SPD und CDU haben sich geeinigt: Mehr Sportstätten für möglichst viele

Von: Karl Stüber
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Vor großer Kulisse: In der Mehrzweckhalle Bardenberg verfolgten viele Würselener gespannt die Debatte über das Sportstättenkonzept im Stadtrat. Foto: Karl Stüber
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Protest mit Trillerpfeifen half nicht: Die Mitglieder des SV Rhenania 05 verlieren ihren Lindenplatz und sollen ans Aquana umziehen. Foto: Karl Stüber

Würselen. SPD und CDU haben sich überraschend auf ein gemeinsames und über den Verwaltungsvorschlag deutlich hinausgehendes Sportstättenkonzept für Würselen-Mitte, Broichweiden und sogar auch für den „Würselener Westen“ (Bardenberg, Morsbach) verständigt und im Stadtrat durchgesetzt.

Es ist ein „Treppenwitz“, dass erst die große Koalition aus Sozial- und Christdemokraten am Streit um einen Ratsbürgerentscheid über das Sportstättenkonzept zerbrach, sich aber dann die Geschiedenen in der Sache, also dem Konzept, wieder zusammengerauft haben. Die Einschätzung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Christoph Küppers, dass dieser Vorfall wie ein schlechter Witz wirkt, fasst das Geschehen im Vorfeld und im Stadtrat zutreffend zusammen.

Das Gremium tagte am Dienstagabend ausnahmsweise in der Mehrzweckhalle Bardenberg, dessen Einwohner die 1150 Jahre währende Geschichte dieses Ortes feiern. Selbst die Abstimmungsniederlage der SPD-Fraktion über den von Bürgermeister Arno Nelles (SPD) vorgeschlagenen Ratsbürgerentscheid brachte den neuen Konsens der beiden großen Fraktionen nicht in Gefahr. Hatte Küppers im Vorfeld noch erklärt, dass nur die notwendigsten Teile des Sportstättenkonzepts umgesetzt werden, sollte es keine entsprechende Mehrheit für den Bürgerentscheid geben, trat das Gegenteil ein.

Es votierten zwar 23 von 39 Stimmberechtigten für den Entscheid und „nur“ 16 dagegen, die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit (26) wurde jedoch verfehlt. Gemäß dem Motto „Versöhnen statt spalten“ (Johannes Rau), erklärte Küppers, auf die CDU zugehen und deren „Anmerkungen“ ins Konzept aufnehmen zu wollen. So bleibe zum Beispiel der VfR Würselen an seinem Standort und das Sportzentrum am Aquana falle etwas kleiner aus.

CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz sagte, man habe sich nach dem „Ehekrach“ mit der SPD noch einmal alle im Raum stehenden Vorstellungen und Forderungen angesehen und daraus in intensiven Gesprächen ein „gemeinsames Konzept entwickelt, das den Möglichkeiten der Stadt Würselen entspricht – und möglichst vielen, aber nicht allen Vereinen.“ Schmitz: „Das ist eine der guten Stunden im Rat. Es ist ein guter Tag für Würselen.“

Einsparungen wären nötig

Diese Einschätzung vermochte Bürgermeister Arno Nelles (SPD) nicht vorbehaltlos zu teilen und stimmte gegen das geänderte Konzept. Er sagte klipp und klar: „Ich kann die Mehrkosten nicht verantworten!“ Die mit dem ausgeweiteten Sportkonzept verbundene Finanzierung sei noch gar nicht errechnet. „Es geht aber zusätzlich sicherlich in die Millionen.“ Den Bau weiterer Kunstrasenplätze für Fußballvereine sehe er angesichts des demographischen Wandels kritisch. Einsparungen an anderer Stelle wären notwendig, „vielleicht auch beim Bau von Kita-Plätzen.“

Gerade mit Blick auf die „freiwilligen Ausgaben“ für neue Sportstätten habe Nelles einen Ratsbürgerentscheid vorgeschlagen, um die Bürger direkt entscheiden zu lassen, ob sie dafür wirklich das Geld ausgegeben sehen wollen. CDU-Fraktionsvorsitzender Schmitz entgegnete: „Sie haben die Pflicht, den Beschluss des Rates umzusetzen. Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie zurücktreten!“ Nelles blieb bei seiner Linie: „Ich werde die Rechtmäßigkeit des Ratsbeschlusses überprüfen lassen.“

Der Aspekt Kosten wurde im Beschluss des Rates indes ausdrücklich erwähnt. So soll die Finanzierung der zusätzlichen Kosten „ohne die Erhöhung vom Realsteuern im Haushalt 2018 erfolgen“. Möglich sein soll die Streckung der Maßnahmen der bisher nicht finanzierten Teile bis zum Jahr 2022. Die Verwaltung soll unverzüglich mit den Planungen beginnen. Im wesentlichen wird nun das „Weidener Konzept“ vollständig umgesetzt werden. Es bleibt bei nur einem Kunstrasenplatz am Aquana nebst Kleinspielfeld.

Das Gymnasium soll eine bedarfsgerechte Sporthalle bekommen. Neu ist, dass den Vereinen in Morsbach und Bardenberg die Umwandlung eines Sportplatzes in einen Kunstrasenplatz angeboten wird. Dafür müsste aber die bisherige Spielfläche zur Mitfinanzierung vermarktet werden.

Vergeblich demonstrierten vor Sitzungsbeginn Mitglieder des SV Rhenania 05 Würselen gegen die Aufgabe „ihres“ Lindenplatzes und den Umzug in das geplante Sportzentrum am Aquana. Ihnen wurde Verständnis signalisiert, aber auch deutlich gemacht, dass ein Umzug ans Aquana unumgänglich sei.

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