Simultanschach: Alexander Onischuk spielt gegen 36 Gegner

Von: ger
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Zug um Zug kommt Großmeister Alexander Onischuk seim Ziel näher: 36 Gegner gleichzeitig zu schlagen. Das ist eine enorme Konzentrationsleistung des Schachprofis. Foto: Daniel Gerhards

Herzogenrath. Es ist schon ein ganz schöner Trubel. Laut ist es nicht. Dennoch: Soviel wird während einer Schachpartie selten geredet. Dass nicht alle Spieler schweigend vor ihrem Brett sitzen, hat einen Grund: 36 Amateure spielen gegen ein Profi.

Da bleibt schon mal für ein Schwätzchen oder den Blick auf das Brett des Gegners.

Beim Simultanschach des Herzogenrather Schachvereins stehen 36 Tische in einem Viereck. In der Mitte steht nur einer: Alexander Onischuk. Der Weltklassespieler ging am vergangenen Sonntag im Burg Café auf der Terrasse hoch über Herzogenraths Dächern von Brett zu Brett. Ohne Zögern macht er Zug um Zug, denn der gebürtige Ukrainer nimmt es gleich mit 36 Gegnern auf.

Das Ziel von Alexander Onischuk, der mittlerweile die amerikanische Staatsbürgerschaft hat, ist einfach. Er will alle seine Gegner schlagen. Der Vize-Präsident des deutschen Schachbunds Dr. Hans-Jürgen Weyer liefert die simple Erklärung für Onischuks gute Erfolgsaussichten: „Er ist einfach sehr viel besser. Da kommen die Amateure nicht mit. Wenn einer von uns was holt, dann hat er Glück gehabt.”

Der Großmeister Onischuk kann aber nicht nur gegen Amateure gewinnen. 2006 wurde er amerikanischer Meister. Zudem hat die Nummer 34 der Weltrangliste schon zahlreiche Turniere rund um den Globus gewonnen. Das funktioniert nur mit einer Menge Training.

Weyer: „Er investiert so viel in den Schachsport wie wir in unseren Beruf.” Acht Stunden Training täglich sind für einen Schachprofi keine Seltenheit. „Die Profis trainieren sämtlichen Phasen des Spiels - und das auf Weltniveau.”

Aber es nicht nur das viele Training, das Onischuk so stark macht. Auch sein gutes Erinnerungsvermögen hilft ihm beim Spiel. „Alexander Onischuk war vor zwei Jahren schon mal bei uns”, erklärt Hans-Jürgen Weyer, „er erinnert sich heute noch genau an die Partie, die er damals gespielt hat. Der hat ein unglaubliches Gedächtnis.”

Obwohl Onischuk jedem seiner Konkurrenten bei weitem überlegen ist, ist der Simultanschach doch anstrengen für ihn. Er muss sich an jedem Brett neu konzentrieren und 36 Spiele im Gedächtnis haben.

Seine Gegner haben viel mehr Zeit ihre Züge zu planen und dennoch denkt der Großmeister immer einen Schritt weiter als seine Konkurrenten.

„Er lässt sich nicht auf Kombinationen ein. Er spielt seine Erfahrung aus und nutzt unsere Schwächen”, sagt Weyer, der sich ebenfalls mit Onischuk misst. „Wenn einer von uns einen Fehler macht, merkt er das sofort.”

Mit jeder Runde um die Tische wird der Simultanschach für Onischuk anstrengender. Wenn man davon ausgeht, dass eine normale Partie 40 Züge dauert, muss Onischuk eine Menge Figuren verrücken um auch den letzten zu schlagen.

Das Kräftemessen Einer gegen 36 dauerte mehr als 4,5 Stunden und zog sich bis in die frühen Abendstunden. Einige Partien gestalteten die Amateure sehr offen.

Dennoch: In den knappen Spielen zeigte sich die Souveränität des Großmeisters, der immer einen kühlen Kopf behielt. Ein Mal musste sich Onischuk trotzdem geschlagen geben. Am Ende hatte der Profi 30 Siege, fünf Remis und eine Niederlage zu Buche stehen.
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