Sirenen wappnen für den Katastrophenfall

Von: Laura Laermann
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In Baesweiler wurden die Sirenen nie abgebaut: Stattdessen hat man sie technisch für die digitale Alarmierung aufgerüstet. Bis auf eine Sirene, stehen alle anderen auf öffentlichen Grundstücken. Die Sirene neben der Feuerwehr in Oidtweiler gehört zu den neueren Modellen. Foto: Laura Laermann

Nordkreis. Die Planungen für den flächendeckenden Ausbau eines Sirenensystems schreiten voran. An insgesamt 172 Standorten des Altkreises Aachen sollen in den nächsten vier Jahren Sirenen aufgebaut werden. Der Hauptkostenträger, die Städteregion Aachen, rechnet mit Investitionen in Höhe von mindestens zwei Millionen Euro.

In Zusammenarbeit mit einem Ingenieurbüro und den Kommunen hat die Katastrophenschutzbehörde der Städteregion eine erste Standortvorauswahl getroffen. Darunter sowohl öffentliche Gebäude als auch Privathäuser – schließlich müssen alle Bürger erreicht werden, auch in reinen Wohngebieten.

In Alsdorf sollen insgesamt 18 Sirenen aufgestellt werden, zum Beispiel auf dem Rathaus oder auf dem Gelände des Eigenbetriebs Technischer Dienste. Auch würden sich laut Ordnungsamt mehrere Schulen anbieten. In Baesweiler gibt es bereits 13 Sirenen, die bislang von der Feuerwehr genutzt werden.

Eine weitere könnte im Gewerbegebiet hinzukommen. Auch in Würselen wurden erste Begehungen gemacht. Eine Sirene wäre auf dem Krankenhaus denkbar, teilte Stefan Siehoff vom Katastrophenschutz der Städteregion Aachen mit. Ebenso wie hier ist das letzte Wort in Herzogenrath noch nicht gesprochen, wie Manfred Sickert vom Ordnungsamt erklärte.

Baubeginn Anfang 2018

Alternativ könnten die Sirenen wegen der erforderlichen Höhe und Reichweite auf Masten installiert werden. Das sei aber fast doppelt so teuer wie die Anbringung auf dem Dach, sagt Siehoff. Ein weiterer Nachteil: Es müsste ein neuer Stromanschluss für die Sirene verlegt werden.

Bis Ende August soll das Konzept stehen und Anfang 2018 eine Ausbaufirma mit der Umsetzung beginnen.

Probedurchläufe sollen nach Fertigstellung viermal im Jahr stattfinden. Der Ton soll dabei weniger nach unten als in die Breite ausgestrahlt werden. Etwa 120 Dezibel erzeugt eine Sirene, 75 Dezibel sollen die Fensterscheibe eines Hauses erreichen.

Pro Jahr sollen 400.000 bis 500.000 Euro investiert werden. An den Kosten sollen sich auch die Kommunen der Städteregion beteiligen. Die jährlichen Wartungskosten inklusive Batterien zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung belaufen sich auf 15.000 Euro.

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte den Kommunen im April 2014 169.000 Euro für die „Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall“ zur Verfügung gestellt.

Kurze Zeit später, im August 2014, hatte die Katastrophenschutzbehörde der Städteregion ein Konzept für den Ausbau des Sirenensystems entwickelt. Anlass war dafür allerdings nicht die latente Gefahr, die vom maroden Kernkraftwerk Tihange ausgeht: „2014 war davon noch keine Rede“, sagt Marlies Cremer vom Bevölkerungsschutz der Städteregion Aachen. „Schon seit vielen Jahren sind sich Experten aber sicher, dass man auf verschiedene Szenarien vorbereitet sein sollte.“

Und das stößt in der Bevölkerung offenbar auf breite Akzeptanz. Stefan Siehoff jedenfalls hat noch keine negativen Rückmeldungen erhalten. „Bisher haben mich eher Bedenken der Bürger erreicht, ob es bislang überhaupt kein Warnsystem gibt.“

Keine Alternativen zur Sirene

Solch ein Sirenensystem ist nicht neu. Es bestand deutschlandweit bis zum Ende der 90er Jahre, wurde aber vom Bund nach Ende des Kalten Krieges aufgegeben. Die Warnung bei Unglücksfällen ist seitdem Ländersache.

Viele Sirenen wurden seitdem abgebaut. Auch im Nordkreis sind sie außer in Baesweiler verschwunden. Eine flächendeckende Warnung ist zwar über Medien wie Radio, Fernsehen oder Internet möglich. Was hierbei allerdings fehlt, ist der sogenannte Weckeffekt. „Im Notfall ist es wichtig, die Menschen so schnell wie möglich in Kenntnis zu setzen, und das geht nur, wenn sie wach sind“, sagt Cremer.

Auch über Radiowecker, die sich als Alarmgeräte steuern lassen oder Rauchmelder, die mit Warnempfängern ausgestattet sind, wurde bereits nachgedacht. Das ist zwar technisch umsetzbar, aber die Ausstattung jedes einzelnen Haushalts zu teuer.

Die einzige bestehende, flächendeckende Warnmöglichkeit sind Lautsprecherwagen. Bei Hochwasser oder verstopften Straßen können diese aber wenig ausrichten. Auch mobile Sirenen lehnt die Städteregion Aachen ab: Sie seien „zeitaufwendig und logistisch schwer handhabbar“, heißt es im Konzept.

Konzepte und deren Finanzierung sind das eine, ein auf den Ernstfall vorbereiteter Bürger das andere: Ende März dieses Jahres hatte die Städteregion Aachen bereits eine Tihange-Info-Broschüre als Teil des Katastrophenschutzes vorgestellt.

Darin werden auch die Sirenen-Signale beschrieben. Nun will die Städteregion mit einer weiteren Informationskampagne aufklären. „Die Bürger müssen mit den Sirenensignalen vertraut gemacht werden und auf den Katastrophenfall vorbereitet sein“, sagt Cremer „das ist das Wichtigste.“

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