So manches Gespräch kann heilsam sein

Von: ath
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Das katholische Seelsorge-Team
Das katholische Seelsorge-Team am MZ in Bardenberg und Marienhöhe: Pastoralreferent Hans Baggen (v.l.), Pfarrer Gottfried Kader, Pastoralreferentin Sr. Claudia Valk. Foto: Andrea Thomas

Nordkreis. Sich etwas von der Seele reden können, wirkt befreiend. In einem Krankenhaus gibt es vieles, was Menschen belastet: Angst vor einer Operation, Unsicherheit, wie es nach einem Krankenhausaufenthalt zu Hause weitergehen soll, der Umgang mit einer Diagnose, die das Leben verändert, das Wissen nicht mehr gesund zu werden, anstrengende Dienste oder Ärger mit Kollegen.

Was fehlt, ist oft jemand, der zuhört. „Dem medizinischen Personal fehlt es meist einfach an der Zeit, sich zu einem längeren Gespräch ans Patientenbett zu setzen, daraus kann man niemand einen Vorwurf machen, so sind einfach die Abläufe”, erklärt Pfarrer Gottfried Kader, katholischer Krankenhausseelsorger am Medizinischen Zentrum in Bardenberg.

Er und seine beiden Kollegen am Standort Marienhöhe, Pastoralreferentin Sr. Claudia Valk und Pastoralreferent Hans Baggen bieten Gespräche für Patienten, aber auch für Angehörige und das Personal an. „Viele arbeiten schon seit vielen Jahren hier, da lernt man sich kennen”, sagt Pfarrer Kader, der im Herbst 20 Jahre in Bardenberg ist.

Der Kontakt ergebe sich auf die unterschiedlichsten Weisen, über die Krankenkommunion, einen Hinweis der MZ-Mitarbeiter, wenn Personal, Angehörige und Patienten sie direkt ansprechen oder bei einem ihrer Rundgänge über die Stationen. „Man entwickelt dafür eine Wahrnehmung, wenn man auf Menschen zugeht. Gespräche ergeben sich oft über Situationen”, schildert Hans Baggen seine Erfahrungen. Pfarrer Kader nennt es „Chancen des Augenblicks”. Beim gemeinsamen Warten auf den Aufzug, entstehe dann beispielsweise aus dem kollegialen „Wie geht es?” das Gespräch mit einer Schwester, der etwas auf der Seele liegt. Schwierig sei, dass oft der geschützte Raum, vor allem bei nicht mobilen Patienten, für die meist sehr persönlichen Gespräche fehle.

„Das geht dann oft zwischen Tür und Angel, mit Störungen durch Besucher, Personal oder Patienten.” Eine Besonderheit der Seelsorger sei, „dass sie nicht mit einer konkreten Absicht ein Zimmer betreten. Wir haben nichts in der Hand, im doppelten Wortsinn”, erklärt Sr. Claudia. Sie und ihre Kollegen haben keinen diagnostischen Ansatz, sondern stärken den Gesprächspartner, seine Erfahrungen wahrzunehmen und auszudrücken. Wenn es um die Lebensgeschichte gehe, kämen dabei durchgestandenes Leiden und Kräfte zur Sprache, die auch in der gegenwärtigen Situation kostbare Ressourcen sein könnten. Manchmal sei solch ein Gespräch heilsamer als viele Pillen. Durch das Erzählen ordneten sich Dinge, ließe sich das destruktive Gedanken- und Gefühlskarussell stoppen. „Was benannt ist, kann an unheilvoller Macht verlieren”, beschreibt es Sr. Claudia.

Ihm seien besonders die dementen Patienten wichtig, sagt Baggen: „Ihre Lebensäußerungen sind immer echt, auch wenn wir sie nicht verstehen, sie uns verstören und wir sie deshalb abwehren. Manchmal sind sie für mich wie ein Gebet.” Die Seelsorger kommen immer auch als Vertreter der Kirche, der die Kranken wichtig sind. Dabei sei es für sie nicht wichtig, welcher Religion jemand angehöre oder wie nahe er sich der Kirche fühle. „Wir haben auch tiefe Begegnungen mit Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen und mit Menschen, die der Kirche fernstehen”, berichtet Pfarrer Kader.

Ballast abwerfen

In der existenziellen Unsicherheit einer Krankheit stellen sich Lebensfragen noch einmal neu. Das merke er besonders, wenn ihn jemand um ein Beichtgespräch bitte. „Da brechen Dinge auf, die oft ein Leben lang als Ballast mitgeschleppt worden sind und denen jemand immer ausgewichen ist.” Was Kranke sagten, sei nie banal, so auch die Erfahrung von Claudia Valk und Hans Baggen. Da gehe es um Bilder und Sätze, die zu dechiffrieren seien: Da kämen Verletzungen, Ängste, Zweifel und auch Schätze zu Tage. Die Gespräche seien auch für sie oft ein Geschenk, so die Seelsorger.
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