Sonntags shoppen: Vorbild Niederlande?

Von: laura Laermann
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Mal läuft es besser, mal eher schlechter: An elf Sonntagen im Jahr öffnen Tjeu und Puck Sauren ihre Buchhandlung in der Innenstadt Kerkrade, und nicht an jedem lohnt es sich. Während viele Kunden an den Sonntagen um Weihnachten kommen, sind es im Frühjahr weniger. Foto: Laura Laermann

Herzogenrath. Es ist leer in der Innenstadt. Vereinzelt gehen Kunden in die Geschäfte – viel Umsatz? Danach sieht es hier nicht aus. Ein Problem, das vor allem mittelgroße Städte wie Herzogenrath betrifft. Besonders für die kleinen Geschäfte wird es immer schwieriger, wirtschaftlich zu bestehen. Ein Trostpflaster: verkaufsoffene Sonntage.

Die sind allerdings rar. Höchstens an vier Sonntagen pro Jahr dürfen Geschäfte öffnen, so gibt es das Ladenöffnungsgesetz in NRW vor. Der Anlass muss ein Fest, ein Markt, eine Messe oder eine ähnliche Veranstaltung sein und dabei im Vordergrund stehen.

Dem entgegen steht die gesetzlich geschützte Sonntagsruhe. Auf diese stützte sich die Gewerkschaft Verdi und focht den geplanten verkaufsoffenen Sonntag während des Frühlingsfests an. Das Verwaltungsgericht Aachen gab Verdi Recht. Am 2. April blieben die Geschäfte in Herzogenrath geschlossen.

Diese Entscheidung löste bei vielen Geschäftsleuten Unmut aus. So auch in der kleinen Parfümerie Meyer: „Die Absage kam sehr kurzfristig. Schließlich lief die Werbung bereits, und die hat Geld gekostet“, sagt Inhaberin Käthe Meyer. Auch hatte nicht jeder von der Planänderung gehört, und stand am Sonntag vor geschlossenen Geschäftstüren. Für den Buchladenbesitzer Tjeu Sauren aus der niederländischen Nachbarstadt Kerkrade eine Unhöflichkeit: „Wenn man einen verkaufsoffenen Sonntag kommuniziert, muss man auch öffnen.“

Einige Kunden beschwerten sich bei Geschäftsleuten in Herzogenrath. Vor allem niederländische Kunden konnten es nicht verstehen, sagt Käthe Meyer. Für die sei ein verkaufsoffener Sonntag ganz normal. „Einmal pro Monat öffnen die Geschäfte sonntags bei uns“, sagt Mathieu van Helden aus Kerkrade. „Supermärkte machen sogar jeden Sonntag auf.“

Warum das so normal ist, weiß hier fast keiner so recht: „Wir haben uns schon so lange daran gewöhnt, dass wir das gar nicht mehr hinterfragen“, sagt Pascale Geilenkirchen, die ein Modegeschäft in Kerkrade führt. „Ich finde es gut, dass in Deutschland noch darüber diskutiert wird und jeder ein Recht auf den Sonntag hat.“

Dennoch: Auch die Geschäftsleute in Kerkrade setzen eine Grenze. Mehr als die bislang 11 verkaufsoffenen Sonntage können sich viele hier nicht vorstellen. „Es wäre nicht mehr spannend genug für die Kunden“, sagt Monique Jongen in ihrem Modegeschäft. Mit einem Programm wie einer Modenschau versucht man hier, mehr Kunden nach Kerkrade zu holen, damit sich der Sonntag lohnt.

Auch in Herzogenrath lohnt sich ein verkaufsoffener Sonntag, der in ein gut besuchtes Stadtfest integriert ist, wenn er denn stattfinden könnte. „Den kleinen Geschäften schadet das Verbot“, sagt die Verkäuferin einer Buchhandlung. „Für Herzogenrath ist das ein Schuss nach hinten.“ Denn die Sonntage wirken nicht nur positiv auf die aktuellen Umsätze, sondern haben auch einen langfristigen Effekt.

„Zum Frühlingsfest kommen viele Menschen aus den Grenzstädten und auch aus anderen Regionen. Wenn sie neben dem Fest auch in unsere Geschäfte schlendern, ist das für uns eine Chance sich zu präsentieren“, sagt Claudia Wiland vom Schuhhaus Wiland deutlich. Erst zwei, nachher drei Kunden sind in der Mittagszeit in ihrem Laden – vergleichsweise viel. Manch ein Geschäft bleibt auch vollständig leer.

Niederlande machen Konkurrenz

Kundenabwanderung wird für die kleineren Städte immer mehr zur Herausforderung. Konkurrenz machen ihnen nicht nur Großstädte, die mit riesigen Einkaufszentren viele Menschen anlocken. Der 24-Stunden-Onlinehandel schläft nie und gibt dem Einzelhandel damit einen weiteren Grund, jeden möglichen Sonntag zu nutzen.

Die Niederländer haben das schon lange erkannt und sind damit für eine Grenzstadt wie Herzogenrath ein weiterer Konkurrent. Denn viele Leute verbringen ihren Sonntag mit einem Einkaufsbummel durch Städte wie Heerlen oder Maastricht. „Mir geht es dabei nicht unbedingt ums Einkaufen. Aber wenn ich eine Stadt besuche, gefällt es mir besser, wenn sie belebt ist“, sagt Berti Hambach in Herzogenrath.

Andere können auf einen verkaufsoffenen Sonntag komplett verzichten. „Mir ist es zu voll“, sagt eine ältere Frau. „Ich habe auch unter der Woche genügend Zeit.“ Und dann gibt es noch diejenigen, denen der Sonntag heilig ist. Sie möchten ihre Ruhe genießen. Sie wollen ihren Sonntag mit der Familie verbringen und dem stressigen Arbeitsalltag entfliehen.

Es habe auch früher alles ohne einen verkaufsoffenen Sonntag geklappt, sagt ein Mann, der nicht namentlich genannt werden will. „Die Geschäfte wollen immer mehr Geld verdienen.“ Dabei gibt es auch Geschäfte, die sich raushalten: „Für uns lohnt es sich nicht“, sagt Helga Waschkau, Verkäuferin einer Metzgerei.

In einem sind sich aber fast alle Geschäftsleute einig: Vier verkaufsoffene Sonntage reichen aus. Mehr wollen sie ihren Mitarbeitern nicht zumuten. Der Gewerbeverein Herzogenrath strebt sogar mehr an, sagt der Vorsitzende Jörg Meyers. Zunächst sei es aber das Ziel, dass Geschäfte an den vier Sonntagen zum Frühlingsfest, Burgfest, Oktoberfest und Weihnachtsmarkt öffnen dürfen.

Am 25. April setzen sich Vertreter des Gewerbevereins und der Gewerkschaft Verdi an einen runden Tisch. Dann soll darüber gesprochen werden, welche Bedingungen die Veranstaltungen erfüllen müssen, um einen verkaufsoffenen Sonntag mit „begleitendem Charakter“ zu integrieren. Dass dieser auf den Werbeplakaten zu stark im Vordergrund stand, räumt Meyers ein. „Aber auch so war es beim Frühlingsfest rappelvoll.“

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