Singer-Höfe in XL würden zum Problem

Von: Georg Pinzek
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Auch die Kreuzung Bahnhof-/Kaiserstraße geprüft: Gutachter warnen davor, die Gewerbeflächen auf dem Singergelände zu groß anzulegen. Foto: Markus Bienwald

Würselen. Die Ruine der Nadelfabrik Singer ist seit Jahren ein Schandfleck im Herzen der Stadt Würselen. Pläne, das Areal zwischen Bahnhof-/Kaiserstraße und Kalkhaldenpark zu bebauen, warten ebenfalls seit Jahren auf die Umsetzung.

Vorgesehen sind Einzelhandelsgeschäfte, Büros und Praxen, ein Parkhaus mit 250 Stellplätzen, 1600 Quadratmeter sind für einen in der Innenstadt dringend nötigen Frischemarkt reserviert, 17.000 Quadratmeter für Wohnungen. Ein niederländischer Investor will das realisieren.

Doch die Vermarktung der Flächen gestaltet sich offensichtlich schwieriger als erwartet. Ein neuer Bericht zum Sachstand steht kurz nach den Herbstferien am Donnerstag, 22. Oktober, im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung auf der Tagesordnung. Nachdem sich die Singer-Höfe schon so lange in der Warteschleife befinden, darf man gespannt sein.

Heute steht jedoch schon fest, dass das Projekt in der einst einmal geplanten Größenordnung die benachbarten Straßen erheblich belasten würde. Eine Verkehrsuntersuchung, die noch vor der Sommerpause im Rathaus vorgestellt wurde, kommt zu dem Schluss: Besonders die Kreuzung Bahnhof- und Kaiserstraße wird zum Knackpunkt. „Eine Umsetzung der ursprünglich angedachten Planungen für das Gelände führt zu erheblichen Belastungszunahmen und Beeinträchtigungen im Kraftfahrzeugverkehr“, heißt es in der Analyse. Mit einem Plus von über 7000 Kraftfahrzeugen für den Bereich wurde bei der ersten Planungsvarianten gerechnet. Die ersten Konzepte sahen Einzelhandelsflächen von rund 8000 Quadratmetern neben dem Frischemarkt vor. Für Dienstleistungen, Büros und Gesundheit waren 5500 Quadratmeter geplant.

Bei den nun in Rede stehenden reduzierten Flächen (1500 Quadratmeter Einzelhandel plus Frischemarkt, 1300 für Büros und Praxen) wird immerhin noch mit einer Zunahme von 3860 Kraftfahrzeugen pro Tag im Umfeld gerechnet. Das Gutachten spricht sich klar für die Reduzierung der Einzelhandelsflächen aus.

Aber nicht nur dieses Szenario sollte die Untersuchung des Aachener Büros für Stadt- und Verkehrsplanung (BSV) in den Fokus rücken. Untersucht wurden nach einer Verkehrszählung im November 2014 mit einem Simulationsmodell auch die Auswirkungen des neuen Baugebiets zwischen Drischer Straße, Ring- und Sebastianusstraße und die Entwicklung des Medizinischen Zentrums (MZ) am Standort Marienhöhe. Nach Angaben der Gutachter ist eine daraus resultierende Zunahme von rund 1500 Kraftfahrzeugbewegung in den kommenden Jahren für das Straßennetz verkraftbar.

Zugrunde gelegt wurde folgende Entwicklung: Im Jahre 2018 soll die Zahl der ambulanten Patienten auf 45.000 steigen (34.000 wurden 2013 registriert), die der stationären Patienten von 13.000 auf 21.800, die Bettenzahl soll von 397 auf 544 wachsen. Die Gutachter empfehlen jedoch eine Optimierung des Ampelsignalprogramms für die Kreuzung Oppener Straße/Mauerfeldchen/Am Alten Kaninsberg.

Übrigens: Selbst ein Schulzentrum an der Kloster-/Lehnstraße, die Pläne sind aber vom Tisch, hätte laut Gutachten keine maßgeblichen Verschlechterungen der Verkehrssituation in der Innenstadt gebracht. Ein Grund dafür ist auch der zu erwartende Rückgang der Schülerzahlen bis 2025.

Untersucht wurde auch die Verlängerung der „K 30“ (Willy-Brandt-Ring) westlich der Krefelder Straße (B57) durch den Ausbau der Gouley- und Burgstraße bis zur Bardenberger Straße. In dem Fall nehme die Burgstraße zwischen 3500 und 3800 Kraftfahrzeuge am Tag auf. Gleichzeitig werde die Bardenberger Straße im Abschnitt zwischen Neustraße und Bardenberger Straße um mehr als 3000 Fahrzeuge am Tag entlastet. Auch die Neustraße werde durch die Verlängerung um 2300 Kraftfahrzeuge pro Tag entlastet. Dies entspreche etwa der Halbierung der gegenwärtigen Verkehrsbelastung.

Auch die B57 werde nördlich der Gouleystraße und die Bardenberger- und Morsbacher Straße im Abschnitt der B57 und der Neustraße entlastet. Dabei handele es sich jedoch nur um 500 bis 600 Fahrzeuge pro Tag. Bei einer zusätzlichen Verkehrsberuhigung der Neustraße, die aktuelle mit Tempo 30 ausgeschildert ist, beispielsweise durch den Ausbau einer Spielstraße, würden sich weitere Entlastungseffekte ergeben.

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