Sommertour: Leser entdecken das faszinierende Wurmtal neu

Von: Georg Pinzek
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Das Wurmtal im Blick: Günter Kalinka schärft den Blick für die schützenswerte Natur. Überall gibt es auch Relikte der großen Bergbauvergangenheit, so ist das heutige Naturschutzgebiet nachweislich das älteste Steinkohleabbaugebiet Europas. Auf der Halde Gouley ist die seltene Blauflüglige Ödlandschrecke – Loriot lässt Grüßen – zu Hause. Beeindruckt sind die Teilnehmer auch von der Raupe des Liguster Schwärmers. Foto: Georg Pinzek
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Das Wurmtal im Blick: Günter Kalinka schärft den Blick für die schützenswerte Natur. Überall gibt es auch Relikte der großen Bergbauvergangenheit, so ist das heutige Naturschutzgebiet nachweislich das älteste Steinkohleabbaugebiet Europas. Auf der Halde Gouley ist die seltene Blauflüglige Ödlandschrecke – Loriot lässt Grüßen – zu Hause. Beeindruckt sind die Teilnehmer auch von der Raupe des Liguster Schwärmers. Foto: Georg Pinzek
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Das Wurmtal im Blick: Günter Kalinka schärft den Blick für die schützenswerte Natur. Überall gibt es auch Relikte der großen Bergbauvergangenheit, so ist das heutige Naturschutzgebiet nachweislich das älteste Steinkohleabbaugebiet Europas. Auf der Halde Gouley ist die seltene Blauflüglige Ödlandschrecke – Loriot lässt Grüßen – zu Hause. Beeindruckt sind die Teilnehmer auch von der Raupe des Liguster Schwärmers. Foto: Georg Pinzek

Würselen. Wer den „Garten des Nordkreises“ besuchen will, der braucht eigentlich gar keinen Schlüssel. Oder doch? Mit seinem Wissen und seinem Enthusiasmus besitzt Günter Kalinka eben dennoch einen solchen.

Der öffnet die Herzen der Besucher des Wurmtals für die Schönheiten der Natur und die Besonderheiten der faszinierenden Landschaft. Erstaunlich: „Noch nie gehört, noch nicht gesehen“, lauteten Kommentare von Teilnehmern unserer Leser-Sommertour durch das Naturschutzgebiet. Dabei war der Großteil der Gruppe nach eigenen Angaben in den heimatlichen Gefilden zuvor unzählige Male unterwegs. Günter Kalinka, der Vorsitzende der AG Wurmtal, zeigte bei der Führung, dass es auf Schritt und Tritt für vermeintliche Wurmtalkenner etwas zu entdecken gibt.

Die Wiege des Bergbaus

Startend an Burg Wilhelmstein öffnete Kalinka den Blick für die unterschiedlichen Waldbereiche (un- und bewirtschaftet, dabei mitunter mit Nadelgehölzen falsch aufgeforstet), die Feuchtwiesen und die Auenlandschaft. Bereits 1989 wurde das Wurmtal als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es ist 445 Hektar groß. In den Jahren 1998 und 2000 wurde es der Europäischen Union als Fauna-, Flora, Habitat-(FFH)-Gebiet gemeldet und hat damit sogar internationalen Schutzstatus. Das Wurmtal umringt von den Städten Aachen, Würselen und Herzogenrath ist für Kalinka aber auch kulturhistorisch gesehen eine wahre Schatzkammer. Denn es ist nachweislich das älteste Steinkohleabbaugebiet in Europa (urkundlich erwähnt im Jahre 1113), vermutlich sogar weltweit und damit noch viel älter. „An den zahlreichen Stellen, an denen das Steinkohlengebirge offen aus den Hanglagen tritt, sind Fossilien leicht zu finden“, animierte Kalinka zur Suche. Blätter- und Farnabdrücke zieren die Fundstücke.

Vorbei geht die Tour an der „Alten Mühle“ in Bardenberg (im Jahre 867 früheste Nennung „Mühlstelle auf der Wurm“), einst eine Bannmühle. Die Bauern waren gezwungen dort ihr Korn zu mahlen. Das heute leerstehende Hotel/Restaurant hat nach einem Zwangsversteigerungsverfahren dem Vernehmen nach einen neuen Besitzer, der durch Sanierung der denkmalgeschützten Immobilie den Restaurationsbetrieb wieder ermöglichen will.

Unweit davon stehen am Wegesrand umrankt von dichtem Grün – wie auch andernorts im Wurmtal – Bunkerreste. Kalinka erinnerte daran: In den 1980er Jahren habe sich die AG für den Erhalt stark gemacht, es sei ein idealer Nistplatz für Vögel und Fledermäuse sowie Winterquartier für Amphibien. Obendrein habe die AG damit dem Steuerzahler 30.000 DM pro Standort erspart, denn die sollten einst für die Verkehrssicherung verplempert werden: „Aber gefährlich war und ist da nichts. Wir sind stolz darauf, dass wir uns hier erfolgreich quergelegt haben.“

Dass uralte Bäume beileibe nicht nur an ihren dicken Stämmen zu erkennen sind, das zeigte Kalinka in einem jahrhundertealten bewirtschafteten Niederwaldabschnitt am Knopp. Dort sind die Wurzelteller der Heinbuchen etwa 1000 Jahre alt! An diesen Naturdenkmälern geht ab sofort niemand der Tourteilnehmer achtlos vorbei. Nicht nur im Bergbau war das Holz gefragt. Dass ringsum viele Kirschen zu finden sind, weiß Kalinka ebenfalls durch den Bergbau zu erklären: „Das Holz ist wasserbeständig und wurde beispielsweise für die Griffe der Pumpen benutzt.“

Auch über die Haldenlandschaft führte die Entdeckungstour. Neben seltenen Orchideen ist beispielsweise die Blauflüglige Ödlandschrecke (Kalinka: „Wenn man den Namen dreimal wiederholt, kommt einem doch sofort Loriot in den Sinn.“) mit ein Grund dafür, warum die Halde Gouley unter Schutz gestellt wurde. Vorbei geht es an den Graniteiern, die Kalinka gerne links oder auch rechts liegen lässt: „Für so einen Schnickschnack sollte man kein Geld ausgeben.“ Auch auf der benachbarten Kalkhalde zeigt Kalinka eine Besonderheit, die es in ganz NRW kein zweites Mal gibt: das Preismoos. Das Wurmtal ist die Heimat von über 217 Vogelarten. In den Uferabbruchkanten der Wurm findet auch der seltene Eisvogel ideale Nistmöglichkeiten. „Besonders in den frühen Morgenstunden sind sie gut zu beobachten“, lautet Kalinkas Tipp.

Übrigens: Der Biber hat über Herzogenrath auch im Würselener Bereich des Wurmtals wieder Einzug gehalten. Und nicht nur den –oder zumindest seine Spuren werden die Sommertour-Teilnehmer dank Günter Kalinka künftig im Auge behalten.

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