Spaß und Kunst in einem Konzert

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Baesweiler. Die Sinfonietta Regio, das „Orchester in der Städteregion Aachen“, feiert ihr 60-jähriges Jubiläum, und da passte es, dass nach einem Auftritt in Aachen ein Konzert in der Region folgte.

Das Konzert im Gymnasium, das erste der geplanten vier Jubiläumskonzerte, machte deutlich, dass die Sinfonietta Regio ein sehr respektables Sinfonieorchester ist, aber nicht eines wie viele andere, sondern hier erlebte man einen Abend ganz ungewöhnlicher Art.

Amüsanter Spaziergang

Der Dirigent Jeremy Hulin, Chef des Orchesters, führte nicht nur die Musiker, sondern als geistreicher Moderator auch das Publikum. Mit einem abwechslungsreichen Programm nahm er die Zuhörer mit auf einen amüsanten Spaziergang durch die vielgestaltige Welt dieses großen Apparates von Individualisten, die zusammenarbeiten. Hier wird mal der mutige Einzelkampf gefordert, mal bedingungslos der Teamgeist.

Zunächst wurden auf amüsante Weise einzelne Instrument vorgestellt. Eine Zaubertasche mit unglaublichen Requisiten, durchstöbert und dann kommentiert vom wohlgelaunten Dirigenten, sowie kleine Interviews mit Instrumentalisten brachten Erstaunliches an den Tag: Z. B. sind ein Gartenschlauch und eine Trompete Verwandte; ein Bambusgrasblatt kann krächzen wie ein Fagottrohr, ein Fagott ohne Mundstück kann den Sound eines Hubschraubers imitieren, und auf einem Kuhhorn kann man ein Rondothema von Mozart spielen – wenn auch nur auf Kuhniveau.

Nach dem Spaß die Kunst: Mit Sätzen von Händel, Bach, Mozart, Saint-Saens stellten Bläser des Orchesters, jeweils einfühlsam begleitet von ihrem Team, ihr Instrument vor: die Flöte, höchst virtuos und souverän, durch Gerda Schwartz; die Trompete, elegant und bis in schwindelnde Höhen, durch Leo Jansen; das Fagott durch Claudia Heuschen, technisch perfekt, mit meditativer Ruhe und fingerfertigem Witz; schließlich Ulrich Michels mit einer wunderbar romantisch geblasenen „Romance“ das Horn.

Und dann als besondere Rarität das Konzertstück Nr. 2 von Mendelssohn für zwei Klarinetten und Orchester, das, wie zu erfahren war, der speziellen Liebe des Komponisten für Nudelauflauf zu verdanken ist. Zubereitet wurde dieser von zwei Klarinettisten unter der Bedingung, dass Mendelssohn ein Stück für sie schreibe. Aufgeführt wurde es nun von den Solisten Günter Mänz und dem Dirigenten Jeremy Hulin, letzterer in Doppelfunktion. Nach der Pause wurden dem Publikum drei Gruppen des Orchesters vorgestellt. Zunächst die Holzbläser mit dem letzten Satz von Mozarts großer c-Moll-Serenade, dem ernstesten Stück des Abends.

Die Streicher boten eine leidenschaftliche Version von Sibelius‘ hochromantischem „Andante Festivo“. Die dritte Formation, ein Blechbläsersextett, sorgte unter der animierenden Leitung von Paul Drießen dafür, dass die jazzigen Rhythmen von Glenn Miller gute Laune verbreiteten.

Aufmerksames Publikum

Das ganze „Team“ konnte seinen beeindruckenden Klang entfalten im witzigen „Perpetuum mobile“ von J. Strauss Sohn, im „Gewitter und Sturm“ von Beethoven (mit dem bis dahin lautesten und wildesten Akkord der Musikgeschichte) und zuletzt in einem Stück von Leroy Anderson, das Klassik und moderne U-Musik aufs Unterhaltsamste vereinigt. Hier gab es auch für die Schlagzeuger überraschend improvisierte Gelegenheiten, den Witz des Stücks zu fördern.

Beim auch nach zwei Stunden noch höchst aufmerksamen Publikum bedankte sich das Orchester mit der Wiederholung eines Satzes der Händelschen Trompetensuite und des „Perpetuum mobile“.

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