Singergelände: Interessenten kommen und gehen wieder

Von: Karl Stüber
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Großes Abräumen: Die Bagger arbeiten sich auf dem ehemaligen Singergelände immer weiter vor. Derweil versucht Grundstückseigener Groz-Beckert das Areal meistbietend zu verkaufen. Das Angebot der Stadtentwicklungsgesellschaft ist aber vom Aufsichtsrat gedeckelt. Foto: Karl Stüber

Würselen. Während die Abrissbagger ein Gebäude nach dem anderen auf dem ehemaligen Singergelände dem Erdboden gleichmachen, versucht der Grundstückseigner, die Firma Groz-Beckert, weiterhin, das Gelände meistbietend zu verkaufen.

Die Stadt Würselen, genauer die kommunale Stadtentwicklung Würselen Verwaltungs-GmbH (SEW), die schon den Kauf sicher mit Groz-Beckert vereinbart wähnte, kann derzeit nur zuschauen, wie es denn mit diesem „Filetstück“ der Stadtentwicklung weitergeht.

Bei Ablauf der Vertragsbindung mit dem bisherigen Projektentwickler Albert C. Blok Ende März hatte Groz-Beckert der Stadt Würselen überraschend mitgeteilt, dass es nun einen „privaten“ Bieter gebe, der einen deutlich höheren Kaufpreis zahlen wolle. Da wolle man nun erst einmal das Angebot prüfen. Die Rede war von vier bis sechs Wochen. Bis dahin war die Kommune nach langen und intensiven Verhandlungen davon ausgegangen, dass die SEW auftragsgemäß das Grundstück erwerben und städtebaulich entwickeln kann.

Planungsrecht als Faustpfand

Diese von Groz-Beckert gegenüber der Stadt genannte neue Frist ist klar verstrichen. SEW-Geschäftsführer Manfred Zitzen sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der von Groz-Beckert plötzlich ins Feld geführte Bieter wieder zurückgezogen hat. Weitere Interessenten hätten sich daraufhin auf dem Gelände umgesehen. Technischer Beigeordneter Till von Hoegen bestätigte, dass einige davon im Rathaus vorstellig geworden seien, um sich über die mit der Fläche im Kern von Würselen verbundenen Auflagen zu informieren.

Letztlich verfügt die Stadt Würselen über das wichtige Faustpfand namens Planungsrecht, erläuterte Zitzen. Für Projektentwickler und Investoren ist ein Grundstück in der Regel uninteressant, wenn für die dort mit dem eigenen Engagement verbundenen Projekte kein Baurecht verbunden ist bzw. nicht erworben werden kann, weil die Kommune andere Vorstellungen hat.

Die ursprünglich angedachte Teilnutzung durch Handel und Gewerbe würde sich schwer vermarkten lassen, erläuterte Zitzen. Dagegen benötige Würselen weiterhin mehr Häuser, besonders sozial gebundenen Wohnraum – und das zentrumsnah. Darauf würde auch die SEW im Einklang mit der Stadt Würselen setzen, sollte sie doch noch zum Zuge kommen.

Laut Zitzen prüfen aktuell zwei potenzielle Investoren, ob sie sich auf dem Singergelände engagieren. Der SEW-Geschäftsführer stellte klar, dass er an den Beschluss des eigenen Aufsichtsrates gebunden ist, der das Angebot gegenüber Groz-Beckert für das Gelände auf unter drei Millionen Euro gedeckelt hat.

Spannend wird es am 6. Juli bei der nächsten Aufsichtsratssitzung. Dass die Gesellschaft ihr Angebot erhöhen wird, um doch noch zum Zuge zu kommen, gilt als unwahrscheinlich, zumal die Würselener verstimmt über die Kehrtwende des Grundstückseigentümers sind. Ende offen ...

Bleibt die Frage, ob angesichts der neuerlichen Verzögerung die Abrissbagger auch das alte Backsteingebäude nebst Treppenturm der ehemaligen Zigarrenfabrik abreißen werden. Für diese beiden Gebäude hat die Kulturstiftung Würselen ein umfassendes Nutzungskonzept entwickelt und will dort einen kommunalen Treff mit kleineren Unternehmen einrichten. Die Stadt Würselen unterstützt auf Beschluss des Stadtrates dieses Ansinnen.

„Abgesprochen ist eigentlich, dass ein Abriss auch dieser beiden alten Gebäude nur erfolgt, wenn der Käufer das so will.“ Aber der steht ja noch nicht fest. Heißt: Die Gebäude bleiben vorerst stehen – eigentlich.

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