Singergelände: Kaufangebot abgelehnt

Von: Karl Stüber
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Schock für Verwaltung und Stadtrat: Die Firma Groz-Beckert will alle Gebäude auf dem ehemaligen Singergelände in Würselen abreißen lassen. Damit wäre der Plan der Kulturstiftung, ein Begegnungszentrum in zwei Backsteingebäuden einzurichten, zunichte gemacht. Foto: Karl Stüber

Würselen. Die Nachricht erreichte die Stadt Würselen anderthalb Stunden vor Beginn der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am Donnerstagabend. In einer kurzen Mail teilte die Firma Groz-Beckert mit, dass sie das Kaufangebot der SEW, also der kommunalen Gesellschaft Stadtentwicklung Würselen, (2,7 Millionen Euro, d. Red.) ablehnt.

Zu diesen Bedingungen wolle man nicht an die Stadt Würselen verkaufen. Dagegen werde eine Tochtergesellschaft von Groz-Beckert, die Singer-Nadel-Fabrik (SNF), einen städtebaulichen Wettbewerb organisieren. Es heißt, dass man dabei die städtebaulichen Vorgaben der Stadt berücksichtigen wolle. Weiter heißt es, dass „alle Gebäude“ auf dem weitläufigen Gelände in Würselen-Mitte „zurückgebaut“ werden – eine unter Planern und Bürokraten übliche Bezeichnung für „abreißen“.

Technischer Beigeordneter Till von Hoegen unterrichtete entsprechend die Ausschussmitglieder zu Beginn der Sitzung auf Nachfrage von Hans Carduck (FDP), der von der Mitteilung offenbar schon „Wind bekommen“ hatte. Ansonsten wäre dies wohl erst unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Mitteilungen“ am Ende der öffentlichen Sitzung erfolgt.

Von Hoegen bekräftigte auf Nachfrage unserer Zeitung seine Aussage vor dem Ausschuss, dass auf diese Weise der Gesprächsfaden mit Groz-Beckert nicht abgerissen sei. Ganz im Gegenteil werde jetzt vor allem die Stadt, nachdem die SEW mit ihrem Kaufangebot erst einmal aus dem Rennen ist, weitere Verhandlungen führen. Naheliegendes Ziel sei es zu vermeiden, dass alle Gebäude abgerissen werden, da in zwei Backsteingebäuden die Kulturstiftung Würselen mit Unterstützung der Kommune ein Begegnungszentrum einrichten will.

Der Technische Beigeordnete bekräftigte, dass das Planungsrecht, also die Gestaltung der Vorgaben für den Bebauungsplan, ganz klar in „Hoheit“ der Stadt stehe. „Stadtrat, Fachausschuss und Verwaltung haben über die Jahre ganz klare Parameter entwickelt, was dort möglich ist und was nicht“, sagte von Hoegen. Es habe sich eindeutig ergeben, dass das Singergelände kein Einzelhandelsstandort, sondern idealer Standort fürs Wohnen sei. Entsprechend trägt die Stadt als Ergänzung für diese Gestaltung und Nutzung das Vorhaben der Kulturstiftung mit.

Entsprechend irreführend könnte da der von Groz-Beckert ins Spiel gebrachte städtebauliche Wettbewerb sein. Aus von Hoegens Sicht dürfte hier wohl eher ein Investorenwettbewerb gemeint sein.

Der Vorsitzende der größten Fraktion im Stadtrat, Christoph Küppers (SPD), zeigte sich „schwer enttäuscht und auch verärgert“ über die Ankündigung der Firma Groz-Beckert. Es habe sich erwiesen, dass es von erheblichem Vorteil war, dass die Kommune bislang kein Planungsrecht für das Singergelände geschaffen habe. Der Bebauungsplan, den man zügig weiter vorantreiben wolle, werde sich an den Bedürfnissen der Würselener Innenstadtentwicklung orientieren. „Wer auch immer das Singergelände erwirbt: Er wird gut beraten sein, das Gespräch zur Stadt Würselen zu suchen“, sagte der SPD-Fraktionschef.

Die Mitteilung der Firma Groz-Beckert hat auf die Entwicklung des sogenannten Integrierten Handlungskonzepts „Würselen Innenstadt“ keine Auswirkung. Die Unterbringung des Projekts der Kulturstiftung bleibt im Katalog der Projekte, zu deren Realisierung die Stadt Würselen auf 70 Prozent Förderung der Gesamtkosten setzt. Von Hoegen: „Es wäre jetzt das falsche Signal, das Vorhaben Kulturzentrum zu streichen. Wir sollten vielmehr ein klares Votum senden, dass wir die beiden Backsteingebäude erhalten wollen.“

Nach Online-Befragung und zwei Bürgerforen wird immer klarer, was sonst noch für das Jahr 2017 ansteht. Die inhaltlich umstrittene Umgestaltung des Vorplatzes der Kirche St. Sebastian bliebe in der zuletzt beschlossenen Form auf der Agenda (siehe unten stehender Beitrag).

Die dringend gebotene energetische Ertüchtigung des viel genutzten Kulturzentrums Altes Rathaus und private Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen sind gesetzt. Dabei liegen die Schwerpunkte auf umfassender Beratung von Hausbesitzern und Geschäftsinhabern sowie der Förderung von gestalterischen Maßnahmen an Gebäuden, die der Aufwertung und besseren Vermarktung dienen, was letztlich auch der Stadtentwicklung zugute kommt.

Gefördert werden sollen auch die Vorbereitung und die Begleitung der Umsetzung des Integrierten Handlungskonzepts. Dabei will die Stadt Würselen in Vorleistung gehen und insgesamt 188.000 Euro für Planungskosten ausgeben – auch hier in der Hoffnung, dass davon 70 Prozent refinanziert werden. Da die Sanierung des städtischen Gymnasiums ebenfalls 2017 starten soll, wurde dies bei den Planungskosten mitberücksichtigt.

Für nach 2017 geplante Projekte (zum Beispiel Gestaltung von Lindenplatz, Stadtgarten und Wegen sowie des Kalkhaldenparks) sollen Planungswerkstätten eingerichtet werden.

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