschifft werden können. Der Container selbst soll dann – mit nötigem Arbeitsmaterial und Ersatzteilen gut bestückt – in Afrika als Werkstatt dienen.

Es ist schon eine große Sache, die da Form annimmt bei „Spectrum“ am Arnold-Sommerfeld-Ring in Baesweiler – einem von vier Projektstandorten in der Region, die sich in Trägerschaft des Rheinischen Vereins für Katholische Arbeiterkolonien befinden. Per Zufall kam das jüngste Projekt im Laden von Fahrradhändler Zaffer Sahan ins Rollen. Ein Kunde ist nämlich Geschäftsführer von „Spectrum“. Es gab Gespräche, man kam auf Ideen – und so wurde Zaffer Sahan zu demjenigen, der Projektteilnehmern nun zeigt, wie man defekte Räder wieder instand setzt.

Einfache Handgriffe

Einfache Handgriffe erledigen, leichte Reparaturarbeiten – es sind in der Regel Dinge, für die es keine großen Vorkenntnisse braucht. Ein Arbeiten in kleinen Häppchen, wenn man so will. Denn nur so geht es für die meisten, die vom Jobcenter in das Projekt vermittelt werden. In der Regel sind es Menschen, die seit Jahren keine Arbeit mehr haben oder überhaupt noch nie einen Job hatten. Menschen mit psychischen Problemen, mit familiären, mit anderen. Menschen, die eben nicht morgens mit Schwung aus dem Bett springen und wissen, welche Struktur der Tag hat, der vor ihnen liegt. „Auch die wollen wir nicht einfach aufgeben“, sagt Jürgen Pauquet, der seitens des Jobcenters in der Städteregion Aachen das „Spectrum“-Projekt betreut.

Es ist eines der niedrigschwelligsten Angebote, in das das Jobcenter überhaupt vermittelt, in Baesweiler gibt es 35 Plätze. Niemand rechnet damit, dass viele der Teilnehmer im Anschluss an die auf zwei Jahre befristeten Zeit im Projekt einen Job finden. Aber viele finden zu sich selbst und auch zurück in den Alltag. Feste Zeiten einzuhalten, Dinge anzupacken und sie zu Ende zu bringen – das sind die Grundlagen, um die es bei „Spectrum“ geht. Der Weg dorthin kann über eine kleine Nähecke führen, die es in Baesweiler gibt, oder über eine Werkstatt in der mit Holz und anderen Materialien hantiert wird. Hier entstehen Produkte, die nicht dem Verkauf dienen, sondern dem Selbstwertgefühl.

Das gilt auch für die Fahrräder. Vor einer Weile hatte „Spectrum“ über den Diözesanverband Aachen aufgerufen, dass Menschen ihre alten Fahrräder spenden sollen, gerne auch defekte Modelle. Die werden im Projekt wieder flott gemacht und sollen mit dem Container in die afrikanische Stadt Moshi verschifft werden, mit der den Aachener Diözesanverband eine Partnerschaft verbindet. Eine Win-win-Situation. Die Teilnehmer im Baesweiler Projekt profitieren von dem Know-how und dem Rhythmus eines Arbeitstags, den sie bekommen und später können Kinder und Erwachsene die Räder in Afrika nutzen, teils lange Strecken zurückzulegen, die nicht für Autos gebaut wurden.

Dicke Finanzspritze

Damit letzteres auch gelingt, hat die Caritas-Gemeinschaftsstiftung jetzt einen Förderscheck über 16 000 Euro überreicht. Geld, das unter anderem in den Seecontainer und dessen Ausstattung investiert werden soll. Das Werkzeug im Container soll in Afrika als Hilfe zur Selbsthilfe dienen. Sahan Zaffer: „Es ist heutzutage sicher möglich, über das Internet Anleitungen in der Fahrradreparatur zu geben und Menschen vor Ort zu schulen. Das Ganze soll eine Hilfe zur Selbsthilfe sein.“

Die große Lieferung

An Ausgangsmaterial mangelt es nicht. Mehr als 400 Räder wurden bereits gespendet, mehr dürfen es vorerst gar nicht werden, denn die Kapazität in einem Lager in Schierwaldenrath ist bereits erschöpft. Wobei: Ein paar Fahrräder sind – von den Projektteilnehmern verkehrssicher gemacht – bereits weitergegeben worden: an Flüchtlinge und an eine Fahrrad-AG einer Stolberger Grundschule. In einigen Monaten soll die große Lieferung nach Afrika anstehen. Auf den Weg gebracht in kleinen Schritten.

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