Spargelbauer: Nässe ist eine Gefahr für die nächste Saison

Von: Verena Müller
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Der Damm ist trocken, aber zwischen den Reihen steht das Wasser: Keine guten Erntebedingungen für die Saisonarbeiter von Walter Lamberts. Und durch die Nässe ist der eh schon schwere Boden kaum aufzulockern, das macht es den Trieben fürs nächste Jahr schwer. Foto: Verena Müller

Würselen. Der Matsch saugt sich beim Gang durchs Feld an den Sohlen der Gummistiefel fest, mit einem schmatzenden Geräusch löst er sich wieder. In den Furchen zwischen den Spargelreihen steht das Wasser.

Im Zusammenspiel mit den Folienbahnen, die fürs Spargelstechen umgeschlagen werden, eine rutschige Angelegenheit. Einige Reihen meiden die Saisonarbeiter schon, nachdem sie sich dort lang gemacht haben. Dass da die Ernte im und nach dem Regen keinen Spaß macht, kann man sich leicht ausmalen. Dazu kommt noch die wirtschaftliche Komponente, wenn Spargelbauer Walter Lamberts auch für diese Saison noch sagen kann: „Von der finanziellen Seite her sind wir eigentlich zufrieden.“

Sein Kollege aus Düren dagegen zeichnet ein düsteres Bild: „Im Vergleich zu einer Durchschnittsspargelernte hatten wir witterungsbedingt in den vergangenen Wochen etwa zehn bis 15 Prozent weniger Ertrag“, so Heiner Lövenich. Schon wenige Kilometer Entfernung können große Unterschiede bedeuten.

„Vor Jahren hatten wir mal den Fall, dass alles drei Tage lang überflutet war. Der Birker Bach war übergelaufen. Abpumpen hat nicht geholfen, es stand einfach alles unter Wasser“, erzählt Lamberts. Für die betroffenen Flächen hieß das: Totalausfall. Davon sind seine Felder in diesem Jahr aber weit entfernt – unter der Folie und in den erhöhten Dämmen ist der Spargel vom Regen unbeschadet geblieben. Wohingegen Heiner Lövenich in Düren-Gürzenich zeitweise knöchel- bis knietief im Wasser stand.

Was Lamberts größere Sorge bereitet, sind die Auswirkungen des Regens auf die nächste Saison. Denn: „Die Pflanzen brauchen gute Bedingungen, um Triebe anzusetzen. Der Boden muss dringend gelockert werden.“ Im Gegensatz zu den sandigeren Böden im Heinsberger Raum ist die Erde im Nordkreis schwerer, kombiniert mit der Nässe ist Grubbern im Grunde unmöglich beziehungsweise bringt nichts.

Lamberts baut auf rund zwölf Hektar Spargel an, davon drei Hektar weißen, den Rest grünen.

Die noch laufende Saison, die traditionell am Johannistag (24. Juni) endet, wenngleich das in der Realität ein flexibles Datum ist, hat allenorts schleppend begonnen: Mitte April ging‘s los, dann kam der Kälteeinbruch. „Die Ernte kam zum Erliegen, die Preise waren lange auf hohem Niveau“, so Lamberts. Der verkauft seinen Spargel nicht nur auf dem eigenen Hof auf Gut Paffenholz, sondern auch an den Großmärkten in Köln und Düsseldorf. Heißt für ihn und seine Familie: lange Tage, keinen Tag frei während der Erntezeit. Ein gutes Dutzend Saisonarbeiter aus Rumänien beschäftigt er, die während dieser Zeit auf seinem Hof untergebracht sind. Manche kommen jedes Jahr wieder, seit Jahrzehnten.

Ab Ende April hätte das Wachstum dann an Fahrt aufgenommen – vom Heizspargel mal abgesehen. Heizspargel? Lamberts baut neben Spargel Zuckerrüben, Getreide sowie Mais an und betreibt eine Biogasanlage. Die Abwärme leitet er ins Feld, unter jeder Reihe befinden sich zwei Heizrohre.

Zwischen 20 und 25 Grad warm wird es an der Krone, also am Fuß der Stange. Im Grunde könnte Lamberts das ganze Jahr ernten. Tut er aber nicht. „Wir haben zwar mal im Schnee Spargel gestochen, aber an Karneval will den keiner essen.“ Deshalb lautet sein Fazit: „Zu sehr verfrühen ist auch nicht gut.“

Zu warm mögen es die Stangen übrigens auch nicht, sonst werden sie holzig. Ein anderer Grund dafür kann eine zu lange Lieferkette sein. Aber das nur am Rande.

Normalerweise wird bei Lamberts sechs Wochen durchgeerntet, dann lässt er den Spargel durchwachsen. Er schießt bis zu zwei Meter in die Höhe, die Pflanze tankt über das Sonnenlicht Energie und erholt sich fürs nächste Jahr. Lamberts spritzt in der Phase gegen das Unkraut und lockert den Boden. „Während der Erntezeit spritze ich grundsätzlich nicht“, sagt er. Und das sieht man den Feldern an. Verschiedenste Wildkräuter stehen dicht an dicht.

Zwischen sieben und neun Jahren hält sich eine Spargelpflanze, 20 Stangen pro Pflanze seien pro Saison normal, schätzt Lamberts. „Aber ich zähle nicht nach.“ Ist ein Lebenszyklus um, würde er auf dem Feld erst eine andere Frucht anpflanzen, bevor er es vielleicht wieder für Spargel nutzt.

Wie lange er in diesem Jahr noch erntet, könne er noch nicht genau abschätzen. „Das kann auch noch zehn Tage dauern“, sagt Lamberts.

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