So manchem Vorsatz geht die Puste aus

Von: Manfred Stimpel
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Beharrlichkeit, Regelmäßigkeit – und die Ziele nicht zu hoch stecken: Wer auf ein ausgewogenes und nachhaltiges Gesundheitstraining setzt, verliert nicht so schnell den Mut und die Lust, den Sport als Bestandteil in seinem Leben zu integrieren. Foto: Holger Bubel

Nordkreis. Pünktlich zum Jahresbeginn finden sie sich in Supermärkten und Discountern: Fitness-Geräte und -bekleidung zum Schnäppchenpreis und für jeden Geschmack. Doch alle Jahre wieder schrumpft die Zahl derer ganz schnell, die mit dem festen Vorsatz ihre Silversterböller steigen ließen, ab dem magischen 1. Januar dem Sport eine exklusive Rolle in ihrem Leben einzuräumen.

Die Discounter räumen Hanteln, Bauchtrainer und Eiweißdrinks wieder in die zweite Reihe. Und so mancher Nordic-Walking-Stock steht – allzeit bereit, aber unbeachtet – in der dunkler Hausflurecke. Dabei hat so mancher Neujahrs-Sportler den einen oder anderen Euro investiert.

Qualität und Beratung

Sportstudio oder Wald- und Wiesenstrecke – Ausrüstung und Outfit bestimmen über Wohl und Wehe des Erfolges der ehrgeizigen Ertüchtigungspläne: „Die Kunden erzählen uns von ihren Neujahrsvorsätzen“, sagt Markus Carduck, Geschäftsführer eines Sportshauses in Würselen. „Bei der Auswahl ihres Equipments legen sie Wert auf Qualität und Beratung. Es hat sich rumgesprochen, dass ein guter Laufschuh Verletzungen und Beschwerden verhindern kann. Da verzichten die Leute lieber auf ein schickes Oberteil und investieren in den Schuh.“ Carduck rechnet damit, dass das „Neujahrs-Vorsatz-Geschäft“ noch ein paar Wochen andauert. Dann folgt die Karnevalszeit...

Ähnliche Erfahrungen macht alljährlich auch Renate Schäfer von Intersport Schäfer in Baesweiler: „Running, Walking oder auch Fitnessstudio und Zumba-Kurse – so mancher nimmt sich einiges vor. Laufschuhe stehen oben auf der Einkaufsliste.“ Bemerkt hat sie aber auch, dass so mancher zunächst auf Billigware setzt: „Dann gibt es häufig Fußprobleme, der Rücken schmerzt – und die Leute lassen sich dann doch von uns beraten.“

Stichwort Beratung: Zu einer solchen rät dringend auch Allgemeinmediziner Dr. Leonhard Hansen aus Alsdorf: „Zunächst sollte man vom Hausarzt die Risikofaktoren abchecken lassen. Bestimmte Krankheiten merkt man selbst nicht, etwa Diabetes oder Bluthochdruck. Den inneren Schweinehund besonders nach den ersten Tagen zu überwinden, muss dann jeder selbst schaffen. Aber ich rate jedem im Rahmen seiner gesundheitlichen Möglichkeiten zu Sport, zumindest zu regelmäßiger Bewegung.“ Aus seiner Praxiserfahrung kennt Hansen die Top 3 der (häufig schnell ad acta gelegten) Neujahrsvorsätze: mit Rauchen aufhören, abnehmen und Sport treiben. Und er weiß vom häufigen Scheitern dieser hehren Ziele: „Bei Rauchentwöhnung braucht man fachmännische Begleitung. Das funktioniert selten von hier auf jetzt.“

Ein vermehrtes Aufkommen an Patienten, die wegen ihres Sport-Vorsatzes einen Gesundheitscheck bei ihm machen wollen, hat Dr. Hansen aber nicht: „Auch wenn der 1. Januar offensichtlich einen Reiz weckt, rate ich zu diesen Plänen generell. Ich hatte auch schon Patienten, die mir gedankt haben, dass ich zur sportlichen Tätigkeit gedrängt habe.“ Sein Tipp: Bewegung, und zwar die, die wirklich Spaß macht – unabhängig vom Datum.

Ganz ähnlich sieht das „Lauf-Papst“ Helmut Heuschen aus Baesweiler: „Der 1. Januar scheint magischer zu sein als der 1. Mai. Er weckt Hoffnungen und Erwartungen. Aber für Bewegung ist jedes Datum passend.“ Als Vorsitzender des Lauftreffs Baesweiler rät Heuschen, den Sport in der Gruppe unter Leitung anzugehen. „Vom Leichtathletik-Verband ausgebildete Trainer haben Erfahrung mit Ausrüstung, Laufstilen oder Laufzeiten.“ Denn dass man beim Laufen viel falsch machen kann, weiß Heuschen: „Besonders Männer in der Mitte ihres Lebens sind gefährdet. Die powern sich in der Midlife-Crisis aus und bekommen Probleme mit Muskeln, Sehnen oder Bändern. Dann ist es wieder aus mit dem gesunden Sport.“

In dieser Phase nicht den Mut zu verlieren, dazu ermuntert Manfred Stimpel ,Sportfachwirt und Trainer für präventives Gesundheitstraining. Als Leiter des Sport- Forums in Alsdorf kennt auch er den vermehrten Zulauf zu Jahresbeginn. „Mancher möchte zu schnell zu viel. Die Ziele sind oft zu hoch gesteckt.“

Auch Stimpel rät zu professioneller Begleitung: „Man muss Bewegung aber auch in den Alltag integrieren, die Treppen statt den Aufzug benutzen, die Fernbedienung liegen lassen und aufstehen.“ Und: „Man sollte sich nicht von einem Rückschlag entmutigen lassen, sondern neu starten, wenn es der Vorsatz auf Anhieb nicht umsetzbar ist – unabhängig vom 1. Januar.“

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