Singer-Areal: Grüne wollen dem Investor Exklusivrechte entziehen

Von: ehg
Letzte Aktualisierung:

Würselen. Auf Initiative des Vorsitzenden der Kulturstiftung, Achim Großmann, hatte die Stadt Würselen Anfang Mai 2014 einen Antrag ans Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland gestellt, Gebäude der ehemaligen Zigarren- und späteren Nadelfabrik an der Kaiserstraße unter Denkmalschutz zu stellen – nachdem die Fabrikanlage in die Denkmalliste der Stadt eingetragen worden war.

Was als erster Schritt folgte, war eine Besichtigung der zu schützenden Gebäude Ende Mai 2014. Ein vom Amt für Denkmalpflege erstelltes Gutachten kam schließlich am 17. Dezember ins Rathaus am Morlaixplatz. Mit ihm testiert das Amt für Denkmalpflege, besagte bauliche Anlage besitze eine hohe orts- und industriegeschichtliche Bedeutung.

Es stellt aber auch fest: „Die überlieferte Bausubstanz spiegelt die einzelnen Zeitgeschichten nicht mehr anschaulich und aussagekräftig wider.“ Das Amt würde wegen der angeführten ortsgeschichtlichen Bedeutung begrüßen, „wenn die heute noch prägenden Teile der baulichen Anlage ganz oder teilweise erhalten beziehungsweise in eine Neuentwicklung des Areals einbezogen werden könnten“.

Mit diesem Wunsch trat die Stadt an den niederländischen Investor Albert C. Blok heran, der dem entsprechend das Konzept zur Folgenutzung überarbeitete. Und jetzt dem Ausschuss für Stadtentwicklung vorstellte.

Wie seinen recht allgemein gehaltenen Ausführungen zu entnehmen war, wurden größere Veränderungen an den gewerblich genutzten Flächen vorgenommen. Es sei nicht so einfach gewesen, die alten Gebäude in den neuen Masterplan einzubeziehen. Kulturräume seien mit der Kulturstiftung angedacht worden. Erhalten geblieben sei die Anlage eines Platzes im Herzen des zu überplanenden Areals mit Gastronomie, um auch nach Schließung der Geschäfte noch Leben in die Anlage zu bringen.

Der ursprüngliche Branchenmix sei auch nach „Anpassung“ der Planung geblieben. Dass die Vermarktung gut laufe, war sich Blok sicher. Neben Rewe sei der niederländische Non-Food-Discounter „Action“, der europaweit 515 und in Deutschland bisher 47 Filialen betreibe, als „Anker“ mit einem Sortiment von 5000 Artikeln an Land gezogen worden.

Nicht nur der Masterplan musste angepasst werden, vielmehr auch die unterschiedlichen Gutachten. Wenn dies erfolgt sei und 65 Prozent der gewerblichen Fläche vermarktet seien, werde der Antrag auf Baugenehmigung eingereicht werden.

Dass es nun zügig mit den Singer Höfen vorangehen möge, wünschte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Christoph Küppers. Er begrüßte, dass dem Wunsch der Stadt durch den Investor entsprochen worden sei.

Darin pflichtete ihm sein CDU-Pendant Sven Karl Schmitz bei.

Danke sagte UWG-Fraktionsvorsitzender Theo Scherberich, „dass Sie, obwohl es Ihnen nicht leicht gemacht worden ist, bei der Stange geblieben sind“. Dennoch stellte er ein paar kritische Fragen. Er sorgte sich, dass 160 Parkplätze für den gewerblichen Zweig ausreichen. Und dass die in einer Tiefgarage untergebrachten Stellplätze für den Wohnbereich genutzt werden, wenn dafür Miete erhoben werde.

Den „hohen Grad an gewerblicher Fläche“ stellte der sachkundige Bürger Dr. Irg Müller auf den Prüfstand, weil er darin eher eine Konkurrenz zur oberen Kaiserstraße als deren Stärkung befürchtete.

Investor Blok war zwar bemüht, alle Zweifel aus der Welt zu räumen, blieb aber erst recht bei Fragen nach der Struktur des Wohnbereichs unverbindlich. Dass es eine fußläufige Verbindung zum Recker-Gelände geben werde, versicherte er.

Dass bis heute kaum konkrete Aussagen vom Investor gemacht und keine schriftliche Vorlage erstellt worden seien, kritisierte Grüne-Fraktionsvorsitzende Dr. Renate Knauf. Ihre Fraktion werde zur nächsten Sitzung des zuständigen Ausschusses einen Antrag stellen, dem Investor Albert C. Blok die Exklusivrechte an der Entwicklung und Vermarktung des Singer-Areals zu entziehen.

Im Sitzungssaal machte sich betretenes Schweigen breit. Und der Investor zog auf leisen Sohlen von dannen. Wobei man sagen muss, dass viele Fragen unbeantwortet geblieben waren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert