Nordkreis - Sie engagieren sich für die Demokratie im Nordkreis

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Sie engagieren sich für die Demokratie im Nordkreis

Von: Sarah Siemons
Letzte Aktualisierung:

Nordkreis. Im Superwahljahr 2009 kommt man an ihnen einfach nicht vorbei: den Wahlplakaten in unserer Region. An allen Ecken lächeln Kandidaten von großformatigen Bildern mit einschlägigen Sätzen.

Doch immer häufiger ziert diese Plakate auch ein eilig dazu gekritzelter Schnurrbart oder ein paar Schimpfwörter. „Ich frage mich dann immer, was in den Schmutzfinken vorgeht”, sagt Christian Spoo.

Der 20-Jährige ist in so einem Fall nicht nur enttäuscht, weil er dahinter eine Politikverdrossenheit vermutet, sondern auch persönlich betroffen. Denn der Elektro-Technik-Student hat viele der Bilder selbst geklebt und aufgehangen.

Als Geschäftsführer der Jungen Union macht er sich für die Christdemokraten in Würselen stark. Da kam es im Wahlkampf auch schon einmal vor, dass er selbst die Grillzange geschwungen hat oder nachts noch Flyer am Computer entwarf.

So wie er engagieren sich viele Menschen auf kommunaler Ebene für die Parteien. „Weil man eben nicht nur meckern soll, wenn man etwas verändern möchte, sondern anpacken muss”, sagt Wolfgang Brose. Seit April ist der 56-Jährige mit seiner Frau Antonia für die Linke in Herzogenrath aktiv.

Kleine Opfer

In seiner Garage ist alles zu finden, was die LInke für den Wahlkampf braucht: Flyer, ein Tapeziertisch und Sonnenschirme für den Info-Stand und viele Plakate. Das Auto musste vorübergehend auf die Straße gestellt werden. „Das ist ein kleines Opfer, das wir gerne bringen”, erklärt der gelernte Schreiner mit einem Schmunzeln. Seine Frau ist Sprecherin, er Beisitzer des Herzogenrather Ortsverbands der Partei.

Schmunzeln kann heute auch Christoph Pontzen, obwohl er weiß, dass die Arbeit an vorderster Front nicht immer auf Gegenliebe stößt: „In Monschau sind wir einmal mit den Kugelschreibern beworfen worden, die wir verteilt hatten.”

Der 22-Jährige Bankkaufmann hat für die FDP die Organisation des Wahlkampfes für Stefan Rohmann übernommen. Er ist Fahrer, Manager, mentale Stütze und Begleiter des Bundestagskandidaten aus Alsdorf.

„Es ist normal für mich, bis zwei Uhr nachts zu telefonieren und Termine zu vereinbaren. Klar ist das anstrengend, aber es macht furchtbar viel Spaß”, erklärt Pontzen sein Engagement.

Dass so ein Wahlkampf auch anstrengend sein kann, hat Marius Sapletta am eigenen Leib erlebt. Bei der Kommunalwahl kandidierte er für den Stadtrat. Der 18-jährige Schüler unterstützt seit einem Jahr die Alsdorfer Grünen, auch jetzt vor der Bundestagswahl.

Er verteilt Flyer, steht an Informationsständen und kommt mit den Menschen ins Gespräch. In seinem Zimmer stapeln sich die Kisten mit Kulis und Wahlprogrammen.

„Ich investiere gerne meine Zeit in die politische Arbeit”, sagt er. Mit seiner Tätigkeit als Handballtrainer kommt er dabei nicht in Zeitnot. „Nur die Schule geht vor, in einer stressigen Klausurphase, muss ich auch Termine absagen.” Dass manche der von ihm aufgehängten Plakate beschmiert oder geklaut wurden, ärgert ihn sehr.

Genau wie Helga Meier, die 69-jährige Rentnerin hat für die SPD in Baesweiler nämlich selbst schon oft den Kleister angerührt und im Keller der Realschule Plakate geklebt.

„Viele haben keinen Respekt - weder vor den ausgestellten Menschen auf den Plakaten, noch vor denen, die sie aufgestellt haben”, sagt sie. Seit zwanzig Jahren ist Helga Meier schon für die Sozialdemokraten in der CDU-Hochburg aktiv. Dass ihre Partei stets verhältnismäßig wenige Stimmen erhält, schmälert ihre Motivation nicht.

„Wieso denn? Wir dürfen nicht aufgeben!” Auch, dass ihre drei Kinder sie laut eigener Aussage für „bekloppt” halten, weil sie neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit für die Arbeiterwohlfahrt auch noch viel Zeit für die Partei investiert, hält sie nicht ab, beim Dämmerschoppen den Ausschank zu übernehmen oder im Vorstand der ASF und des Unterbezirks der 60plus zu sein.

So unterschiedlich das politische Engagement der Menschen im Nordkreis auch ausfällt, eins haben sie alle gemeinsam: „Wir machen das, um unserer Demokratie willen: Die eigene Meinung klar vertreten, aber auch die andere Meinung tolerieren”, sagt Spoo.

Und deshalb ärgert es ihn nicht nur, wenn ein CDU-Aufsteller beschmiert wird, sondern auch wenn es die anderen Parteien trifft.
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