Singer-Gelände: Investor bekommt mehr Zeit

Von: ehg
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Würselen. Dass die Entwicklung des Singer-Geländes seit geraumer Zeit auf der Stelle tritt, hatte die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Renate Knauf, bereits in der vorangegangenen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung auf den Plan gerufen.

Nun folgte der angekündigte Antrag, „die exklusive Option für den Interessenten Albert C. Blok zur Entwicklung des Singer Geländes aufzuheben“. Die Verwaltung solle beauftragt werden, „aktiv und intensiv auf alle in der weiteren Region Aachen aktiven Investoren und Projektentwickler für Gewerbe- beziehungsweise Wohnungsbau zuzugehen und sie für die Entwicklung des Singer Geländes zu interessieren“, heißt es im Antrag. Nach eingehender und kontroverser Diskussion wurde dieser in der jüngsten Sitzung des Ausschusses abgelehnt.

Der niederländische Investor, der vor rund sechs Jahren für die Entwicklung des Projektes gewonnen wurde, war zwar nicht anwesend, meldete sich aber in einer Tischvorlage – auch im Namen der Herren Willem van Merlo und Karel Bronsgeest – zu Wort. „Wir haben mittlerweile viel Zeit und Energie in dieses Projekt investiert“, verwies Blok darauf, „die Wünsche der Stadt stets voller Überzeugung in unsere Pläne einfließen gelassen zu haben“. Als der Bebauungsplanentwurf im Mai 2014 „abgabebereit“ gewesen sei, habe man ein weiteres Mal – diesmal durch den Denkmalschutzantrag eines Bürgers – einen Rückschlag erlebt.

Von den Äußerungen der Bündnis 90/Grünen-Fraktion in der Sitzung im März 2015 sei er „unangenehm berührt gewesen“, erst recht vom eingereichten Antrag. „Wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut, um als guter Partner mit der Stadt Würselen den Standort zu entwickeln. Als Investoren möchten wir daher nicht auf der Anklagebank sitzen.“ Nach wie vor sei er bereit, konstruktive Gespräche mit der Politik zu führen.

Zu dem Antrag der Bündnisgrünen stellte der Technische Beigeordneter Till von Hoegen zunächst fest, dass zwischen der Stadt und der Investorengruppe im Juni 2011 ein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen worden sei, der die Übernahme der Kosten von Planungsleistungen zur Vorbereitung und Durchführung des Bebauungsplan-Verfahren beinhalte. Das Planverfahren habe bisher nicht zum Abschluss gebracht werden, da das städtebauliche Konzept mehrfach geändert worden sei. Der „Vorhabenträger“ solle nunmehr aufgefordert werden, bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses am 20. August „ein realisierbares Konzept vorzulegen, „damit der Bebauungsplan-Entwurf für die Offenlage ausgearbeitet werden kann“.

Dass Albert C. Blok seinen Verpflichtungen nachgekommen sei, daran erinnerte der Technische Beigeordnete den Ausschuss. Die Stadt könne den Investor zu nichts zwingen, weil sie nicht Eigentümerin des Grundstückes sei. Das einzige Steuerungsmittel sei das Planungsrecht.

Dass die Stadt dem Vorhabenträger keine exklusive Option eingeräumt habe, belegte SPD-Fraktionsvorsitzender Christoph Küppers. Was bei der Entwicklung des Singer-Geländes „passiere“, sei nichts Ungewöhnliches. Er sprach sich dafür aus, den Einzelhandel noch weiter zu reduzieren. Mehr Wohnungsbau stärke hingegen die Geschäftswelt an der oberen Kaiserstraße.

Das Projekt möglichst schnell zum Erfolg zu führen, müsse das Anliegen aller Beteiligten sein, stieß er für weitere konstruktive Gespräche die Tür auf. Gegen die Ansiedlung eines „Ein-Euro-Discounters“ trug der CDU-Sprecher Sven Schmitz seine Bedenken vor. Er sprach sich für Geschäfte mit hochwertigeren Angeboten aus. „Nur so können wir die Leute dazu bringen, in Würselen einzukaufen.“ Mit ihm stimmten alle Sprecher darin überein, dass der „Schandfleck im Herzen der Stadt“ möglichst bald verschwinden müsse.

Die Einzelhandelsflächen auf ein für den Investor noch erträgliches Maß zu reduzieren, schlug UWG-Fraktionsvorsitzender Theo Scherberich vor. Er sei froh, dass die Stadt den niederländischen Investor gefunden habe. Er riet dazu, den Vertrag mit ihm erst dann aufzukündigen, wenn die gesetzten Fristen nicht eingehalten würden. Dem hielt Christoph Küppers entgegen, dass man weder den Eigentümer Groz-Beckert (Albtal) noch den Investor zu etwas zwingen könne. Man sollte versuchen, das Projekt auf partnerschaftlicher Ebene voranzubringen.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans Carduck verwahrte sich dagegen, dem Ausschuss die Verzögerungen in die Schuhe zu schieben. Er befürchtete, dass der Eigentümer das Heft selbst in die Hand nehmen könne. Es nutze nichts, wenn die Stadt den Investor zeitlich unter Druck setze. „Wir müssen neue Überlegungen anstellen“, trat er die Flucht nach vorne an. Es sei nicht das Ziel der Bündnisgrünen, den niederländischen Investor zu verabschieden, vielmehr sei es ihnen darum gegangen, die Entwicklung des Singer-Geländes voran zu bringen. Dazu sollten auch Gespräche mit anderen Investoren geführt werden.

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