Soulcats covern sich durch die Pop-Geschichte: Keine Schmusekätzchen

Von: Stefan Schaum
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Seine Stimme ist das Saxofon: „Soulcats“-Leader Bernd Delbrügge, flankiert von den Sängerinnen Julia Binder (l.) und Titia Handoko. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Schmusekätzchen sind das nicht. Diese Miezen wollen Party! Wollen Vollgas, wollen Funk und jede Menge Hits. Vor drei Jahren haben Saxofonist Bernd Delbrügge und BAP-Bassist Werner Kopal ihre „Soulcats“ reaktiviert, seitdem covern die Kölner sich wieder mit Schmackes durch die Geschichte der Pop-Musik. Wie jetzt am Wochenende auf Burg Wilhelmstein.

Die Band zeigt sich dort nach 14-jähriger Auszeit deutlich verjüngt. Die beiden Sängerinnen Titia Handoko und Julia Binder waren allenfalls Kinder, als die „Soulcats“ zuletzt auf Burg Wilhelmstein zu Gast waren, auch Gitarrist Thilo Hornschild und Keyboarder Till Schumacher sind eher Jungspunde.

„Im Turm haben wir gerade ein altes Plakat von 1992 von uns hängen sehen“, lässt Bernd Delbrügge die gut 500 Zuschauer in den Reihen wissen. Er könne sich leider beim besten Willen nicht an diesen Auftritt erinnern. Das mag an gewissen „Substanzen“ gelegen haben, wie er sichtlich amüsiert sagt. Es waren wohl wilde Zeiten damals. Aber zahm sind die Musiker auch heute nicht. Der Dampf, den sie in ihre Musik legen, ist schon ganz ordentlich. Das gilt nicht bloß für Songs wie „Higher Ground“ von Stevie Wonder, wie man sie bei solch einer Band erwartet.

Das gilt vor allem für rockigere Dinge wie „Seven Nation Army“ von den White Stripes oder gar Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“, die sich im neuen Gewand gut machen. „Wir haben sie ‚eingesoulcatst‘, wie Delbrügge sagt. Was bedeutet: Es gibt viel Freiraum für die Blasinstrumente.

Neben Delbrügge pfeffern Ebasa Pallada mit der Trompete und Susanne Weidinger mit dem Baritonsaxofon den Sound, der an vielen Stellen cool und heiß zugleich ist. Mit aktuelleren Hits wie „I Kissed A Girl“ von Katy Perry oder „Ex‘s & Oh‘s“ von Elle King wird die erste Hälfte der Show zugebracht.

Erst nach der Pause kommen dann die „Special guests“, auf die die größere Hälfte des Publikums gewartet hat: Sänger Gerd Köster und Gitarrist Frank Hocker, die Eckpfeiler der kölschen Kultband „The piano has been drinking“. Mit ihnen kommt der Blues, kommen Dreck und Schweiß. Schon nach drei Songs sind Kösters Haare klatschnass, denn er hängt sich stimmlich immer noch so rein wie damals, als er die ersten Songs von Tom Waits ins Kölsche übersetzt hat. Seine Reibeisenstimme hat er noch und auch den Charme.

Für die kleinen „Verzällchen“, die er zwischen die Songs packt, gibt es immer wieder Szenenapplaus. Und im Gegensatz zu Bernd Delbrügge kann er sich noch lebhaft daran erinnern, mit seiner Band vor vielen Jahren schon mal in Würselen gewesen zu sein. Hinter den letzten Sitzreihen sei damals ein Pfau entlang stolziert und habe sein Gefieder präsentiert. Da werde er doch glatt sentimental, wenn er daran denke, sagt Köster. Klar: Älter sei man geworden, „ävver et jeeht uns jot“!

Das kann man hören – und als die Stargäste nach einem halben Stündchen die Bühne ver- und die „Soulcats“ unter sich lassen, werden bereits Zugaben gefordert. Nach dem Finale der „Soulcats“ kehren Köster und Hocker zurück. Noch einmal stehen da elf Musiker auf der Bühne, das volle Programm, der pure Blues.

Dann, nach gut zwei Stunden, ist Schluss. Fürs erste. „In 25 Jahren kommen wir vielleicht wieder“, sagt Bernd Dellbrügge. „Dann treffen wir uns hier alle mit Rollatoren!“ Die Musik dürfte dann aber vermutlich immer noch lässig sein.

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