Sozialbau in Mariadorf: Von Fakten und Befürchtungen

Von: Verena Müller
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Spaziergänger mit Hunden sieht man hier häufiger, spielende Kinder seltener: Die Wiese zwischen Pützdrieschstraße und Narzissenstraße/Jasminstraße in Mariadorf. Frühestens ab März/April 2017 ist mit dem Spatenstich für einen 19-Parteien-Bau zu rechnen. Foto: V. Müller

Alsdorf. Die Wogen schienen zwischenzeitlich geglättet, aber nun hat sich eine der Wortführerinnen der Bürgerinitiative gegen den Bebaungsplan 235 Narzissenweg – Stichwort: Sozialbau – erneut gemeldet. Von Einlenken keine Spur. „Wir fühlen uns von der Stadt im Stich gelassen“, sagt Katharina Hensen im Nachgang zu einem Gespräch, das mit Bürgermeister Alfred Sonders stattgefunden hat.

In Mariadorf, ihrem Stadtteil, gebe es bereits 477 Sozialwohnungen, in der Broicher Siedlung aber nur 30.

Warum der Bürgermeister denn nicht in dem Ort, wo er selbst wohnt, einen solchen Bau hinsetze. „Beton, Beton, Beton“ sehe sie nur noch in ihrer Nachbarschaft. Und die Kriminalität habe bereits zugenommen, ständig würden Autos demoliert. Die Idee, die im Plan vorgesehene Grünfläche an der Rückseite des 19-Parteien-Baus frei zu lassen oder mit einem Spielplatz zu versehen, sei wieder vom Tisch, behauptet sie: „Da sollen Parkplätze hin.“

Nur: Nichts davon lässt sich durch Fakten belegen. Schaufenberg oder die Siedlung Ost sind nicht minder eng bebaut und ein Blick in die Kriminalitätsstatistik zeigt: Mariadorf ist im Vergleich zu anderen Stadtteilen unauffällig. Die Pressestelle der Polizei verweist darauf, dass man allein schon aufgrund der Flüchtlingsunterkunft an der Pützdrieschstraße ein Auge auf die Gegend habe und ein „kurzer Draht“ dorthin bestehe. „Wir haben bislang keine negativen Rückmeldungen erhalten“, sagt Sprecherin Sandra Schmitz.

Die Sicht einer mit „gefördertem Wohnraum überfrachteten Situation“ in Mariadorf will die Technische Beigeordnete der Stadt Alsdorf, Susanne Lo-Cicero Marenberg, nicht teilen. Sie rechnet vor: Rund 3900 Sozialwohnungen gebe es in Alsdorf insgesamt, davon rund 1270 in der Altgemeinde Hoengen und rund 2640 im ehemaligen alten Stadtgebiet Alsdorf. Wobei die Altgemeinde Hoengen rund 22.000 und das Alt-Stadtgebiet rund 25.000 Einwohner zählen.

Nächster Punkt: die Freifläche an der Seite Narzissenstraße/Jasminstraße: Dass auch diese überbaut werden soll, etwa mit Parkflächen, stimmt laut Bauherr, der Gemeinnützigen Siedlungsgemeinschaft Alsdorf, nicht.

„Es wird für jede Wohnung einen Stellplatz geben. Zehn vor dem Haus an der Pützdrieschstraße und neun auf dem privaten Nachbargrundstück“, sagt Geschäftsführer Dieter Sandlöbes. Dadurch würden an der Straße ungefähr sechs Parkplätze wegfallen – was ein weiterer Kritikpunkt von Anwohnern war.

Für die Freifläche gebe es keine neuen Pläne, so Sandlöbes weiter, diese seien unverändert. Ob hier ein Spiel- oder Bolzplatz angelegt werde, sei noch offen.

Der zweiten Wortführerin der Bürgerinitiative, die inzwischen 300 Unterschriften gesammelt hat, war und ist in erster Linie an Spielmöglichkeiten für (ihre) Kinder gelegen.

Ute Glogau hatte den geplanten Neubau sogar begrüßt. Den Zustand des Spielplatzes hinter dem Rewe hatte sie dagegen scharf kritisiert, dort wolle sie ihre Kinder nicht hinschicken. Sie vermisst Alternativen in der Nähe und bedauert den anstehenden Verlust der Wiese am Bahndamm.

„Partylocation“ Spielplatz

Für öffentliche Spielplätze wie den hinter dem Supermarkt – das ist leicht irreführend – ist die andere GSG zuständig: die Grund- und Stadtentwicklungs GmbH, eine Tochter der Stadt Alsdorf. Prokurist Maik Del Tedesco sagt: „Es gibt Spielplätze, die besonders stark von Jugendlichen frequentiert sind, und der hinter dem Rewe gehört leider dazu.“

Er nennt ihn schon fast eine „Partylocation“. Im Supermarkt deckten sich die Jugendlichen ein, die Spuren müssten dann seine Mitarbeiter entfernen. „Alleine für die Müllentsorgung unserer 42 Spielplätze im Stadtgebiet sind im vergangenen Jahr mehr als 60.000 Euro angefallen.“

Die Plätze, die erfahrungsgemäß am stärksten vermüllt seien – neben dem zwischen Rosenstraße und Jülicher Straße beispielsweise auch der an der Von-Ketteler-Straße – fahre die GSG montags immer als erstes an. „Einmal pro Woche wird jeder Platz gereinigt“, sagt Del Tedesco.

„Wirklich unerfreulich“ sei der Anblick dort manchmal, sagt er aus eigener Anschauung. Aber noch häufiger dort nach dem Rechten zu schauen, sei natürlich mit noch höheren Kosten verbunden...

Die Spielplatzkommission, zu der neben dem Jugendamt und der GSG auch Vertreter der Politik gehören, ist außerdem in jedem Frühjahr im Stadtgebiet unterwegs, um sich selbst ein Bild zu machen, und soll laut Jugendamt vor Ablauf dieses Jahres noch einmal zusammenkommen.

Es sind also alle Beteiligten sensibilisiert. Ob das wie auch immer geartete Ergebnis – auch angesichts der bunten Gemengelage innerhalb der Bürgerinitiative – etwas am Protest gegen den Neubau ändert, ist fraglich.

Laut GSG ist jedenfalls vor März/April 2017 nicht mit dem Spatenstich zu rechnen.

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