Baesweiler - SPD-Kandidat will Bürger fragen, nicht bevormunden

SPD-Kandidat will Bürger fragen, nicht bevormunden

Von: Karl Stüber
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Er will Chef im Baesweiler Rathaus (Hintergrund) werden: Dr. Karl Josef Strank, Bürgermeisterkandidat der Sozialdemokraten. Foto: Karl Stüber

Baesweiler. Eigentlich kann Dr. Karl Josef Strank mit 60 Jahren stolz zurückblicken, über das Geleistete und Erlebte zufrieden sein, die letzten Berufsjahre gelassen angehen und dann den Ruhestand genießen.

Schließlich ist er Familienvater (zwei Töchter), fühlt sich in seiner Heimatstadt Baesweiler wohl und arbeitet an der RWTH Aachen, wo er jetzt in ein noch interessanteres Tätigkeitsfeld gewechselt ist – und zwar vom Fachbereich Abfallwirtschaft in die naturwissenschaftliche Fakultät. Dort kann der promovierte Biologe seine Passion für Biologie noch besser als bisher ausleben. Er hat unter anderem die spannende Aufgabe übernommen, die Konzeption für ein Lehr- und Lernlabor für angehende Biologielehrer zu entwickeln.

Aber der Beggendorfer hat noch eine andere Passion: Politik. Die hat ihn jetzt in eine besonders exponierte Lage gebracht: Er ist Bürgermeisterkandidat der SPD. Strank weiß, dass er sein bisheriges Berufsleben aufgeben müsste, sollte er nach dem 13. September als Chef im Rathaus Einzug halten. Und er ist bereit dazu. Der Weg bis zu diesem Punkt war aber keineswegs eindeutig vorgezeichnet.

„Ich bin zwar immer politisch interessiert gewesen, aber relativ spät in die Politik eingestiegen“, bekennt er unumwunden. Dass er 2001 der SPD beitrat, war ihm keineswegs in die Wiege gelegt worden. „Ich bin kein klassischer SPD-Kandidat, stamme nicht aus einer Bergarbeiterfamilie.“ Sein Vater war Schmied und hatte einen Betrieb für Landmaschinen in Beggendorf, erzählt er.

„Dass ich letztlich das Abitur gemacht habe, verdanke ich den Umbruchjahren und der Bildungspolitik, für die Willy Brandt sorgte. Das ist mir aber erst im Nachhinein bewusst geworden.“ Strank genoss eigentlich eine katholisch-konservative Ausbildung am Franziskus-Gymnasium und Internat in Vossenack. „Da wurden einem ganz klare politische Vorgaben vermittelt.“

Hat wohl nichts gebracht. Denn letztlich fand er die SPD doch anziehender – dank Willy Brandtscher Bildungspolitik und Projektarbeit in Aachen, bei der mit Partnern zu tun hatte, die der SPD angehörten. So kann’s gehen. Er war eine Wahlperiode lang im Städteregionsrat vertreten. Letztlich packte es ihn, auch in Baesweiler die SPD und ihre Ideale wieder nach vorne zu bringen. Er wurde Vorsitzender des SPD-OV Baesweiler und Fraktionsvorsitzender.

„Neue Bürger – neue Gedanken“

Offenbar mit Erfolg, dank eines starken Teams, wie er betont. „Wir haben mit unserer Mannschaft bei der Kommunalwahl 2014 rund 7,5 Prozent zugelegt. Die CDU hat entsprechend stark verloren“, ruft er in Erinnerung. Angesichts von zwei Vertretern der Partei Die Linke, die im Stadtrat nun vertreten sind, sagt Strank: „Baesweiler hat sich bei den Kommunalwahl deutlich nach links orientiert.“

Angesichts dieses Erfolgs ist nachvollziehbar, dass die SPD ihn zum Bürgermeisterkandidaten kürte. Gab das Ärger mit der Familie? Na ja, Begeisterung klingt wohl anders. Strank spricht von „Bedauern“. Letztlich treffe es ja vornehmlich seine Frau. Am Ende des familieninternen Gesprächs kam das Go: „Wir tragen das mit!“

Und jetzt sitzt er hier im kleinen SPD-Fraktionsbüro im Baesweiler Rathaus. Betont korrekt gekleidet. Eloquent, aber nicht laut. Gemäßigt, aber in seinem Urteilen analytisch scharf. Was ärgert ihn in Baesweiler, was fällt ihm bei der Arbeit von Verwaltung und Stadtrat auf?

„Nach vielen Jahren eindeutiger Mehrheitsverhältnisse ist klar, dass die Verwaltung genau dem zuarbeitet, was der Bürgermeister will“, sagt er. Und: „Die CDU-Fraktion verlässt sich darauf. In Rat und Ausschuss wird nicht kritisch hinterfragt. Es gibt keine kultivierte demokratische Streitkultur.“ Kritik werde von der CDU-Mehrheit abgeblockt mit dem Argument, man habe genug diskutiert. „So werden Chancen vertan, um die Dinge zu verbessern“, sagt Strank.

Was will er als Bürgermeister da anders machen? Den Veränderungen entsprechend handeln. „Sehr viele Leute sind mittlerweile von außen zugezogen, die nicht in Vereinen und Traditionen verankert sind und sein wollen.“ Diese Leute und natürlich auch die „Alteingessenen“ wollen Strank und seine SPD ansprechen und bei der Gestaltung von Baesweiler „mitnehmen“. „Neue Bürger bringen neue Gedanken mit. Das kann für Baesweiler nur gut sein.“

Auch die Schulpolitik der CDU bringt ihn auf die Palme. Er spricht von „behäbiger Ignoranz“ und blindem Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem, dem Verpassen von Chancen, den Heranwachsenden bestmögliche Unterrichtsformen zu bieten. Er bemängelt, dass man sich bislang in Baesweiler nicht traut, die Bürger direkt nach ihrer Meinung zu fragen, etwa, ob denn Ganztagsunterricht an der Realschule gewünscht sei. „Das führt zum Bevormunden von Bürgern“, sagt er. Das wollen er und die SPD ändern.

Strank weiß, dass er angesichts seines Alters zum ersten und letzten Mal als Bürgermeisterkandidat antritt. Um die weitere Entwicklung der SPD ist ihm nicht bange. „Es freut mich, dass es heute noch gelingt, junge Menschen für Politik zu begeistern.“ Die Erneuerung der SPD schreite zügig voran angesichts der Bereitschaft, sich bei den Jusos zu engagieren, sagt er. „Und da ist der Anteil Jugendlicher mit Migrationshintergrund erfreulich hoch, die bringen auch neue Ideen ein.“ So sieht Strank die SPD in Baesweiler „erfrischend anders“ und jung – und will als 60-Jähriger den Jüngeren den Weg zu mehr Gestaltungsmöglichkeiten möglichst frei räumen.

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