„Sie haben gewonnen”: Bei Anruf Betrug

Von: Elisa Zander
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Bitte aufpassen! Verbraucherschützer warnen vor unseriösen Geschäftemachern am anderen Ende der Leitung. Foto: Stock

Nordkreis. „Ich sitze immer noch hier und warte darauf, dass irgendjemand mit einem Gewinn kommt.” Claudia Schmitz, Leiterin der Beratungsstelle Alsdorf der Verbraucherzentrale NRW, berät seit vielen Jahren Kunden, die in verschiedenster Weise durch betrügerische Gewinnspielabzocke geschädigt wurden.

Gewonnen hat bislang nie jemand, doch die Zahl derer, die sich von den gut geschulten Gesprächspartnern am Telefon oder den verlockenden persönlich adressierten Schreiben blenden lassen, steigt.

Allein im vergangenen Jahr nahmen 300 Verbraucher in der Alsdorfer Beratungsstelle Unterstützung in Anspruch, Tendenz steigend. „Und wir wissen nicht, wie groß die Dunkelziffer ist”, sagt Claudia Schmitz. Viele der Geschädigten trauten sich aus Scham und Angst nicht, gegen die Abzocke vorzugehen. „Und dann ist da natürlich noch der Glaube daran, doch zu dem ausgewählten Gewinnerkreis zu gehören”, ergänzt Horst Lauterbach.

Er ist bereits vor zwei Jahren in die Falle getappt und hat einer Anruferin bereitwillig private Daten inklusive seiner Bankverbindung genannt. Die ersten Bestätigungsschreiben mit einem Hinweis auf künftige Abbuchungen wurden postalisch zugestellt. 59 Euro sollte der Gewinneintragungsdienst künftig monatlich kosten. Horst Lauterbach zahlte - mehr als einmal. Bald erhielt er weitere Anrufe von anderen Firmen, die ihm neue Angebote unterbreiteten. Und auch hier stimmte er zu. Erst nach einigen Wochen siegte sein Verstand und er suchte Rat bei Claudia Schmitz. Einige der Gebühren konnten zurückgebucht werden. Doch ein hoher dreistelliger Betrag war auf immer verloren.

Doch mit einem Widerruf und einer Kündigung war der Ärger mit den Gesellschaften nicht vorbei - das Geld wurde weiterhin vom Konto von Horst Lauterbach abgebucht. Eine Rückbuchung seinerseits hatte ein Schreiben von einem Inkasso-Büro zur Folge. „Das habe ich dann dummerweise auch noch bezahlt”, ärgert er sich heute noch. Das passierte etwa ein Jahr später.

In der Zwischenzeit hatte Horst Lauterbach seine Ruhe vor störenden Telefonanrufen und Gewinnspielangeboten gehabt. Dann wurde ohne Vorwarnung plötzlich erneut der Betrag von der bekannten Gesellschaft abgebucht. „Jetzt beginne ich quasi wieder von vorne. Das ist anstrengend und zerrt an den Nerven.” Insbesondere die 15 bis 20 Anrufe täglich stellen ihn vor eine Herausforderung. „Da entsteht ein regelrechter Telefonterror. Das ist ein Eingriff in die Privatsphäre!”

Diese Erfahrung musste auch Familie Gruchow machen. Vor einem Jahr geriet sie in die Fänge der Abzocker, konnte aber noch schnell reagieren und den gezahlten Betrag zurückholen. Bis heute wird sie von Anrufern und postalischen Anschreiben belästigt.

„Die beste Möglichkeit bei Telefonanrufen ist es, aufzulegen oder die Nummer des Anrufers zu notieren und an die Bundesnetzagentur zu melden”, erklärt Claudia Schmitz. Das könne im Internet gemacht werden oder auch über die Verbraucherzentrale. Letztere hat in den vergangenen Jahren eine Schwarze Liste erstellt. Dort sind Adressen und für die Firma typische Maschen eingetragen. Über 110 Seiten ist das Dokument mittlerweile lang, nahezu täglich wird es erweitert.

Stetig hält sich das Gerücht, dass besonders ältere Menschen von den Anrufen betroffen sind und leichter in die Fänge geraten. Claudia Schmitz erklärt sich das so: „Viele der älteren Menschen sind froh, wenn jemand anruft, der nett und freundlich ist. Da geht das ,Ja´ schnell über die Lippen.” Kinder und Enkelkinder der Betroffenen bekommen nicht zwangsläufig etwas davon mit und fallen nach Sterbefällen manchmal aus allen Wolken. Da bekommen die Mitarbeiter der Verbraucherzentrale dann kurzerhand ganze Ordner voller Schreiben und Kontoauszüge.


Ratschlag: Niemals am Telefon die Bankverbindungen preisgeben

Die Abzocke durch Gewinnspiele findet immer neue Maschen der Anbieter. Aktuell ist es üblich, dass die Gebühren für den Eintragungsdienst von der Telefonabrechnung abgebucht werden. Diese Kostenposten werden auf dem Rechnungsschreiben des Telekommunikationsunternehmens einzeln aufgeführt. Dennoch wird erst bei genauem Hinsehen der Position deutlich, was sich dahinter verbirgt. Die Kosten variieren zwischen 9,90 Euro und etwa 33 Euro.

Ganz neu und mit großer Vorsicht zu genießen ist eine Gesellschaft, die sich als „Verbraucherschutz Deutschland” oder unter ähnlichen Namen ausgibt. Hier bieten die Mitarbeiter einen Dienst an, mit dem man in Listen eingetragen wird, um nicht an Gewinnspielen teilzunehmen und auf diese Weise lästigen Anrufen zu entgehen. Claudia Schmitz warnt davor, auf dieses Angebot einzugehen, das von den Angerufenen gerne als Option der Verbraucherzentrale angesehen werde: „Wir rufen nicht an, wir buchen nichts ab und wir führen auch keine solche Listen.”

Ist man einmal in die Gewinnspielfalle geraten, sollten Betroffene Widerrufschreiben aufsetzen. Weiterhin ist eine stetige Kontrolle der Kontoauszüge notwendig, um im Bedarfsfall Beträge zurückzubuchen. Daten sollten ganz sparsam weitergegeben werden und Bankverbindungen nie am Telefon genannt werden.

Die für den Nordkreis zuständige Verbraucherzentrale in Alsdorf hilft weiter. Die Mitarbeiter in der Bahnhofstraße 36-38 sind montags von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, mittwochs von 10 bis 15 Uhr, donnerstags von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr sowie freitags von 9 bis 13 Uhr persönlich und telefonisch unter 02404/93901 erreichbar. Die Unterstützung bei Problemen mit Gewinnspielen ist kostenlos.

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