SPD-Ratsherr nennt Thekla-Schützen eine „Grüne SA”

Von: Holger Bubel
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Herzogenrath. Der Herzogenrather SPD-Ratsherr und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hartmut Prast hat im Rahmen einer internen Brandmeister-Sitzung der Herzogenrather Feuerwehr im Januar dieses Jahres die Schützenbruderschaft St.Thekla Merkstein 1951 als „Grüne SA” bezeichnet.

Dies geht aus einem Protokoll hervor, das dieser Zeitung vorliegt, auch er selbst dementiert seine Äußerung auf Anfrage nicht.

Publik gemacht wurde diese verbale Entgleisung aber nicht von den Beleidigten, den Thekla-Schützen selbst, vielmehr ging die Herzogenrather CDU im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema „Herzogenrath nach dem Regierungswechsel” mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Reimund Billmann in die Offensive: „Es ist ein Skandal, dass in einer Stadt wie Herzogenrath, die sich vehement gegen rechte Strömungen und Gesinnungen aufstellt, ein Ratsmitglied sich zu solch einer Beschimpfung hinreißen lässt und eine traditionsreiche Schützenbruderschaft ins rechte Lager rückt”, sagte Billmann.

Und: „Die CDU-Fraktion fordert den Rücktritt von Hartmut Prast als Ratsmitglied.” Billmann weiß, dass das SPD-ratsmitglied nur freiwillig seinen Stuhl räumen kann. „Rechtlich haben wir keine Handhabe.”

Bekannt wurde die Äußerung von Hartmut Prast durch das im Septmeber anonym an St-Thekla-Präsident Herbert Hau zugestellte Protokoll vom Januar diesen Jahres, in dem es unter Punkt 3.1 heißt, dass „durch einen Kameraden zur Vertretung seiner persönlichen Meinung der Wortlaut Grüne SA benutzt” wurde, gemeint damit waren die Schützenbruderschaft des Präsidenten.

Herbert Hau wandte sich mit einem Brief an Bürgermeister Christoph von den Driesch, mit der Erwartung, dass dieser gegen den „ungeheuerlichen Vorfall” vorgehe und den (zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten) Urheber dieser beleidigenden Worte „mit aller Konsequenz (...) auch im Sinne der Stadt” vorgehe.

Bürgermeister von den Driesch brauchte gar nicht lange zu recherchieren, wer der Urheber dieser Worte war: Hartmut Prast „stellte sich”.

Als oberster Dienstherr der städtischen Feuerwehr hat von den Driesch auf Anfrage der CDU-Fraktion mitgeteilt, dass die Wehrführung gemeinsam mit ihm Hartmut Prast Mitte Oktober „disziplinarisch belangen” werde. Derzeit befindet sich Bürgermeister von den Driesch im Urlaub und konnte keine persönliche Stellungnahme zu dem Vorfall abgeben.

Hartmut Prast hat sich zwischenzeitlich mit einem persönlichen Brief an die Thekla-Schützen gewandt und sich für seine verbale Entgleisung entschuldigt.

Hitzige Diskussion

„Ich bedaure diese Bemerkung und distanziere mich davon. Ich hätte das nicht sagen dürfen”, beteuert Hartmut Prast auf Nachfrage. Er wisse um die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung der Schützenvereine. Er erklärt seinen Fauxpas mit der Hitzigkeit der Diskussion, in deren Verlauf ihm „Grüne SA” über die Lippen gekommen sei. „Es ist richtig mit mir durchgegangen. In diesem Moment wollte ich einen groben Klotz auf einen groben Keil setzen”, sagt er.

Was ihn so in Rage versetzt hat, das will der Fachberater Chemie der Feuerwehr Herzogenrath nicht sagen. Schließlich sei es eine vertrauliche Sitzung, in der „interne Dinge” besprochen wurden.

Daher kann er auch nicht nachvollziehen, dass das eigentlich nicht für die Öffentlichkeit gedachte Protokoll doch nach außen getragen wurde - neun Monate nach seiner Entgleisung. Er vermutet persönliche Gründe dafür und will nun seinerseits gegen den Denunzianten vorgehen.

Eine Konsequenz hat Prast bereits gezogen und ist von der Merksteiner Freiwilligen Feuerwehr in die Kohlscheider gewechselt. Politisch will er keine Konsequenzen ziehen und erteilt der CDU-Forderung eine deutliche Absage: „Ich werde mein Ratsmandat nicht abgeben.”
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