„Sinfonietta Regio”: Publikum ist ganz nah bei Beethoven

Von: Joachim Peters
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Kontaktfreudig: Dirigent Jerem
Kontaktfreudig: Dirigent Jeremy Hulin bezog Musiker und Publikum gleichermaßen in den Beethoven-Vortrag ein. Foto: Wolfgang Sevenich

Baesweiler. Wenn Laienorchester berühmte Sinfonien aufführen, lauern Gefahren. Eine davon ist das Sich-Berauschen an Meistern, denen man doch nur begrenzt gerecht wird. Die zweite liegt im Spielen vor einer Mini-Zuhörerschar, meist sind es Familien und Freunde der Musiker.

Denn eine größere, medial verwöhnte Musikliebhaber-Schar wird perfekte Darbietungen in großstädtischen Musentempeln oder auf CD gebannt im heimischen Wohnzimmer vorziehen.

Diesen Gefahren entzieht sich das Orchester „Sinfonietta Regio” seit Jahren. Die Pionierarbeit des Gründers Willy Kronen fortsetzend, trotzte bereits Dirigent Marius Suciu den technischen Schwierigkeiten von Beethoven-Sinfonien. Unter dem jetzigen musikalischen Leiter Jeremy Hulin, früher Leiter des Aachener Opernchores, ist Entscheidendes hinzugekommen: das vorher so nicht erfolgte und womöglich auch nicht angestrebte Gespräch mit dem Publikum. Das fühlt sich durch die neue Konzert-Präsentation so angesprochen, dass es wie jetzt im Baesweiler PZ die Reihen bis auf den letzten Platz füllte.

Frische und Freude

Aufführungen der 5. Symphonie von Beethoven unter Hulins Vorgänger waren vor eher kleinem Publikum ein hermetisches Ver- und Einschmelzen des Orchester-Körpers mit dem Willen des Dirigenten. Das war schon gut, doch heute läuft es noch besser! Der jetzige Dirigent „kommuniziert” stark mit den Musikern und dem Publikum. Jeremy Hulin bezieht letzteres als Moderator in die Arbeit seiner Schützlinge mit ein. Für den auch in Literatur und Malerei beschlagenen Briten mit Wohnsitz Eschweiler ist sinfonische Musik nicht vom Himmel gefallenes Wunderwerk für wenige Erwählte, sondern Äußerung menschlicher Gefühle. Hulin freut sich sichtbar darüber - und lässt Musiker und Publikum an der beethovenschen Frische und Freude teilhaben.

Hulin führte in das Konzert „Ta-ta-ta-taaa” - auf so ein Konzert-Motto muss man erst einmal kommen! - ganz anders und wirkungsvoll ein. Zum einen spielte er die wichtigsten Satz-Motive am Klavier vor. Andere wurden von einzelnen Instrumenten angespielt. Die Botschaft: Jeder einzelne Musiker ist wichtig beim Verkünden von Beethovens Botschaft. Das silberne Blech ebenso wie der brummende Kontrabass oder die sich keck Gehör verschaffende Piccolo-Flöte. Dann wieder folgten Anekdoten aus dem Leben und Leiden Beethovens sowie Dokumente, die den Entstehungsprozess der bahnbrechenden Sinfonie freilegten. Ja, so wünscht man sich eine Konzertpräsentation: eine wohltuende Alternative zu abgehobenem „Zele-brieren ohne Worte”.

Wer so über eine halbe Stunde pädagogisch hilfreich und menschlich unaufgeregt mit Informationen gefüttert wurde, „ging” dann in die eigentliche zusammenhängende Aufführung der 5. Symphonie nur noch mit einem tiefen Gefühl der Vorfreude. Bereits im vergangenen Sommer ist die so genannte „Schicksals-Sinfonie” unter Jeremy Hulin in St. Pius Würselen aufgeführt worden.

In vielem zeigte sich die Präsentation in Baesweiler noch ausgereifter als damals - arbeitete die Sinfonietta das aus kleinsten Bauteilen entwickelte motivische Material der Sinfonie tonschön und rhythmisch präzise heraus. Wenn ein paar wenige Unsicherheiten nicht verborgen blieben, ist dies ein zusätzliches Lob. Denn die sind nur hörbar, wenn das Orchester keine rauschende Klangmasse abgibt, sondern ein sensibler und dynamisch fein abgestufter Klangkörper wie die „Sinfonietta” ist.

Weit mehr blieben von diesem Abend im Ohr etwa die majestätischen Blechbläser hängen oder die „singenden” Streicher. Die grandiose Apotheose, das Finale des vierten Satzes, gab die „Sinfonietta” dann komplett noch einmal als heftig geforderte Zugabe.
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